Montag, 22. April 2019

Brexit-Hoffnung beflügelt Börse Dax und Dow klettern weiter

Am Freitag geht es weiter aufwärts im Dax

Der Dax steigt nahe 11.300 Punkte und damit auf das höchste Niveau seit 2 Monaten. Neue Hoffnungen im Brexit-Prozess stützen den deutschen Leitindex.

Die Hoffnung auf einen geordneten Brexit und robuste Vorgaben aus Asien haben dem deutschen Aktienmarkt am Freitag weiteren Auftrieb verliehen. Der Dax Börsen-Chart zeigen stieg bis zum Nachmittag um 1,4 Prozent auf 11.278 Punkte. Er notiert damit auf dem höchsten Niveau seit zwei Monaten. Der MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Unternehmen legte um 1 Prozent auf 23 686 Punkte etwas weniger stark zu als der Dax Börsen-Chart zeigen . Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,8 Prozent vor.

Börsianer verwiesen auf einen Bericht der britischen Zeitung "The Sun", demzufolge die nordirische Partei DUP zu Kompromissen bei einem Brexit-Deal bereit sein könnte. "In den Brexit kommt neue Bewegung", sagte Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Anleger könnten nun wieder stärker auf positive Nachrichten fokussieren und die Risiken eher ausblenden. So gibt es im Haushaltsstreit in den USA immer noch keine Lösung und auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA zieht sich hin. Analyst Michael van Dulken vom Broker Accendo Markets wies mit Blick auf den Bericht in "The Sun" auf das steigende Pfund hin: "Der Markt preist ein, dass die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Brexit abnimmt".

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq setzen Erholung fort

Nach minimalen Verlusten am Vortag ist der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen Industrial am Freitag mit Gewinnen in den Handel gestartet. Konjunkturdaten allerdings wird es aufgrund des immer noch andauernden Haushaltsstreits und der daher in Teilen stillstehenden Regierung nicht geben.

Die Experten der US-Bank JP Morgan rückten außerdem Aktienrückkäufe als kurs- und marktstützend in den Fokus. In dem von Unsicherheiten geprägten Klima seien Aktienrückkäufe zunehmend wichtiger geworden und auch im vierten Quartal 2018 sehr stark gewesen, schrieben sie. Dieser robuste Trend dürfte sich ihrer Ansicht nach auch 2019 fortsetzen.

Im Fokus dürften an diesem Tag vor allem die Aktien des Chipgiganten Intel Börsen-Chart zeigen stehen, die vorbörslich um etwas mehr als 6 Prozent nachgaben. Mehrere Analysten senkten nach den schwachen Quartalszahlen am Vorabend ihre Kursziele. Dennoch blieben etwa die Experten der UBS und von JPMorgan weiter zuversichtlich.

Die Kaffeehauskette Starbucks Börsen-Chart zeigen hatte ebenfalls am Donnerstag nach Börsenschluss über ihr abgelaufenes Quartal berichtet. Zum Jahresende, dem ersten Geschäftsquartal 2018/19, war es ihr gelungen, mit neuen Angeboten mehr Kunden in ihre Cafés zu locken. Zudem wurde deutlich mehr verkauft als im Vorjahreszeitraum. Vorbörslich stieg die Aktie um etwas mehr als 3 Prozent.

Aktionäre freuen sich über Niedrigzinsen der EZB

"Aktienanleger freuen sich darüber, dass die EZB die Zinsen noch länger auf den aktuellen Niveau belassen wird", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Zinsen für die Euro-Zone am Donnerstag bei 0,0 Prozent. Gleichzeitig gab EZB-Chef Mario Draghi das Signal, dass wegen der schwächelnden Konjunktur wohl erst 2020 mit einer Zinserhöhung zu rechnen sei.

Wie schlecht es derzeit um die Konjunktur in Deutschland bestellt ist, zeigte der Ifo-Index. Das Barometer für das Geschäftsklima, für das monatlich rund 9000 Manager befragt werden, ging im Januar unerwartet stark zurück. "Die seit Monaten vorhandene Häufung der politischen Risiken wie Brexit, Protektionismus und so weiter sorgt offenbar bei den Unternehmen für ein Umdenken in Richtung Stagnation", sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Die Bundesregierung rechnet inzwischen Regierungs- und Parlamentskreisen zufolge 2019 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent statt wie zuvor 1,8 Prozent.

