Freitag, 20. September 2019

Börse Dax schrammt haarscharf an 12.000 Punkten vorbei

Dax im Plus: Der Leitindex steuert auf einen mehr oder weniger ausgeglichenen Wochenabschluss zu

Zwischenzeitlich hatte der Dax am Freitag die 12.000-Punkte-Marke überspringen können - am Ende des Tages verfehlte er sie nur hauchdünn.

Positive Konjunktursignale und gute Zahlen von US-Banken haben den Dax am Freitag weiter steigen lassen. Der deutsche Leitindex schüttelte seine anfänglichen Verluste schnell ab und kletterte im Tagesverlauf bis auf 12 031 Punkte, was den höchsten Stand seit Oktober bedeutete.

Zum Schluss behauptete der Dax Börsen-Chart zeigen einen Kurszuwachs von 0,54 Prozent auf 11 999,93 Punkte. Damit blieb er letztlich hauchdünn unter der viel beachteten 12 000 Punkte-Marke, die er vor einer Woche wieder geknackt hatte. Dank des dritten Gewinntags in Folge nach einem schwachen Start in die Woche dämmte er sein Wochenminus auf 0,08 Prozent ein. Der Index der mittelgroßen Werte MDax Börsen-Chart zeigen verabschiedete sich am Freitag 0,84 Prozent fester bei 25 461,69 Punkten. Der EuroStoxx50 stieg um 0,4 Prozent auf Stellen. Auch an den US-Börsen ging es aufwärts.

Die Anleger agierten etwas mutiger, nachdem es positive Konjunkturanzeichen aus China und der Eurozone sowie ordentliche Resultate von Wall-Street-Banken gab.

Trotz des Handelskrieges mit den USA waren die chinesischen Exporte im März unerwartet stark gestiegen, während die Industrieproduktion in der Eurozone mit einem nur leichten Rückgang besser ausfiel als am Markt befürchtet. Außerdem überzeugten die US-Banken JPMorgan und Wells Fargo ihre Anleger mit ihren jüngsten Quartalsberichten. Auch dies wurde am Markt als Indiz gewertet, dass es konjunkturell noch recht läuft.

JPMorgan schnitt im ersten Quartal in fast allen Belangen besser ab als gedacht. Dies beflügelte auch hierzulande die Finanztitel: Deutsche-Bank-Papiere kletterten um knapp 2,2 Prozent und Titel der Commerzbank im MDax um knapp 2,5 Prozent, der europäische Sektorindex stieg um 1,9 Prozent und erklomm ein Fünf-Monats-Hoch.

Im Dax stand sonst noch Bayer im Rampenlicht. Nach zwei Niederlagen in den Prozessen um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Tochter Monsanto soll Bayer nach dem Willen eines US-Richters nun nach einer gütlichen Einigung in einem anderen Prozess suchen. Die Aktien stiegen daraufhin im Dax um etwa 1 Prozent.

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA ist bei der geplanten Übernahme des US-Halbleiterzulieferers Versum am Ziel. Anleger machten daraufhin weiter Kasse, die Aktien fielen weiter von ihrem jüngst erreichten Hoch seit 2017 zurück. Mit einem Abschlag von 2,1 Prozent hielten sie zu Wochenschluss im Dax die rote Laterne.


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Positiv aufgenommene Geschäftszahlen des Einzelhandelskonzerns Fast Retailing haben den japanischen Aktienmarkt am Freitag zu Kursgewinnen verholfen. Der Nikkei Börsen-Chart zeigen schloss 0,7 Prozent fester bei 21.870 Zählern. Der größte Teil des Kursanstiegs ging auf Fast Retailing zurück. Die Aktien schnellten um 7,8 Prozent nach oben.

Die Uniqlo-Mutter schraubte zwar wegen des warmen Winterwetters ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr etwas zurück. Sie erwartet dank der starken Nachfrage in China aber weiterhin ein Rekordergebnis. Außerhalb Japans hielten sich viele Investoren vor der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse großer US-Banken zurück. Der MSCI-Index für die asiatischen Werte außerhalb Japans gab 0,7 Prozent nach.

Euro legt zu

Der Kurs des Euro ist am Freitag etwas gestiegen. Am Vormittag kletterte die Gemeinschaftswährung auf 1,1299 US-Dollar und verpasste damit knapp die 1,13 Dollar-Marke. Der Euro notierte somit etwas höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1264 Dollar festgesetzt.

"Die Großereignisse der Woche, EZB-Ratssitzung und EU-Sondergipfel (zum Brexit), sind vorüber, ohne dass sich jedoch wesentlich klarere Verhältnisse eingestellt hätten, und so müssen die Marktakteure ihren Blick wieder auf die Datenveröffentlichungen lenken", schrieb Devisenexperte Ralf Umlauf.

Ölpreise ziehen an

Die Ölpreise haben am Freitag zugelegt. Nach Verlusten am Vortag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zuletzt 71,47 US-Dollar. Das waren 64 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 56 Cent auf 64,15 Dollar.

Die Energieexperten der Commerzbank verwiesen auf eine angespannte Stimmung am Ölmarkt. "Saudi-Arabien hat die Produktion abermals deutlich stärker reduziert als es laut OPEC+-Abkommen eigentlich müsste. Stromausfälle und die US-Sanktionen sorgten zudem für einen Produktionseinbruch in Venezuela auf nur noch 870 Tausend Barrel pro Tag", schrieb Analyst Daniel Briesemann.

Das Ölkartell Opec hat die Produktion bewusst verknappt, um die Preise hoch zu halten. Seit Jahresbeginn ist Nordseeöl um rund 30 Prozent teurer geworden, US-Rohöl gar um gut 40 Prozent. Hinzu kommen Ängste vor Instabilität im Erdölland Libyen. Um die Hauptstadt Tripolis in dem nordafrikanischen Land hatten sich Regierungstruppen und Kämpfer des Generals Chalifa Haftar am Vortag heftige Gefechte geliefert.

Ermutigende Konjunkturdaten zu chinesischen Exporten hatten am Morgen zudem die Sorgen vor einer Abschwächung des dortigen Wirtschaftswachstums gedämpft. China gehört zu den größten Verbrauchern von Erdöl.

luk / dpa-afx / reuters

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