Dienstag, 18. Juni 2019

Zinsfantasie an der Börse Schwache US-Daten lassen Dax springen

Dax und Dow im Vorwärtsgang: Zinsfantasie beflügelt die Börsen
Richard Drew/ AP
Dax und Dow im Vorwärtsgang: Zinsfantasie beflügelt die Börsen

Schwache Konjunkturdaten stützen die Börsen: Der Dax klettert zum Wochenschluss klar über die Marke von 12.000 Punkten. In den USA sind viel weniger neue Jobs geschaffen worden als erwartet - der stotternde US-Jobmotor weckt an der Börse Hoffnungen auf Zinssenkungen.

Die Börsen bleiben auf Erholungskurs: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen hat zum Wochenschluss die Marke von 12.000 Punkten klar überschritten. Am Freitag kletterte der Dax zeitweise bis auf 12.070 Zähler und steuerte damit auf einen Wochengewinn von knapp 5 Prozent zu. Den Xetra-Handel beendete der Dax bei 12045 Punkten. Für Unterstützung sorgten vor allem die deutlichen Kursgewinne in den USA: Dow Jones und Nasdaq bauten am Freitag ihre Gewinne aus, da enttäuschende Daten vom US-Arbeitsmarkt die Hoffnung schürten, dass die US-Notenbank Federal Reserve in Kürze die Zinsen wieder senken wird.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Adidas Börsen-Chart zeigen, Eon und RWE Börsen-Chart zeigen, die ihre Erholung der vergangenen Tage fortsetzten. Dagegen setzen die Papiere von Bayer und Vonovia ihre Talfahrt fort: Vonovia leidet unter Gerüchten einer Mietpreisbremse in Berlin.

Dow und Nasdaq legen zu: US-Anleger erwarten Zinssenkung

Die Aussicht auf billiges Notenbankgeld trieb die Kurse am Freitag an: Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen und der breiter gefasste S&P 500 stiegen um jeweils 0,7 Prozent auf 25.902 und 2865 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen gewann ein Prozent auf 7693 Punkte.

Die Regierung in Washington meldete für Mai nur 75.000 neue Stellen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem Plus von 185.000 gerechnet. "Die Daten liefern Argumente für Zinssenkungen, unabhängig von Politik und Handelskonflikten", sagte Analyst Mike Loewengart vom Handelshaus ETrade Financial in New York.

Zur positiven Börsenstimmung trug Händlern zufolge auch bei, dass die USA die geplante Erhöhung der Importzölle auf bestimmte chinesische Waren um zwei Wochen auf den 15. Juni verschoben haben.

Bei den Einzelwerten stachen unter anderem Barnes & Noble hervor, die um knapp elf Prozent nach oben schossen. Der Hedgefonds Elliott Management kauft die US-Buchhandelskette für 475,8 Millionen Dollar und nimmt sie von der Börse.

Beyond Meat: Veggie Burger begeistern Börsianer

Die Aktien des Veggie-Burger-Herstellers Beyond Meat schnellen um 26 Prozent hoch. Die Firma aus Kalifornien rechnet damit, dass der Umsatz mit den fleischlosen Bouletten und Würstchen sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt.

Zu den Gewinnern im Dax zählten am Freitag unter anderem die Aktien von Continental Börsen-Chart zeigen, Merck Börsen-Chart zeigen und von Eon, die jeweils rund 1,5 Prozent zulegten. Dagegen setzte die Aktie von Vonovia Börsen-Chart zeigen mit einem Abschlag von 1 Prozent ihre Talfahrt vom Vortag fort: Pläne des Berliner Senats, Mieten bis zum Jahr 2025 einzufrieren, hatten bereits am Vortag die Aktien von Immobilien-Unternehmen belastet.

Nachdem die Europäische Zentralbank mit ihrem geldpolitischen Kurs am Vortag den Markt enttäuscht hatte, steht nun am Nachmittag der US-Arbeitsmarktbericht im Fokus. "Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht der privaten Arbeitsvermittlung ADP wird spannend, ob der offizielle Arbeitsmarktbericht in dieselbe Richtung zeigt", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. "Zudem wird die Fed vor möglichen Zinssenkungen sehr genau auf die Stärke des Arbeitsmarktes und die Dynamik bei der Lohnentwicklung schauen."

EZB verschiebt Zinserhöhung auf Mitte 2020

Europas Währungshüter hatten angesichts wachsender Risiken für die Konjunktur eine Zinserhöhung auf mindestens Mitte 2020 verschoben, aber die von einigen Börsianern erhofften Signale für eine mögliche Lockerung auf anderem Wege damit nicht erfüllt. Einige Börsianer sahen im Detail sogar Anzeichen, dass die EZB langsam aus der Politik der Negativzinsen aussteigt. Verwiesen wurde dabei auf höhere Zinsen für langfristige Banken-Refinanzierungsgeschäfte.

Deutsche Bank: Ermittlungen wegen Cum-Ex ausgeweitet

Unter den Einzelwerten könnten die Aktien der Deutschen Bank im Fokus stehen. Die Staatsanwaltschaft Köln hat ihre Ermittlungen gegen das Geldhaus im Zusammenhang mit umstrittenen "Cum-Ex"-Steuerdeals zu Lasten der Staatskasse ausgeweitet. Die seit August 2017 untersuchende Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen "gegen weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder eingeleitet", bestätigte ein Banksprecher am Donnerstagabend. Deutsche-Bank-Papiere legten im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um 0,4 Prozent zu.

Varta-Aktie klettert weiter

Varta-Anteilsscheine schnellten auf Tradegate um 5,2 Prozent nach oben. Die Privatbank Berenberg erhöhte ihr Kursziel für die Aktien des Batterieherstellers anlässlich der angekündigten Übernahme von Varta Consumer Batteries von 43 auf 55 Euro und bestätigte ihre Kaufempfehlung. Der geplante Deal sei strategisch positiv und der Kaufpreis von 100 Millionen Euro attraktiv, schrieb Analystin Charlotte Friedrichs. Sie revidierte ihre Umsatz- und Gewinnprognosen für die Jahre 2019 bis 2021 deutlich nach oben.

Die Titel der Software AG stiegen auf Tradegate um 2,2 Prozent. Die Schweizer Bank Credit Suisse stufte die Aktien der Darmstädter wegen der im laufenden Jahr klar unterdurchschnittlichen Kursentwicklung von "Underperform" auf "Neutral" hoch.

Xing mit Dividendenabschlag

Auch am Freitag werden wieder einige Aktien mit Dividendenabschlägen gehandelt. Es sind dies unter anderem: Gerresheimer , Aumann und Xing


Dax Realtime: Sehen Sie hier Dax und Dow in Echtzeit


Asiens Börsen etwas fester - Shanghai im Minus

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,3 Prozent höher bei 20.833 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg ebenfalls um 0,3 Prozent und lag bei 1529 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag dagegen 1,2 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,9 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,1 Prozent.

Euro kaum verändert

Ein Euro wurde mit 1,1272 Dollar bewertet und damit faktisch unverändert zum späten New Yorker Handel. Der Dollar wurde mit 108,46 Yen gehandelt nach 108,40 Yen in den USA.

la/dpa/reuters

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