Sonntag, 19. Mai 2019

Börse trotzt Handelsstreit Dax erholt sich, Anleger nehmen Trump nicht ernst

Donald Trump droht, Anleger bleiben cool
Alex Brandon/AP
Donald Trump droht, Anleger bleiben cool

US-Präsident Donald Trump verschärft mit seiner Drohung via Twitter den Handelsstreit zwischen USA und China. Nach den Börsen in Asien knickt auch der Dax ein. An der Wall Street begrenzt der Dow Jones nach schwachem Auftakt jedoch seine Verluste.

Kursrutsch im Dax: Die Furcht vor einem Scheitern der Handelsgespräche zwischen USA und China ist am Montag mit voller Wucht an die Börsen zurückgekehrt. Der Dax Börsen-Chart zeigen sackte bis zum Nachmittag zeitweise um mehr als zwei Prozent ab und fiel bis auf 11.150 Punkte, konnte seine Verluste im späten Handel jedoch auf 1 Prozent eindämmen und eroberte die Marke von 12.280 Zählern zurück. Die Börsen weltweit hatten in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, weil Anleger auf eine Beilegung des Streits noch in dieser Woche gehofft hatten.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende überraschend für kommenden Freitag eine deutliche Erhöhung der US-Zölle auf bestimmte chinesische Importe von 10 Prozent auf 25 Prozent angedroht. Mehrere Medien hatten berichtet, die Regierung in Peking wolle die Gespräche nun platzen lassen. Das chinesische Außenministerium teilte jedoch mit, eine Delegation aus China bereite sich auf die Reise zur nächsten Gesprächsrunde in die USA vor. Offen blieb aber, ob auch Verhandlungsführer und Vizeregierungschef Liu He wie bislang geplant daran teilnehmen wird. Laut der "South China Morning Post" könnte er den Besuch in Washington verkürzen oder ganz absagen.

Trumps Verhalten habe die Volksrepublik überrascht, die nicht unter Drohungen weiterverhandeln wolle, berichtete das "Wall Street Journal". Unlängst hatte sich Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow noch "vorsichtig optimistisch" gezeigt, dass die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt ihren Handelsstreit beilegen werden. Der Konflikt schwelt bereits seit längerem und belastet auch die globale Wirtschaft. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit hohen Strafzöllen überzogen.

China-Index bricht um 6 Prozent ein - Gold gefragt

Auch in China suchten Aktionäre das Weite. Das wichtigste Börsenbarometer CSI300 und der Shanghai-Composite-Index brachen je rund sechs Prozent ein und verzeichneten die größten Tagesverluste seit drei Jahren. "Die große Frage ist nun, ob das eine von Trumps berüchtigten Verhandlungstaktiken ist oder ob es wirklich zu einer solch deutlichen Zollerhöhung kommen wird", sagte Analyst Nick Twidale vom Brokerhaus Rakuten Securities. "Falls es letzteres sein sollte, wird das weltweit auf die Börsen erheblichen Druck ausüben." Investoren deckten sich im Gegenzug mit Gold Börsen-Chart zeigen ein. Der Preis für das in Krisenzeiten gesuchte Edelmetall legte knapp ein halbes Prozent auf 1282 Dollar zu. Auch der Dollar war gefragt. Die Ölpreise gingen dagegen aus Furcht vor Folgen für die Weltwirtschaft auf Tauchstation.

Wall Street: Dow Jones erholt sich nach schwachem Start

Der wieder eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China hat am Montag auch den US-Börsen zugesetzt. Der Leitindex Dow Jones Industrial Börsen-Chart zeigen gab im frühen Handel um 1,7 Prozent (450 Punkte) nach und fiel auf 26.100 Punkte. Anschließend konnte er jedoch seine Verluste begrenzen und notierte zuletzt nur noch 0,7 Prozent im Minus - einige Anleger hoffen immer noch auf eine Einigung im Zollstreit in dieser Woche, trotz der Drohungen Trumps. An der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen verloren Technologiewerte zuletzt nur noch rund 1,1 Prozent an Wert.

Boeing Aktie gibt weiter nach

Um knapp 3 Prozent ging es vor dem Börsenstart für die Papiere des Flugzeugherstellers Boeing abwärts. Dieser wusste bereits rund ein Jahr vor dem ersten Absturz einer 737-Max-Maschine von einem Softwareproblem der Modellreihe, wie der Konzern nun einräumte. Zudem erwarten Anleger bereits mit Spannung den Börsengang von Uber , der einer der größten in der bisherigen Finanzgeschichte werden dürfte. Der US-Fahrdienstvermittler wird in dieser Woche den Schritt aufs Parkett der New York Stock Exchange (Nyse) wagen. Es könnte die am höchste bewertete Börsenpremiere seit der von Alibaba im Jahr 2014 werden. Anders als Chinas Online-Riese schreibt Uber bisher jedoch hohe Verluste.


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Autowerte im Dax unter Druck

Die neuerliche Verschärfung des US-chinesischen Handelskonflikts hat am Montag die Aktien des Automobilsektors überdurchschnittlich belastet. Die Kurseinbußen reichten von 3,1 Prozent bei Daimler Börsen-Chart zeigen bis zu 3,7 Prozent für Continental Börsen-Chart zeigen . Der Stoxx 600 Automobilsektor lag mit minus 3,3 Prozent am Ende des Sektortableaus. Auch Papiere von Zulieferen wie Infineon Börsen-Chart zeigen gaben deutlich nach.

Analyst Alec Phillips von der Bank Goldman Sachs konstatierte "in Sachen Strafzölle eine zunehmend negative Entwicklung". Das betreffe auch das noch nicht ratifizierte Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA). Philips erhöhte seine Wahrscheinlichkeitsprognose für Strafzölle auf Autoimporte von 10 auf 20 Prozent und senkte die für die Ratifizierung des USMCA von 70 auf 60 Prozent.

Thyssenkrupp: Deal mit Tata droht zu scheitern

Unabhängig von der neuen Eskalation im Zollstreit zeigten Anleger Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen die kalte Schulter. Die Aktien brachen zeitweise um 4,5 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief von 11,72 Euro ein. Hintergrund waren Spekulationen über ein Aus der Pläne der Stahlsparten-Fusion mit dem indischen Rivalen Tata Steel. Zudem will Branchenprimus ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen wegen einer schwachen Nachfrage die Stahlproduktion zurückfahren.

Einer der wenigen Gewinner an den europäischen Börsen waren die Titel des norwegischen Telekomkonzerns Telenor mit einem Plus von 3,6 Prozent. Telenor will mit Axiata aus Malaysia einen Telekom-Riesen in Asien schmieden.

Euro und Ölpreise auch mit Verlusten

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Montag an die Kursverluste der vergangenen Woche angeknüpft. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1189 US-Dollar gehandelt und damit etwa auf dem Niveau von Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1155 Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise sind am Montag in Reaktion auf einen sich verschärfenden Handelsstreit zwischen den USA und China deutlich gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen kostete am Morgen 69,33 US-Dollar. Das waren 1,52 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,44 Dollar auf 60,50 Dollar. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und verbraucht dementsprechend viel Rohöl.

Außerdem verhängten die USA auch neue Wirtschaftssanktionen gegen Irans Ölindustrie. Am Sonntag hatten die Vereinigten Staaten angekündigt, als militärische Warnung an den Iran zudem den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und eine Bomberstaffel in den Mittleren Osten zu verlegen. Grund ist der Streit um das iranische Atomprogramm. Aus einem Abkommen, das verhindern soll, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt, waren die USA 2018 ausgestiegen.

luk / reuters, dpa-afx

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