Montag, 16. September 2019

Börse Dax klettert, Deutsche Bank mit Kurssprung

Börse in Frankfurt: Anleger reagieren gelassen auf das Londoner Chaos

Theresa May hat die Abstimmung über das Brexit-Abkommen krachend verloren. Anleger reagieren gelassen - und das hat Gründe. Die Aktie der Deutschen Bank profitiert von den Zahlen von Goldman Sachs.

May verliert Votum, Dax steigt: Das zwischen Großbritanniens Premierministerin Theresa May und der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen wurde vom britischen Parlament klar abgelehnt. Börsianer reagieren am Mittwoch gelassen, da dieses Ergebnis bereits erwartet wurde. Der Dax Börsen-Chart zeigen rückte zuletzt um 0,4 Prozent auf 10.935 Punkte vor und nahm die Marke von 11.000 Zählern wieder in den Blick. Zu den Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Lufthansa Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die mit einem Kursgewinn von mehr als 5 Prozent von den soliden Quartalszahlen des US-Konkurrenten Goldman Sachs profitierte.

"Rückzug vom Brexit ist weiter möglich"

"Die größer als erwartet ausgefallene Niederlage der Regierung von Theresa May signalisiert den Anfang einer Entscheidung für die Brexit-Frage", sagt Karen Watkin, Portfoliomanagerin bei AllianceBernstein (AB). Die meisten Parlamentarier seien trotz der Ablehnung des Deals bestrebt, einen ungeregelten Austritt zu vermeiden. "Damit sind ein geänderter Deal und sogar gar kein Brexit weiterhin möglich - diese Varianten sind sogar wahrscheinlicher als ein ungeregelter Austritt", so Watkin. Bei einer Einigung auf einen geänderten Deal, bei einer Verzögerung des britischen Austritts oder gar einer Annullierung des Brexit würde das Pfund wahrscheinlich ansteigen, und auch britische Staatsanleihen dürften kurzfristig positiv reagieren. Der Londoner Aktienmarkt dürfte ebenfalls profitieren, da mehr politische Sicherheit das britische Wachstum unterstützen dürfte.

Das unmittelbarste Risiko stelle nun das für heute Abend geplante Misstrauensvotum gegen die May-Regierung dar. Sollte May verlieren, werden Neuwahlen ausgerufen und es müsste binnen zwei Wochen eine neue Regierung gebildet werden. Die Labour-Opposition rechnet sich in diesem Fall durchaus Siegeschancen aus. Die Aussicht auf einen Labour-Sieg könnte die britischen Anleihen- und Devisenmärkte belasten, so Watkin. Auch weitere Ökonomen wie etwa Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, sehen steigende Chancen für ein erneutes Referendum der Briten.

US-Börsen klettern weiter - Bank-Bilanzen schieben Wall Street an

Die Wall Street hat am Mittwoch an ihre freundliche Vortagsentwicklung angeknüpft. Dank erfreulicher Geschäftszahlen insbesondere der Großbanken Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen und Bank of America Börsen-Chart zeigen legten die wichtigsten Aktienindizes zu.

Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen stieg um 0,44 Prozent auf 24 171,77 Punkte und bewegte sich damit auf dem Niveau von Mitte Dezember. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,24 Prozent auf 2616,62 Punkte vor und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen stand 0,20 Prozent höher bei 6682,83 Punkten.

Die Aktien von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen gewannen an der Dow-Spitze mehr als 6 Prozent, nachdem die Investmentbank mit ihren Resultaten für das vergangene Jahr die Experten vor allem beim Ertrag positiv überrascht hatte. Verantwortlich dafür waren insbesondere brummende Geschäfte an den Aktienmärkten und niedrigere Steuern.

In den positiven Zahlenreigen der Konkurrenten reihten sich auch die Ergebnisse der Bank of America ein, deren Papiere daraufhin ebenfalls um gut 6 Prozent anzogen. Das Nettozinseinkommen und eine unerwartet niedrige Steuerquote seien für die positive Überraschung verantwortlich, schrieb Analyst Saul Martinez von der Schweizer Großbank UBS.

In dem freundlichen Umfeld zeigten sich die Aktien von Blackrock mit plus 3,85 Prozent ebenfalls fest, obwohl der weltgrößte Vermögensverwalter mit der Gewinnentwicklung im abgelaufenen Quartal enttäuscht hatte. Wegen der Kursverluste an den Finanzmärkten hatten Anleger Gelder aus den üblicherweise teureren, aktiv gemanagten Fonds des Unternehmens in preiswertere Indexfonds umgeschichtet.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit


Deutsche Bank profitiert von Zahlen von Goldman Sachs

Top-Wert im Dax waren die Titel der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen mit plus 2,4 Prozent. Sie profitierten von dem starken Gewinnanstieg der US-Konkurrenten Goldman Sachs und Bank of America. Zudem stützte ein weiterer Pressebericht über eine denkbare Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Die Anteilsscheine der Commerzbank stiegen im MDax um 2,7 Prozent.

Weit vorne im Dax erholten sich die Papiere der Deutschen Post Börsen-Chart zeigenmit plus 2 Prozent von ihren jüngsten Einbußen. Am Vortag waren Details zu einer womöglich geringer als gedacht ausfallenden Briefportoerhöhung am Markt nicht gut angekommen.

Negative Nachrichten gab es vom Online-Möbelversender Home24 Börsen-Chart zeigen, der im vergangenen Jahr weniger umgesetzt hat als zuletzt noch gehofft. Die im Sommer an die Börse gebrachte Rocket-Internet-Beteiligung hatte erst im November die Prognose für das währungsbereinigte Umsatzplus von rund 30 Prozent auf mehr als 20 Prozent gesenkt. Die Aktien verloren 8 Prozent.

Draghi geht nicht von Rezession in Euro-Zone aus

Beschwichtigend wirken laut Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zudem Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi, der am Vortag vor dem EU-Parlament zwar vor einer erwarteten Wirtschaftsabschwächung sprach, aber nicht von einer Rezession ausgeht.

Abwechslung vom Thema Brexit verspricht der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed. Börsianer erhoffen sich vom sogenannten Beige Book Hinweise hinsichtlich einer möglichen Pause bei den Zinserhöhungen. In Griechenland muss sich im Tagesverlauf Ministerpräsident Alexis Tsipras einer Vertrauensabstimmung stellen, die er nach Einschätzung von Experten wohl überstehen wird. Die Koalition in Athen war am Wochenende über dem Streit um die Namensgebung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien zerbrochen.

Euro und Pfund reagieren kaum auf Mays Niederlage

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat sich am Mittwochmorgen ebenso wie das britische Pfund wenig von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete ein Euro 1,1410 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1424 Dollar festgesetzt.

Das britische Pfund hatte am Dienstagabend unter dem Strich nur wenig auf die deutliche Ablehnung des EU-Austrittsabkommens Großbritanniens reagiert.

Mit Nachrichtenagenturen

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