Mittwoch, 22. Mai 2019

Kursrutsch an der Börse Dax stürzt unter 12.000 Punkte - Anleger fürchten Handelskrieg

Dax-Kurve in Frankfurt am Main

Kursrutsch: Die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China schlägt Anleger in die Flucht. In den USA sacken Dow Jones und Nasdaq ab, und der Dax stürzt unter die Marke von 12.000 Punkten.

Im Sog einer schwächeren Wall Street ist der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen am Donnerstag unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten gefallen. Der Index rutschte um bis zu 1,5 Prozent auf 11.998,82 Punkte ab. Zuletzt hatte er Mitte April unter der 12.000er-Marke gelegen.

An den US-Börsen ging es gleichzeitig bei Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Co um bis zu 1,4 Prozent abwärts. Investoren fürchten eine Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China. Derzeit verhandeln beide Seiten, im Vorfeld hatten die Spannungen zugenommen. Unmittelbar vor neuen Gesprächen mit China warf Donald Trump der Regierung in Peking Wortbruch vor. Aus Verärgerung bekräftigte der US-Präsident, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von Freitag an zu erhöhen. Als Vergeltung kündigte China "notwendige Gegenmaßnahmen" an.

Die chinesische Verhandlungsdelegation unter Leitung von Vizepremier Liu He wird am Donnerstag für zweitägige Gespräche in der US-Hauptstadt erwartet. Die Aussichten, kurzfristig noch zu einer Einigung zu kommen, gelten allerdings als schlecht. Beide Seiten sind nach Einschätzung von Experten weit voneinander entfernt.

"Ein erfolgreiches Handelsabkommen scheint nun nahezu vom Tisch zu sein", schrieben die Devisenexperten der Commerzbank. "Das kann heißen, dass die Gespräche vollkommen scheitern und endgültig abgebrochen werden, oder aber sie vorerst nur auf Eis gelegt werden." Die neuen Zölle würden die zukünftigen Verhandlungen sicherlich erschweren, die Aussicht auf Erfolg bliebe fraglich.


Dax Realtime: Sehen Sie hier Dax, Dow und andere Indizes in Echtzeit


Die T-Aktien bewegten sich kaum vom Fleck, schlugen sich damit aber besser als der Gesamtmarkt. Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen verdiente zu Jahresbeginn vor allem dank des boomenden US-Geschäfts operativ mehr.

Continental Börsen-Chart zeigen erlitt imersten Quartal wegen der Schwäche der internationalen Märkte einen herben Gewinneinbruch. Die Anteilsscheine des Autozulieferer und Reifenherstellers verloren zuletzt 3,5 Prozent.

Wall Street: Dow Jones stark unter Druck

Der sich weiter zuspitzende Handelskonflikt zwischen den zwei weltweit größten Volkswirtschaften USA und China hat die Kurse in New York am Donnerstag schwer belastet. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen verlor im frühen Handel 1,28 Prozent auf 25 634 Punkte und fiel damit erstmals seit Ende März wieder unter die Marke von 25 700 Zählern.

Für Enttäuschung sorgten ferner die Umsatzziele des Technologiekonzerns Intel für die kommenden Jahre. Das drückte auf die Stimmung der Anleger für die IT-Branche generell: Der technologielastige Nasdaq 100 büßte 1,63 Prozent auf 7493,20 Punkte ein. Der breit aufgestellte S&P 500 fiel um 1,25 Prozent auf 2843,58 Zähler.

Intel und Walt Disney im Blick

Im Dow stehen die Aktien von Intel und Walt Disney im Blick. Der Halbleiter-Riese Intel Börsen-Chart zeigen enttäuschte an der Börse mit der Umsatzprognose für die nächsten drei Jahre, was der Aktie einen Verlust von fast sechs Prozent einbrockte. Intel hatte erst Ende April seine Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Papiere von IBM Börsen-Chart zeigen büßten 3,3 Prozent ein.

