Donnerstag, 18. April 2019

Entspannung im Handelsstreit - China will US-Importe stark erhöhen Dax hebt ab, Tesla-Aktie stürzt

Dax über 11.000 Punkten: Seit dem Zweijahrestief am 28. Dezember hat sich der Dax um mehr als 7 Prozent erholt

Der Dax steigt auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember. Neue Hoffnungen auf ein Ende des Handelskriegs zwischen China und den USA bringen die Risikolust zurück. Auch Dow Jones und Nasdaq legen zu. Dagegen bricht die Aktie von Tesla um rund 10 Prozent ein.

Kräftige Kursgewinne an den Börsen: Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Freitag von neuer Hoffnung auf eine Entspannung im US-chinesischen Handelsstreit profitiert. Bis zum Nachmittag baute der deutsche Leitindex seine Gewinne auf 2,5 Prozent aus und kletterte bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) über die Marke von 11.200 Punkten. Damit notiert er auf dem höchsten Stand seit sechs Wochen. Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Continental Börsen-Chart zeigen, Wirecard Börsen-Chart zeigen sowie die Aktien von Daimler Börsen-Chart zeigen .

Ein wichtiger Kurstreiber waren am Freitag die Gewinne in den USA: Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen und der Tech-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen setzten zum Wochenschluss ihre Erholung fort und legten jeweils 1,1 Prozent zu. Börsianer sprachen von einer "Risk-on"-Stimmung am Markt. Die Lust am Risiko sei zurück.

Anlass für die Kauflaune sind Entspannungssignale im Handelsstreit zwischen China und den USA. "Die US-Regierung erwägt nun scheinbar doch, die Strafzölle auf chinesische Einfuhren zu lockern", sagte Analyst Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel und verwies auf einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal".

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax, Dow Jones und Nasdaq in Echtzeit

Medien: USA wollen Zölle senken, China will Importe erhöhen

Auch aus China kamen Friedenszeichen: Peking habe angeboten, seine Importe von Waren aus den USA deutlich zu erhöhen und mit einer auf mehrere Jahre ausgelegten Import-Offensive seine Handelsbilanz mit den USA wieder etwas zu normalisieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die US-Börsen bauten daraufhin am Freitag ihre Gewinne aus.

Davon profitierten vor allem Aktien und Branchen, die aus Investorensicht mit überdurchschnittlichen Risiken behaftet sind. So zählten Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen ebenso wie die im MDax notierten Papiere der Commerzbank Börsen-Chart zeigen zu den Gewinnern. Zudem verbuchten im Dax auch konjunkturabhängige Aktien wie BASF Börsen-Chart zeigen , Covestro Börsen-Chart zeigen , Continental und HeidelbergCement überdurchschnittliche Kursgewinne. Im MDax zählten mit Siltronic und Wacker Chemie ebenfalls zwei ausgesprochene "Zykliker" zu den Gewinnern.

Auf Wochensicht deuten sich für den deutschen Leitindex Gewinne von bisher 1,5 Prozent an. Er hat sich seit seinem Ende Dezember markierten Zweijahrestief inzwischen um mehr als 7 Prozent erholt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte ebenfalls und erreichte wie der Dax Börsen-Chart zeigen das höchste Niveau seit sechs Wochen.

Wall Street: Dow Jones vor viertem Wochenplus in Folge

Dem US-Aktienmarkt winken am Freitag weitere Kursgewinne. Knapp eine Stunde nach dem Handelsstart notierten Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen jeweils rund 1 Prozent im Plus . Damit steuert der Dow Jones auf einen Wochengewinn von gut zwei Prozent zu - es wäre die vierte positive Woche in Folge.

Tesla-Aktie stürzt

Einige Schwergewichte aus der Technologiebranche enttäuschten jedoch. Dass Tesla Börsen-Chart zeigen aus Kostengründen sieben Prozent seiner Vollzeitstellen abbauen will und auf ein schwächeres Schlussquartal 2018 einstimmte, kam am Markt nicht gut an: Die Aktien des Elektroautobauers sackten zeitweise um knapp 10 Prozent ab.

Das Unternehmen stehe vor der "extrem schwierigen Herausforderung", seine Produkte zu konkurrenzfähigen Kosten im Wettbewerb mit den fossilen Energieträgern zu bauen, schrieb Tesla-Chef Elon Musk am Freitag in einem Brief an die Belegschaft. Deshalb müssten rund sieben Prozent der Vollzeitstellen wegfallen. "Wir haben leider keine Wahl", schrieb Musk, der mit dem Model 3 den Durchbruch des Elektroautobauers auf dem Massenmarkt schaffen will. Tesla Börsen-Chart zeigen müsse noch mehr Kunden erreichen, "die sich unsere Autos leisten können". Das derzeit "erschwinglichste Angebot" für einen Model-3-Wagen liegt laut Musk bei 44.000 Dollar (umgerechnet 38.600 Euro). Ziel des Tesla-Chefs ist ein Wagen für 35.000 Dollar.

