Autoaktien gefragt Neue Hoffnung im Handelskrieg treibt Dax

Die Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA lässt den Dax zeitweilig über die Marke von 11.500 Punkten springen. Vor allem Autowerte sind gefragt, aber ebenso die Papiere des Dax-Neuling Wirecard.
Die Bullen sind los: Der Dax vollzieht einen Kurssprung und steigt über 11.500 Zähler

Die Bullen sind los: Der Dax vollzieht einen Kurssprung und steigt über 11.500 Zähler

Foto: Andres Kudacki/ AP/dpa

Ein "Waffenstillstand" im US-Handelskonflikt mit China hat dem Dax  einen Wochenauftakt nach Maß beschert. Der Leitindex stieg um 1,85 Prozent auf 11.465 Punkte - das ist der höchste Schlusskurs seit drei Wochen und laut Reuters der höchste Tagesgewinn seit acht Monaten. Das Tageshoch Handelsverlauft lag 11.566 Punkten. Der MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen Unternehmen gewann 1,34 Prozent auf 23.768 Zähler.

Die USA und China haben eine weitere Eskalation in ihrem Handelsstreit vorerst abgewendet. China hat sich nach den Worten von US-Präsident Donald Trump zu einem Entgegenkommen bei Autozöllen bereiterklärt. Peking wollte dies zunächst zwar nicht bestätigen, dementierte die Darstellung Trumps aber auch nicht. Zudem soll es ab Januar zumindest für 90 Tage keine weiteren Zölle geben.

Erleichterungsrally auch an der Börse in New York: Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones  mit 0,78 Prozent fest im Plus. An der Technologiebörse Nasdaq rückte der Nasdaq Composite  um 1,32 Prozent vor. Investoren griffen hier vor allem bei Chip-Werten zu, die stark vom China-Geschäft abhängen. Aktien von AMD , Intel , Micron  und Texas Instruments  gewannen in der Spitze bis zu 7 Prozent hinzu.

Die USA und China verschieben den Angaben zufolge die geplante nächste Runde von Strafzöllen um 90 Tage. Die Zeit soll für weitere Verhandlungen genutzt werden. "Damit ist klar, dass in diesem Jahr in Sachen Handelsstreit keine neuen Turbulenzen drohen", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Mittelfristig darf aber nicht vergessen werden, dass China und die USA zwar einen Waffenstillstand erreicht haben, aber keine endgültige Lösung."

Trump twittert über Abschaffung von Zöllen - doch Risiken bleiben

Die Analysten der Commerzbank warnten daher vor überzogenen Erwartungen. "Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt und es gibt unseres Erachtens noch zahlreiche Risiken und Unsicherheiten." Ihre Kollegen von der US-Bank Goldman Sachs äußerten sich dagegen optimistisch. US-Präsident Donald Trump wolle offenbar eine Vereinbarung vor der Präsidentschaftswahl 2020 erreichen.

Chinas Börsen und Rohstoffpreise im Aufwind, Ölpreis steigt um 5 Prozent

In China gab die Atempause nicht nur der Börse Shanghai, sondern auch der Landeswährung Auftrieb. Ein Dollar verbilligte sich um bis zu 1,1 Prozent auf 6,8798 Yuan. Dank der nachlassenden Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft deckten sich Anleger auch mit Kupfer ein. Das Industriemetall verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 6300,50 Dollar je Tonne.

Im Video: Trump verkündet Entspannung im Handelsstreit

Reuters

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise sogar um bis zu 5,3 Prozent auf 62,60 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der größte Kurssprung seit zwei Jahren. Rohöl profitierte von der Aussicht auf eine Kürzung der Fördermengen durch das Exportkartell Opec und seiner Verbündeten. Unabhängig davon will auch Kanada seine Produktion drosseln. Offenbar lösten nun zahlreiche Anleger ihre Wetten auf weitere Kursverluste auf, sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades.

BMW, Daimler und Wirecard stark gefragt

Bei den Aktienwerten gehörten die Autobauer zu den Favoriten. Sie profitierten zusätzlich von der Ankündigung Trumps, dass China die Zölle auf US-Importfahrzeugen von derzeit 40 Prozent abbauen werde. Der europäische Branchenindex gewann 3,1 Prozent. Das ist der größte Tagesgewinn seit einem knappen halben Jahr. An der Wall Street legten General Motors  , Ford  und Tesla  bis zu 3,1 Prozent zu.

Im Dax gewannen die Titel von BMW  und Daimler  an der Dax-Spitze 4,4 und 3,5 Prozent hinzu, die Vorzugsaktien von Volkwagen stiegen um gut 2. Die stärksten Kurzuwächse verbuchte aber Dax-Neuling Wirecard (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von 4,54 Prozent. Einzelne Vermögensverwalter sehen nach dem letzten Kursrücksetzer und der jüngst bekannt gegebenen Kooperation mit Alipay und We'chat Pay gute Gründe für einen Einstieg.

Auch bei Luxusgüter-Anbietern, die stark vom China-Geschäft abhängig sind, griffen Investoren zu. Aktien der Louis-Vuitton-Mutter LVMH , des Gucci- und Puma-Eigentümers Kering sowie des Cartier-Eigners Richemont gewannen bis zu 7,6 Prozent.

Am Nachmittag rückte Uniper  ins Rampenlicht. Insidern zufolge haben der finnische Konkurrent Fortum und der US-Hedgefonds Elliott eine Mehrheitsübernahme des Versorgers durchgespielt. Uniper-Aktien stiegen daraufhin zeitweise um fünf Prozent und schlossen drei Prozent höher bei 23,35 Euro. Fortum betonte, mit der aktuellen Uniper-Beteiligung von 47 Prozent zufrieden zu sein. Elliott wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Aktien Vonovia und Lufthansa unter Verkaufsdruck

Aktien von Vonovia  fielen hingegen am Dax-Ende um gut 3 Prozent. Das Bankhaus Metzler hatte die Papiere von "Hold" auf "Sell" abgestuft. In Erwartung moderat steigender Zinsen seien die Gewinne und die Barmittel des Immobilienkonzerns mittelfristig Risiken ausgesetzt.

Aktien der Lufthansa  litten unter den massiv gestiegenen Ölpreisen und verloren 1,3 Prozent. Zudem hatten sich die Titel der Fluggesellschaft seit Ende Oktober kräftig erholt.

Der EuroStoxx 50  als Leitindex der Eurozone stieg am Montag um 1,32 Prozent auf 3214,99 Zähler. In Paris legte der Cac 40 um 1 Prozent zu und der Londoner FTSE 100 um 1,2 Prozent. In New York kletterte der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum Zeitpunkt des Handelsschlusses in Europa um ein halbes Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,10 Prozent am Freitag auf 0,18 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,06 Prozent auf 141,39 Punkte. Der Bund-Future trat mit 161,52 Punkten am Abend nahezu auf der Stelle. Der Euro notierte zuletzt mit 1,1357 US-Dollar etwas fester. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1332 Dollar festgesetzt.

mit dpa und reuters
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