Der Hollywood-Riese Walt Disney überzeugte mit den Zahlen zum ersten Quartal, die die Erwartungen am Markt deutlich übertrafen. Mit seinem Marvel-Epos "Avengers" bricht das Unternehmen zudem weiterhin Rekorde. Der Aktienkurs konnte sich jedoch mit minus 1,2 Prozent dem schwachen Börsenumfeld nicht entziehen.

Neues gibt es im milliardenschweren Bieterwettkampf um Anadarko . Chevron erteilte der Hoffnung des Ölförderers Anadarko auf eine Anhebung seiner Offerte eine Absage und will stattdessen die Aktienrückkäufe ausweiten.

Kreisen zufolge hatte Anadarko gehofft, dass Chevron den Bieterwettkampf weiter vorantreibt, nachdem Occidental Petroleum in diesen eingestiegen war und mit einem Gebot Chevron zunächst ausgestochen hatte. Während die Aktien von Anadarko um 3 Prozent fielen und Occidential um 6,2 Prozent, legten die von Chevron um 2,2 Prozent zu.

Anleger erwarten Börsengang von Uber

In den Fokus rückt zudem der Börsengang von Uber. Erwartet wird, dass der Online-Fahrvermittler an diesem Tag den Ausgabepreis für seine Aktie bekannt gibt und am Freitag dann den Schritt aufs Parkett wagt. Die Nachfrage nach Uber-Aktien hält sich allerdings laut US-Medien in Grenzen. Das Unternehmen dürfte seine Papiere in der Mitte der Preisspanne von 44 bis 50 Dollar oder vielleicht sogar unterhalb der 47 Dollar an Investoren losschlagen, berichteten "Wall Street Journal" und CNBC am Mittwoch übereinstimmend unter Berufung auf informierte Kreise.

Euro sinkt unter 1,12 Dollar

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Donnerstag gefallen. Am Vormittag sank der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung auf 1,1183 US-Dollar. Zuvor hatte sie noch über der Marke von 1,12 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1202 Dollar festgesetzt.

Die geopolitische Verunsicherung lastet auf dem Euro. Nordkorea hat südkoreanischen Medienberichten zufolge seine Waffentests fortgesetzt. Das nordkoreanische Militär habe "nicht identifizierbare Projektile" abgefeuert, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Profitiert hat von der Entwicklung der US-Dollar, aber vor allem der japanische Yen. Der Yen legte zu allen wichtigen Währungen zu. Der Yen wird gewöhnlich als sicherer Hafen gesucht.

In der Eurozone werden keine wichtigen Konjunkturdaten veröffentlicht. In den USA werden am Nachmittag Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und zur Handelsbilanz veröffentlicht. Letztere dürften angesichts des wieder eskalierten US-chinesischen Handelsstreits besonders beachtet werden. Ein Vorwurf von US-Präsident Donald Trump lautet, dass die USA aufgrund ihres hohen Importüberschusses große Summen im Handel mit China verlieren. Ökonomen teilen diese Sichtweise überwiegend nicht.

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag bis zum Mittag leicht gefallen. Händler nannten die schärfere Rhetorik zwischen den USA und China als Grund. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen kostete zuletzt 70,29 US-Dollar. Das waren acht Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 24 Cent auf 61,88 Dollar. Im frühen Handel waren die Ölpreise noch deutlicher gefallen.

Die Investoren am Rohölmarkt sind verunsichert wegen der erneuten Verschärfung des US-chinesischen Handelsstreits. Die Rohstoffexperten der Commerzbank führten die Preisabschläge vor allem auf die angedrohte Anhebung der US-Strafzölle auf chinesische Importgüter zurück. "Die Sorge ist, dass durch eine neue Runde von Strafzöllen die Ölnachfrage in den beiden größten Ölverbrauchsländern gebremst werden könnte", heißt es in einem Marktkommentar.

Derartigen Nachfragesorgen stehen jedoch Risiken auf der Angebotsseite gegenüber, die die Ölpreise in der Tendenz stützen. Hierzu zählen Förderkürzungen durch das Ölkartell Opec, Förderausfälle in Krisenländern wie Venezuela und politische Risiken, darunter der Atomstreit zwischen den USA und Iran.

mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung