Montag, 17. Juni 2019

Börse - Dax testet Zweijahrestief Dax und Ölpreis stürzen, Ausverkauf an der Wall Street

Dax nahe Zweijahrestief: Fed-Chef Jerome Powell sieht nach vier Zinserhöhungen in diesem Jahr Konjunkturrisiken im Jahr 2019

Neuer Kursrutsch an den Weltbörsen: Die US-Notenbank Federal Reserve will angesichts wachsender Konjunkturrisiken den Fuß von der Bremse nehmen. An der Wall Street tauchen Dow Jones und Nasdaq erneut ab. Der Dax fällt auf Zwei-Jahrestief, der Ölpreis knickt erneut ein.

Neuer Kursrutsch nach der Fed-Entscheidung: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen ist am Donnerstag weiter abgestürzt und zeitweise auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Der Dax stürzte am Donnerstag im Handelsverlauf zeitweise unter die Marke von 10.600 Zählern und beendete den Xetra-Handel nur knapp über dieser Marke. Unter den größten Verlierern waren die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit Verlusten zwischen 3 und 4 Prozent.

Auch der Ölpreis gab angesichts des vorsichtigen Ausblicks der US-Notenbank auf das Jahr 2019 deutlich nach und fiel erstmals seit 15 Monaten wieder unter die Marke von 55 US-Dollar je Barrel. Anleger machen sich zunehmend Sorgen um die globale Konjunktur: Nach vier Zinserhöhungen im Jahr 2018 hat die Federal Reserve in ihrem Ausblick auf das kommende Jahr angedeutet, angesichts der Konjunkturrisiken den Fuß vom Gas zu nehmen. Vor allem der Ausblick der US-Notenbank auf 2019 gefiel den Investoren nicht.

Deutsche Bank auf 45-Jahres-Tief

Neu aufgeflammte Konjunktursorgen und eine skeptische Branchenstudie haben die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen am Donnerstag auf das tiefste Niveau seit 45 Jahren gedrückt. Die Papiere des Geldhauses knüpften in einem schwachen Gesamtmarkt an ihre jüngste Talfahrt an und sackten um mehr als 4 Prozent auf 7,205 Euro ab. Zwischenzeitlich hatten die Anteilsscheine mit 7,163 Euro so wenig gekostet wie noch nie. "Der deutsche Leitindex befindet sich mehr denn je im übergeordneten Abwärtsmodus", sagte der Technische Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel. Nach zwei Tagen der Unentschlossenheit befürchtet er, dass sich diese abwartende Haltung "heute nach unten entlädt".

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Neben der Deutschen Bank verzeichnete auch die Aktie von Wirecard deutliche Verluste. Trotz des Kursrutsches am Donnerstag können sich die Anleger von Wirecard Börsen-Chart zeigen seit Jahresbeginn immer noch über ein Plus von gut 38 Prozent freuen, obwohl die Aktien bereits deutlich von ihrem Anfang September erreichten Rekordhoch bei 199 Euro zurückgekommen sind. Der Dax Börsen-Chart zeigen hingegen hat in diesem Zeitraum fast 18 Prozent verloren.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq bauen Verluste am Abend aus

Die Wall Street hat nach der gestrigen US-Zinsentscheidung ihren Kursrutsch fortgesetzt. Nach Handelsschluss in Europa baute der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen Industrial weine Verluste auf 1,5 Prozent aus und fiel unter die Marke von 23.000 Zählern. Der Technologie-Index Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen verlor sogar 1,7 Prozent und hat seit seinem Rekordhoch im Sommer dieses Jahres mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Der marktbreite S&P Index hat in den vergangenen 6 Handelstagen knapp 7 Prozent an Wert verloren. Seit seinem Hoch ist der Index um rund 15 Prozent gefallen.

Fallende Ölpreise und wachsende Konjunktursorgen sorgen nun auch in den USA dafür, dass Anleger Geld in Sicherheit bringen. Für den Dow wird es auf Jahressicht ein verlustreiches Jahr.

Die vierte Zinserhöhung im laufenden Jahr sei keine Überraschung gewesen, doch mit dem Ausblick auf 2019 ignoriere die Fed die Hinweise auf eine mögliche Rezession, schrieb Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Offenbar hätten die Währungshüter kein Ohr für die Sorgen am Markt.

Altria übernimmt Juul für 12,8 Milliarden Dollar

Beim Tabakkonzern Altria ließ die Übernahme von 35 Prozent am E-Zigaretten-Hersteller Juul für 12,8 Milliarden US-Dollar die Anleger eher kalt: Die Titel kamen nicht von der Stelle. Es ist laut Altria die größte Investition in der Konzerngeschichte. Insgesamt werde Juul bei dem Deal mit 38 Milliarden Dollar bewertet. Damit hat sich die Bewertung des Start-ups aus San Francisco innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt - Juul wird nun höher taxiert als Silicon-Valley-Schwergewichte wie Airbnb oder SpaceX

Indizes in Asien tauchen ab

Der Zinsausblick der US-Notenbank hat am Donnerstag auch die Aktienmärkte in Japan belastet. Der 225 Werte umfassende Nikkei Börsen-Chart zeigen -Index verlor am Donnerstag im Verlauf 1,7 Prozent auf 20.631 Punkte. Zwischenzeitlich war er auf unter 20.600 Zähler abgesackt, den tiefsten Stand seit Ende März. Der breiter gefasste Topix-Index gab 1,4 Prozent auf 1534 Stellen nach.

Euro kaum verändert - Fed will 2019 Tempo rausnehmen

Der Euro zeigte sich unterdessen kaum verändert. Ein Euro wurde mit 1,1380 Dollar bewertet und kostete damit etwas mehr als im späten New Yorker Handel.

Angesichts einer absehbar abkühlenden Konjunktur schwenkt die US-Notenbank Fed auf einen weniger aggressiven Kurs um. Sie signalisierte am Mittwoch für nächstes Jahr zwei Zinserhöhungen und damit nur noch halb so viele wie 2018. Noch im September hatten die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell drei Schritte nach oben ins Auge gefasst. Die Federal Reserve hat mit ihren regelmäßigen Zinserhöhungen auf ein außergewöhnlich starkes Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von voraussichtlich drei Prozent reagiert. 2019 dürften aber Schätzungen der Fed zufolge nur noch 2,3 Prozent herausspringen.

Kritik von Trump perlt an Fed-Chef Powell ab

US-Präsident Donald Trump fürchtet, dass die Notenbank mit ihrem Vorgehen den Aufschwung abwürgen könnte - und hat sie deswegen scharf angegriffen. Diese Kritik perlt an den Währungshütern allerdings ab, wie Powell betonte: "Nichts wird die Fed von ihrem Kurs abbringen, wenn wir denken, dass es der richtige Weg ist."

Ökonom Sven Lehmann vom Vermögensverwalter HQ Trust sagte, vor dem Hintergrund der drastischen Steuersenkungen der Trump-Regierung müsse die Fed eine Überhitzung der Wirtschaft im Auge behalten. Auch Fed-Beobachter Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim hält den Schritt für angebracht: "Es ist richtig, dass die Fed auf Normalisierungskurs bleibt und sich weder von der Polemik aus dem Weißen Haus oder schlechteren Konjunkturdaten davon abhalten lässt."

Laut Powell nähert sich die Zentralbank einem Zinsniveau, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Daher sei nun ein behutsames Vortasten ratsam. Für 2019 geht er weiter davon aus, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik kein Hemmschuh für die Konjunktur sein wird: "Sie wird der Wirtschaft aber weniger Schub verleihen."

mit dpa und reuters

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