Euro kaum verändert, Pfund steigt

Euro-Anlegern gefiel die Aussicht auf weiterhin tiefe Zinsen weniger gut - die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,1322 Dollar kaum verändert. "Sollte sich die Wirtschaft nicht erholen, dürfte der Markt eine absehbare Normalisierung der Zinsen gänzlich auspreisen, was den Euro belasten würde", sagte Devisenanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

Das Pfund verteuerte sich wegen Spekulationen auf einen Fortschritt bei den Brexit-Verhandlungen zeitweise um gut ein halbes Prozent auf 1,3139 Dollar und erreichte den höchsten Stand seit Anfang November. Einem Bericht der Zeitung "The Sun" zufolge ist die nordirische Partei DUP nun doch bereit, unter bestimmten Bedingungen die Brexit-Pläne der britischen Premierministerin Theresa May zu unterstützen. Dabei gehe es um eine Befristung der Notfall-Lösung für Nordirland. Für Dienstag stehen erneut Abstimmungen im Parlament zum Brexit auf der Agenda.

Ölpreis steigt: Bangen um Venezuela

Bange Blicke warfen Anleger nach Venezuela. Wegen der dortigen Staatskrise stieg die Furcht, dass die Ölexporte des Opec-Landes bald unterbrochen werden könnten. Die US-Regierung, die Oppositionsführer Juan Guaido als neuen Präsidenten anerkannt hat, drohte mit Öl-Sanktionen. Ein Barrell (159 Liter) der richtungsweisenden Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise um 1,4 Prozent auf 61,92 Dollar.

Vodafone fällt auch Achtjahrestief

Anleger in London warfen dagegen Anteilsscheine von Vodafone aus den Depots. Die Titel rauschten um 2,7 Prozent nach unten und waren so billig wie seit achteinhalb Jahren nicht mehr. Der Umsatz des weltweit zweitgrößten Mobilfunkanbieters sank im vergangenen Quartal um sieben Prozent auf elf Milliarden Euro. Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson erfreute seine Investoren dagegen mit einem geringeren Verlust als befürchtet. Die Aktien legten 2,5 Prozent zu.

Infineon gefragt trotz schwachen Ausblicks von Intel

Aktien mit Bezug zur Halbleiterbranche trotzten einem schwachen Quartalsumsatz und einem enttäuschender Ausblick von Intel . So stiegen Infineon um 1,4 Prozent und Dialog Semiconductor um 2,6 Prozent. Sie bauten die Gewinne vom Vortag aus, als positive Signale aus der Branche für Aktienkäufe gesorgt hatten. Auch die Aktien des Wafer-Herstellers Siltronic und des LED-Ausrüsters Aixtron knüpften an ihre gute Vortagesentwicklung an.


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Die Börsen Asiens haben am Freitag zugelegt. Ein eher enttäuschender Ausblick des Chipkonzerns Intel auf das laufende Quartal beunruhigte die Anleger ebenso wenig wie die Tatsache, dass es im Handelsstreit zwischen den USA und China immer noch keine Lösung gibt.

In China gewann der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten an den Aktienmärkten des Festlands 0,81 Prozent auf 3184,47 Punkte, womit er sein bereits viertes Wochenplus in Folge einfuhr. Dieses Mal legte er mit plus 0,5 Prozent am geringsten zu.

Der Hang Seng in Hongkong stieg am Freitag zuletzt sogar um 1,39 Prozent auf 27 496,72 Punkte. Dabei führten vor allem Technologiewerte den Index an. Börsianer sagten dazu, dass am Markt aktuell auf eine Erholung gesetzt werde. Nach den bisher vorgelegten Quartalsberichten aus der US-Halbleiterbranche setze sich allmählich die Überzeugung durch, dass das Schlimmste vorüber sein dürfte.

Der japanische Nikkei Börsen-Chart zeigen rückte um 0,97 Prozent auf 20 773,56 Punkte vor und verbuchte damit ein weiteres Wochenplus von dieses Mal 0,5 Prozent. In den zwei vorangegangenen Wochen bereits hatte der Leitindex zugelegt. Mit Gewinnen von 4 Prozent und dann von 1,5 Prozent war das Wochenplus da sogar noch weit kräftiger ausgefallen.

mit dpa und reuters

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