Montag, 19. August 2019

Börse Dax im Minus - Broadcom belastet Chipwerte

Der Dax hat nach einer starken Woche am Freitag den Rückwärtsgang eingelegt. Mit einer Umsatzwarnung des US-Halbleiterkonzerns Broadcom und wachsender Unsicherheit im Nahen Osten zogen sich die Anleger zurück. Chipwerte zählten zu den großen Verlierern am Aktienmarkt.

Die Wochengewinne des Dax Börsen-Chart zeigen sind am Freitag zusammengeschmolzen. Niemand wolle nach dem Wochenende auf dem falschen Fuß erwischt werden, sagte Andreas Lipkow, Marktexperte der Comdirect Bank. Insbesondere die unsichere Lage im Nahen Osten und die Umsatzwarnung des US-Halbleiterkonzerns Broadcom sorgten für Zurückhaltung. Der Deutsche Leitindex fiel bis zum Schluss des Xetra-Handels (17.30 Uhr) um 0,5 Prozent auf 12.100 Punkte.

Bereits in der Vorwoche war der Dax in Erwartung einer vielleicht nochmals lockereren Geldpolitik der Notenbanken nach oben geschnellt. Beim Thema Handelsstreit herrscht dagegen angespannte Ruhe vor einem Treffen des US-Präsidenten Donald Trump und Chinas Staatspräsidenten Xi auf dem G20-Gipfel Ende des Monats.

Der MDax Börsen-Chart zeigen , in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, sank am Freitag um 0,62 Prozent auf 25 309,69 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um ein halbes Prozent abwärts.

Broadcom-Umsatzwarnung drückt Chipwerte

Besonders schwer erwischte es europaweit Technologiewerte, nachdem Broadcom für das laufende Jahr vor schwächeren Erlösen warnte. Ein wesentlicher Grund für den Pessimismus sei der Handelsstreit mit China, der die Nachfrage nach Halbleitern drücke. Infineon Börsen-Chart zeigen rutschten daraufhin um fast 7 Prozent auf das Niveau von Herbst 2016 zurück. Aixtron Börsen-Chart zeigen sanken um rund 6,5 Prozent auf den Stand von Anfang April und Siltronic um 5,5 Prozent auf das Niveau von 2017. Dialog Semiconductor Börsen-Chart zeigen schwächelten mit minus 4,5 Prozent.

Wall Street schwächer, Walt Disney auf Rekordhoch

Die Investoren an der Wall Street haben sich am Freitag in Zurückhaltung geübt. Der Dow Jones Industrial verlor im frühen Handel 0,26 Prozent auf 26 037,88 Punkte. Auf Wochensicht steuert der US-Leitindex damit aber noch auf ein moderates Plus von 0,2 Prozent zu.

Belastet von schwachen Halbleiterwerten nach gekappten Umsatzzielen von Broadcom rutschte der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 mit minus 0,54 Prozent auf 7469,99 Punkte noch etwas deutlicher ab. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,30 Prozent auf 2883,07 Zähler nach.

Aktuell dämpft der sich verschärfende Konflikt der USA und ihrer arabischen Verbündeten mit dem Iran die Kaufbereitschaft. Die USA sehen im Iran den Schuldigen für die schweren Zwischenfälle mit Handelsschiffen unweit der iranischen Küste. Tags zuvor hatten die Anleger dieses Thema noch zur Seite geschoben.

Dazu nährten die jüngsten, durchwachsenen Konjunkturdaten aus China die Sorgen um die Weltwirtschaft. Und im Hintergrund schwelt weiter der Handelskonflikt der Vereinigten Staaten mit der aufstrebenden asiatischen Großmacht.

Jüngste US-Konjunkturdaten verstärkten derweil die Spekulationen auf sinkende US-Leitzinsen insgesamt eher nicht. Veröffentlicht wurden Einzelhandelsumsätze, Daten zur Industrieproduktion und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan. Die Hoffnung auf sinkende Zinsen durch die Notenbank Fed diente zuletzt immer wieder als positiver am Aktienmarkt.

Die Papiere von Broadcom büßten fast 7 Prozent ein. Am Vortag hatte der Halbleiterkonzern nach der Schlussglocke an der Wall Street seine Umsatzprognose für das laufende Jahr gesenkt. Analysten waren von diesem Schritt an sich weniger überrascht, eher vom Ausmaß der Prognosesenkung. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Handelskrieg zwischen den USA und China, der die Nachfrage nach Halbleitern drücke. Mehrere Analysten senkten nun ihre Kursziele für die Broadcom-Papiere.

Die Enttäuschung hinterließ auch bei anderen Branchenwerten Spuren: So ging es etwa für Intel , Micron Technology , Advanced Micro Devices , Lam Research , Applied Materials und Texas Instruments deutlich nach unten, wenn auch nicht so stark wie bei den Broadcom-Anteilen.

Ein Rekordhoch mit 142,95 US-Dollar markierten die Papiere des Entertainment-Riesen Walt Disney . Zuletzt dämmten sie das Plus aber fast vollständig ein und kosteten wieder unter 142 Dollar. Bereits am Vortag hatten sie an der Dow-Spitze deutlich zugelegt, ein Rekordhoch aber knapp verpasst.


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Eine skeptische Studie der Investmentbank Oddo BHF riss derweil Rheinmetall Börsen-Chart zeigen aus der Hoffnung auf einen erfolgreichen Chartausbruch. Analyst Harald Eggeling sieht eine Reihe von Risiken für den Autozulieferer und Rüstungskonzern - unter anderem für letzteren Geschäftsbereich die Veränderung der politischen Landschaft in Deutschland. Die Papiere sackten bis zu 5,7 Prozent ab, nachdem sie tags zuvor noch auf den höchsten Stand seit einem Jahr geklettert waren. Bis zum Nachmittag blieb nach einem beruhigenden UBS-Kommentar nur noch ein Verlust von gut 3 Prozent.

Varta Börsen-Chart zeigen bauten derweil ihre jüngste Rally aus und schafften mit 52,30 Euro einen neuen Rekordstand. Seit Anfang Juni schossen sie insbesondere dank der erfolgreichen Kapitalerhöhung zum Kapazitätsausbau bis zu 22 Prozent nach oben.

Zooplus gewannen gar 4 Prozent und knackten damit den Abwärtstrend seit Mai 2018. Für Bewertungsfantasie sorgt der US-Börsengang von Chewy, einem anderen Online-Händler für Tierbedarf.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein Rekordtief von minus 0,30 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,07 Prozent auf 144,40 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,05 Prozent auf 171,69 Punkte.

Ein Euro kostete zuletzt 1,1245 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1289 Dollar festgesetzt.

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