Börse Dax erneut mit Rekord, Banken-Anleger nervös

Dax-Anleger haben dem Leitindex zu Wochenbeginn ein weiteres Rekordhoch beschert. Pandemie-Sorgen blieben im Hintergrund. Nervös allerdings reagierten Banken-Investoren auf die Schieflage eines Hedgefonds.
Bulle vor der Börse in Frankfurt: Der Dax startete mit einem Rekordhoch in die neue Woche, gab dann aber wieder nach

Bulle vor der Börse in Frankfurt: Der Dax startete mit einem Rekordhoch in die neue Woche, gab dann aber wieder nach

Foto: Boris Roessler / dpa

Der Dax ist am Montag auf Rekordjagd geblieben. Unbeirrt von der weiter schwelenden Pandemie und Turbulenzen im europäischen Bankensektor schraubte der Leitindex seine Bestmarke im Tagesverlauf bis auf 14.845 Punkte nach oben. Am Nachmittag gab die Hoffnung neuen Rückenwind, dass der Suezkanal wieder für Schiffe passierbar wird.

Dax

Über die Ziellinie ging der Dax bei 14.817 Punkten, was einem Anstieg um 0,47 Prozent gleichkam. Der MDax  konnte dem Leitindex allerdings nicht nach oben folgen, er schloss 0,43 Prozent tiefer bei 31.460,50 Punkten. Auf europäischer Bühne ging es für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  um 0,4 Prozent nach oben, er überbot sein höchstes Niveau seit 2008.

In New York notierten die großen Indizes zum europäischen Handelsschluss uneinheitlich: Der breit gefasste S&P 500  zeigte sich wenig verändert und der technologielastige Nasdaq 100  gab 0,2 Prozent nach. Nur der US-Standardwerteindex Dow Jones  konnte anfängliche Verluste wieder wettmachen und notierte 0,3 Prozent im Plus.

Das festgefahrene Containerschiff "Ever Given" sei wieder flott gemacht worden und der Kanal damit wieder frei, teilte das an der Bergung beteiligte Unternehmen Boskalis am Nachmittag mit. Zuletzt galt die Havarie des Frachters als größer werdendes Problem für die Lieferketten zwischen Westeuropa und Fernost.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Der Zahlungsausfall beim US-Hedgefonds Archegos Capital ließ am Montag die Anleger im Bankensektor zittern. Die schweizerische Bank Credit Suisse warnte vor der Gefahr hoher Verluste, nachdem ein bedeutender Fonds in der vergangenen Woche Nachschussforderungen nicht nachgekommen sei. In Zürich knickten die Anteilscheine von Credit Suisse um fast 14 Prozent ein. Im Sektor sorgte die Frage für Unsicherheit, welche Bank in die Sache noch involviert sein könnte.

In den USA sanken Aktien von Morgan Stanley rund drei Prozent nach einem Bericht der "Financial Times" über massive Aktienverkäufe. Unter Druck gerieten auch die Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Goldman Sachs sowie Wells Fargo, die bis zu drei Prozent einbüßten. Anleger befürchteten, dass weitere Aktienverkäufe bevorstehen.

Die Papiere der Deutschen Bank gerieten mit dem ganzen Sektor in einen Abwärtsstrudel. Am Ende wurden sie mit einem Abschlag von 3,3 Prozent zum Schlusslicht im Dax. Im MDax gaben die Papiere der Commerzbank weniger stark um 1,4 Prozent nach.

Die dunkle Seite der Hebelwirkung

"Dieser Vorfall erinnerte die Märkte an die dunkle Seite der Hebelwirkung und führte wahrscheinlich dazu, dass einige Marktteilnehmer ihre Risikolage in der Nähe von Rekordhochs reduzierten, um ernsthafte Verluste zu vermeiden, falls der Verkauf sich ausweitet", sagte Marios Hadjikyriacos, Investmentanalyst beim Online-Broker XM.

