Freitag, 23. August 2019

Börse Deutsche Bank taucht ab, Kursrally bei Tesla

EZB in Frankfurt: Die Leitzinsen bleiben bei Null

Der Dax fällt nach der Zinsentscheidung der EZB wieder deutlich unter die Marke von 12.000 Punkten. Die Absage der Fusion von Fiat Chrysler und Renault belastet Autowerte. Die Aktien von Wirecard und Vonovia leiden unter Gewinnmitnahmen. In den USA startet die Aktie von Tesla durch.

Auf und Ab an der Börse: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen notierte am Donnerstag zeitweise wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Zählern, gab nach der Zinsentscheidung der EZB aber seine Gewinne komplett wieder ab und fiel zum Handelsschluss auf Xetra mit einem Minus von 0,3 Prozent auf bei 11.942 Punkte zurück.

Unter den Gewinnmitnahmen im Dax am Nachmittag litten vor allem die Aktien von Vonovia Börsen-Chart zeigen und Wirecard Börsen-Chart zeigen, die in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt hatten. Auch die Aktie der Deutschen Bank geriet nach der Entscheidung der EZB, den Nullzins bis Mitte 2020 beizubehalten, stark unter Druck.

Europas Währungshüter halten angesichts wachsender Risiken für die Konjunktur an ihrem Billiggeldkurs fest und verschieben eine mögliche Zinserhöhung mindestens auf die zweite Jahreshälfte 2020.

Aus Branchensicht lag das Augenmerk nach der gescheiterten Fusion zwischen Fiat Chrysler (FCA) und Renault auf dem Autosektor. Fiat-Aktien erholten sich nach anfänglichen Verlusten und notierten zuletzt 0,6 Prozent höher. Renault-Anteilsscheine verloren 6,3 Prozent.

Wohnungskonzern Vonovia knickt ein wegen Mietpreisbremse

Herbe Einbußen musste die Immobilienbranche hinnehmen, die weiterhin unter Medienberichten über Pläne des Berliner Senats gegen den Mietanstieg litt. Vonovia Börsen-Chart zeigen rutschten am Dax-Ende um 4,3 Prozent ab, Deutsche Wohnen und LEG waren mit Verlusten von 8,4 sowie 3,3 Prozent die Schlusslichter im MDax. Adler Real Estate und Ado Properties sackten am SDax-Ende um 8,2 beziehungsweise 6,3 Prozent ab.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq starten kaum verändert

An der Wall Street starteten Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen mit leichten Verlusten von jeweils 0,1 Prozent in den Handel. Damit kühlt die jüngste Euphorie der Anleger weiter ab. Vor zwei Tagen hatte die Wall Street noch ein leuchtendes Kursfeuerwerk gezündet, befeuert von der Hoffnung, dass die US-Notenbank in absehbarer Zeit ihre Zinsen wieder senken könnte. Einige Notenbanker, darunter Fed-Chef Jerome Powell selbst, hatten entsprechende Hoffnungen genährt.

Börsianer verweisen unterdessen darauf, dass die Stimmung an den Börsen angesichts der anhaltenden Handelsstreitigkeiten allzu leicht wieder kippen kann. Am Mittwoch waren die Zoll-Gespräche zwischen den USA und Mexiko ohne Einigung geendet. US-Präsident Donald Trump erklärte unterdessen, es habe Fortschritte in der Auseinandersetzung mit dem Nachbarland gegeben. Die Gespräche werden an diesem Donnerstag fortgesetzt.

Tesla-Aktie setzt Erholungs-Rally fort

Gegen den Trend setzt die Aktie von Tesla ihre Erholung fort und legte um rund 3 Prozent auf 203 Dollar zu. Damit ist die Aktie binnen vier Tagen um mehr als zehn Prozent gestiegen. Zuvor hatte jedoch auch ein monatelanger Kurssturz bis auf 180 Euro ein vorläufiges Ende gefunden, nachdem die Tesla-Aktie sich fast halbiert hatte. Nun steigen Schnäppchenjäger ein und hoffen darauf, dass Tesla Börsen-Chart zeigen seine Auslieferungen für das Model 3 im zweiten Quartal deutlich erhöht hat. Händler verwiesen außerdem auf den Bericht eines Branchenmagazins, dem zufolge der Hersteller von Elektrofahrzeugen zuletzt in Nordamerika einen Rekordabsatz erzielt haben soll.

Papiere des Chip-Herstellers AMD gewannen 5,1 Prozent und lagen hinter Tesla auf Rang zwei im Nasdaq 100. Nach Aussage des Analysten Toshiya Hari von Goldman Sachs hatte sich das Management von AMD bei einem Treffen optimistisch gezeigt, im Geschäft mit Halbleitern für Großrechner Marktanteile hinzuzugewinnen.

EZB lässt Zinsen bis Mitte 2020 bei null Prozent

Die EZB verschiebt angesichts der zahlreichen konjunkturellen Fragezeichen die Zinswende bis weit in das nächste Jahr. Die Währungshüter um EZB-Präsident Mario Draghi stellten am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung in Vilnius in Aussicht, ihre Leitzinsen noch bis mindestens zum Ende des ersten Halbjahrs 2020 nicht antasten zu wollen.

Bislang galt dies nur bis zum Ende des laufenden Jahres. Dies ist nach März bereits das zweite Mal, dass die Euro-Notenbank ihren Zinsausblick zeitlich nach hinten verschiebt. Ursprünglich hatte sie nur bis zum Ende dieses Sommers in Aussicht gestellt, an ihren Zinsen nicht zu rütteln. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Renault unter Druck: FiatChrysler zieht Fusionsangebot mit Renault zurück

Aus Branchensicht sollte nach der Absage der Fusion zwischen Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und Renault der Autosektor im Mittelpunkt des Interesses stehen. Vergangene Nacht hatte FCA sein Angebot "mit sofortiger Wirkung" überraschend zurückgezogen, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen. Fiat-Aktien Börsen-Chart zeigen sackten um knapp 2 Prozent ab, Renault-Anteilsscheine Börsen-Chart zeigen verloren 8 Prozent.


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Paul Singer erhöht Anteil an Scout24

Scout24-Papiere stiegen um 0,6 Prozent. Der aktivistische Investor Paul Singer erhöhte über seinen Fonds Elliott seine Beteiligung am Onlineportalbetreiber. Er hält nun 7,49 Prozent der Anteile, nachdem er sich Ende Mai bereits 6 Prozent gesichert hatte. Der Betreiber von ImmobilienScout24 und AutoScout24 gilt als Übernahmekandidat.

Euro hält sich über 1,12 US-Dollar

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat sich am Donnerstag über der Marke von 1,12 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1230 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1257 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag blicken die Finanzmärkte nach Vilnius, die Hauptstadt Litauens. Dort trifft sich der EZB-Rat zu einer auswärtigen Sitzung. Das Treffen findet in einem Umfeld mit konjunktureller Schwäche, hohen politischen Risiken wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China und Spekulationen auf Zinssenkungen der US-Notenbank statt. Von der EZB wird allerdings kein baldiger Zinsschritt erwartet, zumal sie über wesentlich weniger geldpolitischen Spielraum verfügt als etwa die amerikanische Notenbank Fed.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag im frühen Handel stabilisiert. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen 60,69 US-Dollar. Das waren sechs Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls geringfügig um drei Cent auf 51,72 Dollar.

In den vergangenen Wochen sind die Rohölpreise stark gefallen. Seit ihrem Jahreshoch vom April ging es um etwa 20 Prozent nach unten. Wichtigster Grund sind Sorgen über die Stabilität der Erdölnachfrage wegen zahlreicher konjunktureller Risiken, darunter der Handelsstreit zwischen den USA und China.

Verstärkt werden diese Nachfragesorgen durch Lagerdaten aus den USA. Die Vorräte der weltgrößten Volkswirtschaft steigen immer weiter, wie Zahlen vom Mittwoch belegen. Allerdings ist dies nicht nur auf eine schwächere Nachfrage, sondern auch auf ein hohes Angebot zurückzuführen. So ist die US-Förderung in der vergangenen Woche auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Die USA gehören schon jetzt zu den bedeutendsten Erdölproduzenten der Welt.

mit Nachrichtenagenturen

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