Freitag, 20. September 2019

Börse Dax bricht ein, Dow taucht ab - China zeigt die Instrumente

Kursrutsch: Der Dax fällt deutlich

Der Dax taumelt abwärts. Im Handelsstreit zwischen USA und China droht eine weitere Eskalation: China könnte den Export seltener Erden begrenzen. Die Aktie von Wirecard knickt ein, und das Papier der Deutschen Bank fällt auf ein Rekordtief.

Abwärts: Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch im Handelsverlauf seine Verluste deutlich ausgebaut und ist klar unter die Marke von 11.900 Punkten gefallen. Einmal mehr geht die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits zwischen USA und China um. China hat den USA gedroht, den Export Seltener Erden zu beschränken und damit die nächste Eskalationsstufe in dem Konflikt zu zünden. Bis zum Nachmittag knickte der Dax um 1,5 Prozent ein und fiel bis auf 11.844 Zähler zurück. MDax und TecDax knickten ebenfalls ein.

In den USA war der Dow Jones Börsen-Chart zeigen nach dem Handelsschluss am deutschen Markt um knapp 1 Prozent gesunken und fast auf dem Tagestief aus dem Handel gegangen. Am Mittwoch setzte der US-Leitindex seine Talfahrt fort, zur Eröffnung stand der Index erneut mit 0,7 Prozent im Minus. Auch der breiter angelegte S&P 500 notierte zum US-Handelsstart 0,8 Prozent niedriger als am Vortag. Anleger gehen auf Nummer sicher, an den Anleihemärkten steigen die Kurse.

Bundesanleihe: Rendite auf Drei-Jahres-Tief, Gold wird teurer

Die Rendite der zehnjährigen Bundestitel fiel auf ein Drei-Jahres-Tief von minus 0,174 Prozent. Auch bei spanischen und portugiesischen Bonds griffen Investoren verstärkt zu, weil diese im Gegensatz zu ihren deutschen Pendants noch Zinsen abwerfen, sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank.

Gefragt war auch die "Antikrisen-Währung" Gold, die sich um 0,4 Prozent auf 1284,46 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Investoren nahmen außerdem Kurs auf den "sicheren Hafen" Franken. Der Euro verlor zur Schweizer Währung 0,2 Prozent auf 1,1216 Franken.

Gewinnmitnahmen bei Wirecard

Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigenmit einem Verlust von mehr als 3 Prozent. Anleger nehmen auf Grund der allgemeinen Börsenschwäche Gewinne mit, nachdem die Aktie in den vergangenen vier Wochen um mehr als 50 Prozent gestiegen war. Am Vortag hatte die Aktie des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim erstmals seit 6 Monaten wieder die Marke von 160 Euro überschritten.

Deutsche Bank testet Rekordtief

Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigensetzte mit einem Verlust von 2 Prozent ihren Kurssturz fort und droht unter die Marke von 6 Euro zu fallen. Zuletzt belastete der Erfolg der Populisten in Italien bei der Europawahl - die Angst vor einer Staatspleite Italiens nimmt zu.

Ölpreise geben nach: Angst vor Rezession

Am Rohölmarkt drängten die wachsenden Konjunktursorgen die Spekulationen auf Angebotsengpässe durch die Förderbremse der Opec und von deren Partnern in den Hintergrund, sagten Börsianer. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 68,29 Dollar je Barrel (159 Liter).

Auf die Börsenstimmung drückte außerdem der überraschende Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland. "Alles hat ein Ende - auch der Rekordlauf am deutschen Arbeitsmarkt", resümierte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Damit bremst die Konjunkturentwicklung die sonst übliche Frühjahrsbelebung aus."

Arcelor belastet ThyssenKrupp

Vor diesem Hintergrund kündigte ArcelorMittal erneut Produktionskürzungen an. Die Aktien des weltgrößten Stahlkochers fielen daraufhin in Amsterdam um bis zu 7,3 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 13,10 Euro. Die Papiere des deutschen Rivalen Thyssenkrupp verloren 3,9 Prozent auf 11,63 Euro.

Berlusconi steigt bei ProSieben ein

Ins Rampenlicht rückte außerdem ProSiebenSat.1, nachdem sich Mediaset, der Medienkonzern des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, knapp zehn Prozent der Anteile gesichert hatte. Zwar vergrößere das theoretisch die Chancen auf eine Komplettübernahme der deutschen TV-Senderkette, sagten die Analysten der Credit Suisse. Eine solche sei aber nach wie vor eher unwahrscheinlich. ProSieben-Aktien stiegen um 3,1 Prozent, Mediaset gaben in Mailand ein Prozent nach.

Ein Mix aus Risiken

An den Börsen nimmt die Nervosität wieder zu: Die Helaba verwies auf die Börsenweisheit "politische Börsen haben kurze Beine". Angesichts der kurzen Halbwertszeit von Kursgewinnen im Nachgang an die Europa-Wahl scheine sich diese Regel einmal mehr zu bewahrheiten. Die Risikoaversion nehme wieder zu, was angesichts eines Potpourris an Belastungsfaktoren wie der nach wie vor ungelöste Handelsstreit zwischen den USA und China, eine drohende Eskalation zwischen den USA und dem Iran, der Brexit und eine mögliche Konfrontation zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission kaum überrasche.

Am deutschen Markt stehen im MDax Börsen-Chart zeigen zudem mit Knorr-Bremse , Aroundtown und Rocket Internet drei Nachzügler der Berichtssaison mit Quartalszahlen auf der Agenda. Die Zahlen von Knorr-Bremse überzeugten, sagte ein Händler. Zudem hob der Bremsenhersteller den Ausblick an. Vorbörslich ging es auf der Handelsplattform Tradegate um 2,7 Prozent zum Xetra-Schluss hinauf.

Der Gewerbeimmobilien-Spezialist Aroundtown startete mit kräftigen Zuwächsen ins neue Jahr gestartet und profitierte dabei von Zukäufen, höheren Mieteinahmen und geringerem Leerstand seiner Immobilien. Den Ausblick bestätigte der Konzern.

Varta-Papiere auf Rekordjagd

Der im SDax notierte Batterienkonzern Varta kauft das einst abgegebene Batterie-Geschäft wieder zurück. Vorbörslich kam das am Markt gut an. Schon seit Tagen eilen die Varta-Papiere von Rekord zu Rekord.

Auch Umstufungen durch Analysten könnten einige Werte bewegen. So empfiehlt das Bankhaus Lampe nun die Aktien des Konsumgüterherstellers Beiersdorf zum Kauf. Die Baader Bank senkte derweil den Daumen für die Papiere des IT-Dienstleisters Bechtle , von deren Kurs zudem die Dividende abgezogen wird. Positiv eingestellt ist die Baader Bank nun für die Anteile des Anlagenbauers Dürr , wie die Umstufung von "Hold" auf "Buy" zeigt. Bei Telefonica Deutschland strichen die Analysten von Macquarie ihre negatives Urteil und votierten nun mit "Neutral"


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Handelsstreit belastet Asiens Börsen

Der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China hat die asiatischen Börsen weiter fest im Griff. Der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen fiel am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 21.000 Punkte. Der breiter gefasste Topix verlor 0,9 Prozent. "Im Handelskonflikt gibt es keinen Fortschritt und es ist schwer vorstellbar, dass die beiden Seiten ein endgültiges und permanentes Abkommen in näherer Zeit erreichen", erklärten die Analysten von JPMorgan. Das könne die Ängste vor einer globalen Rezession wieder aufflammen lassen. Vor allem Technologiewerte gaben nach.

China Rare Earth Holding mit Kursrally

Im Streit mit der US-Regierung wegen des Netzwerkausrüsters Huawei erwägt China, den Export Seltener Erden in die USA zu begrenzen, wie die "China Global Times" berichtete. Diese werden für die Herstellung von Mobiltelefonen und anderen Elektronikgeräten benötigt. Die Volksrepublik ist weltweit der wichtigste Lieferant dieser Rohstoffe. Der Bericht trieb allerdings die Aktien von Firmen, die in dem Sektor tätig sind: China Rare Earth Holdings schossen um rund 27 Prozent nach oben.

Euro kaum verändert

Der Kurs des Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen hat sich am Mittwoch nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1164 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag etwas höher auf 1,1192 Dollar festgesetzt.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern sind zur Wochenmitte vergleichsweise sichere Anlagen gefragt. Die Sorge vor einem weiteren Abflauen der Weltwirtschaft durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China beflügelte zuletzt vor allem die Kurse von Staatsanleihen. Auch der japanische Yen und der Schweizer Franken profitierten am Morgen von der Suche nach Sicherheit. Der Kurs des Euro wurde dagegen gebremst.

mit Nachrichtenagenturen

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