Die Turbulenzen in der Bankenbranche dürften sich derweil laut dem Marktstratege Stephen Innes vom Handelshaus Axi kaum auf die Gesamtwirtschaft ausweiten. Es handele sich hier um einen Einzelfall eines schlechten Risikomanagements, der letztendlich nur wenige oder gar keine dauerhaften makroökonomischen Auswirkungen haben dürfte.

Besser als den Finanzwerten erging es zu Wochenbeginn den Papieren von Volkswagen und vor allem BMW, die um 0,8 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent stiegen.

In der zweiten Börsenreihe fiel Wacker Chemie mit einem Anstieg um 2,2 Prozent positiv auf, sie erhielten Auftrieb durch eine Empfehlung des Analysehauses Barclays. Im SDax gehörten die um 3,3 Prozent höheren Hensoldt-Aktien zur Favoritengruppe. Der Bund hat aus sicherheitspolitischen Gründen eine Sperrminorität von 25,1 Prozent am Rüstungshersteller gekauft.

Bitcoin nimmt wieder Kurs auf 60.000 Punkte

Bitcoin nimmt Anlauf zum Sprung über die Marke von 60.000 Dollar. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verteuert sich um fast 8 Prozent auf 58.194 Dollar. Die wachsende Beliebtheit bei Pensionsfonds und anderen institutionellen Anlegern gebe der Kryptowährung Auftrieb, sagt Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Der Sprung über die psychologisch wichtige 60.000er Marke könnte die Initialzündung für einen Lauf in Richtung 100.000 Dollar liefern.

Bitcoin

"Umfeld für den Euro bleibt schwierig"

Am Devisenmarkt verlief der Wochenauftakt in ruhigen Bahnen. Am ersten Handelstag der Woche wurden keine wichtigen Konjunkturdaten veröffentlicht, an denen sich die Anleger orientieren konnten. Auch Zentralbanker hielten sich mit öffentlichen Auftritten weitgehend zurück und fielen als Impulsgeber aus.

USD/EUR

Der Euro wird seit einiger Zeit durch einen aufwertenden Dollar unter Druck gesetzt. Gründe sind steigende Wachstumserwartungen in den USA und die schleppend verlaufende Impfkampagne in der EU. Zum Wochenstart werden keine entscheidenden Wirtschaftsdaten erwartet. Zentralbanker halten sich mit öffentlichen Auftritten weitgehend zurück.

"Das Umfeld für den Euro bleibt schwierig", kommentierten Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) das Handelsgeschehen. Der Euro wird seit einiger Zeit tendenziell durch einen aufwertenden Dollar unter Druck gesetzt. In der vergangenen Woche hatte der Kurs der Gemeinschaftswährung bei 1,1762 Dollar den tiefsten Stand seit dem vergangenen November erreicht. Gründe sind steigende Wachstumserwartungen in den USA im Zuge gewaltiger staatlicher Hilfsprogramme und die schleppend verlaufende Impfkampagne in der EU. Zuletzt war der Druck seitens des Dollar aber nicht mehr ganz so stark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85120 (0,85503) britische Pfund, 129,19 (129,34) japanische Yen und 1,1075 (1,1090) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1711 Dollar gehandelt. Das waren etwa 21 Dollar weniger als am Freitag.

Ölpreis - Preis für Brent kann Zugewinne nicht halten

Der Ölpreis gab zunächst leicht nach, nachdem sich das im Suezkanal auf Grund gelaufene Riesen-Containerschiff "Ever Given" wieder freikam, das rund eine Woche lange den wichtigen Schifffahrtsweg blockiert hatte. Die Sorte Brent aus der Nordsee zeigte sich dann aber mit 64,62 Dollar je Barrel (159 Liter) wenig verändert. Der Kanalbetreiber SCA teilte am Montag mit, dass der Verkehr in der für die globale Schifffahrt immens wichtigen Wasserstraße wieder aufgenommen werde. Die Störungen in der globalen Schifffahrtsindustrie könnten allerdings noch Wochen oder möglicherweise Monate dauern, bis sie beseitigt sind, sagten führende Container-Reedereien.

mit Nachrichtenagenturen