Netflix-Zahlen enttäuschen

Beim Online-Videodienst Netflix Börsen-Chart zeigen sorgten durchwachsene Quartalszahlen für ein Kursminus von rund 3 Prozent. Während der rückläufige Gewinn die Analystenerwartungen übertraf, blieben die Erlöse trotz eines kräftigen Anstiegs dahinter zurück.

Ähnlich erging es den Aktien von American Express Börsen-Chart zeigen, die ebenfalls um mehr als zwei Prozent nachgaben. Auch der Finanzkonzern konnte die Anleger trotz guter Geschäfte zum Jahresende hin nicht überzeugen.

Autowerte im Dax gefragt: BMW, Daimler, VW und Conti mit Gewinnen

Vor allem die Autowerte reagierten auf die möglichen Entspannungssignale aus Washington. Der europäische Autosektor legte bis zu 1,7 Prozent zu. Im Dax Börsen-Chart zeigen notierten BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen zwischen 1,9 und 1,4 Prozent fester. Die Titel des Autozulieferers Continental Börsen-Chart zeigen lagen 2,8 Prozent im Plus.

Hellofresh mit Kurssprung von 20 Prozent

Noch deutlicher nach oben ging es für HelloFresh, die in der Spitze um 21,9 Prozent auf 8,81 Euro nach oben schossen. Der Kochbox-Versender hat im abgelaufenen Jahr mehr Umsatz gemacht als erwartet. Die Erlöse kletterten um etwa 41 Prozent auf rund 1,28 Milliarden Euro.

Gewinnwarnung von Ryanair - Aktie auf Vierjahrestief

Auch Europas größter Billigflieger Ryanair schraubte seine Geschäftserwartungen zurück - bereits zum zweiten Mal binnen weniger als vier Monaten. Zudem schloss die irische Fluggesellschaft eine weitere Absenkung wegen möglicher Folgen durch den Brexit nicht aus. Ryanair erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 nun einen bereinigten Betriebsgewinn zwischen 1,0 und 1,1 Milliarden Euro anstatt 1,1 bis 1,2 Milliarden. Grund für die pessimistischere Sicht sind dem Konzern zufolge deutlich niedrigere Ticketpreise im Winter. Die Aktien fielen zeitweise um 5,2 Prozent auf 9,55 Euro, den tiefsten Stand seit knapp vier Jahren. In der Folge gaben die Papiere des Rivalen Easyjet mehr als zwei Prozent nach. Lufthansa-Aktien notierten dagegen kaum verändert bei 20,59 Euro.

Asiens Börsen mit Gewinnen, Chinas Börse legt dritte Woche in Folge zu

In der Hoffnung auf eine Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China haben die asiatischen Anleger am Freitag bei Aktien zugegriffen. Der Nikkei Börsen-Chart zeigen -Index gewann 1,3 Prozent auf 20.666 Zähler, das ist der höchste Schlussstand seit Mitte Dezember. Auf Wochensicht kommt die Tokioter Börse auf ein Plus von 1,5 Prozent.

Bergauf ging es auch in China: Der Shanghai-Composite legte 1,4 Prozent zu. Die Anleger seien wieder mutiger, sagte Hikaru Sato, Analyst beim Brokerhaus Daiwa Securities. Auslöser war ein Medienbericht über eine mögliche Aufhebung von US-Einfuhrzöllen auf chinesische Produkte. Einen entsprechenden Vorschlag habe US-Finanzminister Steve Mnuchin vorgelegt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Er habe die Kehrtwende im Handelsstreit für die nächste Verhandlungsrunde am 30. Januar ins Spiel gebracht. Ein Ministeriumssprecher dementierte den Bericht zwar, die Anleger schöpften aber dennoch neue Hoffnung.

Euro kaum verändert bei 1,14 US-Dollar

Der Euro hat sich am Freitagmorgen nur wenig von der Stelle bewegt. Die Gemeinschaftswährung kostete im frühen Handel 1,1390 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1396 Dollar festgesetzt.

Am Freitag stehen nur wenige Wirtschaftsdaten an, die am Devisenmarkt für Bewegung sorgen könnten. Allenfalls Produktionsdaten aus der US-Industrie und Daten zur Stimmung der amerikanischen Verbraucher ziehen größeres Interesse auf sich. Zudem melden sich in Europa und den USA einige Notenbanker zu Wort.

la

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