Börse RWE und Volkswagen entzücken die Anleger

Der deutsche Aktienmarkt hat die Woche trotz Verlusten am Freitag mit einem Plus beendet. Zu den Favoriten im Dax zählten RWE und der Volkswagen-Konzern, der neue Elektropläne vorlegte.
Favorit im Dax: VW legt Pläne für eine neue Batteriefabrik vor - die Anleger freut es

Favorit im Dax: VW legt Pläne für eine neue Batteriefabrik vor - die Anleger freut es

Foto: Jan Woitas/ dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat den Tag mit Verlusten beendet. Überraschend starke US-Arbeitsmarktzahlen konnten die negative Stimmung nur kurzzeitig aufhellen. Der Dax  fiel wieder unter die vielbeachtete Marke von 14.000 Punkten und verlor letztlich 0,97 Prozent auf 13.920 Zähler. In der abgelaufenen Woche legte er dennoch insgesamt um ein Prozent zu. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen schloss am Freitag 1,89 Prozent tiefer bei 30.716 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verlor am Freitag 0,95 Prozent auf 3669 Punkte.

"Die Inflationssorgen dies- und jenseits des Atlantiks bleiben Dreh- und Angelpunkt an den globalen Aktienmärkten und halten Anleger bei der Stange, bemerkte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Auch jüngste Äußerungen von US-Notenbankchef Jerome Powell hätten die Gemüter nicht beruhigen können. "Powell sieht den jüngsten Anstieg der Zinsen nicht als Argument an, um von der nach wie vor ultralockeren geldpolitischen Marschroute abzuweichen", so Emden.

Ein überraschend starker Stellenzuwachs in den USA hat die Wall Street am Freitag angetrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann ein halbes Prozent auf 31.082 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,3 Prozent auf 3779 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel indes um 0,2 Prozent auf 12.704 Punkte.

Auftrieb für Versorger

Das absehbare Ende des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Bundesregierung und Energieversorgern in Deutschland haben am Freitag den Aktien von RWE  Auftrieb gegeben. Unter den Einzelwerten zählte RWE  mit plus 1,8 Prozent zu den Favoriten im Dax. Die Deutsche Bank nahm die Bewertung mit "Buy" und einem Kursziel von 35 Euro auf. Die deutschen Versorger sollen angesichts des 2011 beschlossenen beschleunigten Atomausstiegs eine Entschädigungszahlung für entgangene Restlaufzeiten und Gewinne in Höhe von insgesamt 2,4 Milliarden Euro erhalten. Eon  reagierte mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Dax

Volkswagen führt Dax an

An der Dax-Spitze stiegen die Aktien von Volkswagen  um 2,3 Prozent auf den höchsten Stand seit 2015. Wie zur Strategieplanung bereits angekündigt, bekräftigte der Autobauer, dass der Ausbau der Flotte reiner E-Fahrzeuge schneller vonstattengehen solle als bislang geplant. Bis 2030 sollen in Europa nun 70 Prozent der Gesamtverkäufe auf diese Sparte entfallen, was eine Verdoppelung der bislang geplanten Quote wäre. Der spanische Staat will zudem mit der spanischen VW-Tochter Seat und dem Energieunternehmen Iberdrola eine Batteriefabrik bauen, wie Spaniens Industrieministerin Reyes Maroto sagte.

Im MDax litten die Papiere des Wirkstoffforschers Evotec  mit minus 5,9 Prozent unter einer gestrichenen Kaufempfehlung durch die US-Bank Citigroup. Die Papiere hätten seit dem Kapitalmarkttag im November um mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen, schrieb Analyst Nick Nieland und sieht daher nun einen Mangel an neuen kurzfristigen Kurstreibern.

Die Kurse deutscher Bundesanleihen haben am Freitag zugelegt. Der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future stieg bis zum Nachmittag um 0,05 Prozent auf 174 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei minus 0,31 Prozent. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,35 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,02 Prozent auf 144 Punkte. Der Bund-Future stieg zuletzt um 0,09 Prozent auf 174 Punkte.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Der marktbreite S&P 500 gab am Freitag um 0,04 Prozent auf 3767 Punkte nach. Im technologielastigen Nasdaq 100 stoppte der Ausverkauf nur zu Beginn, ging dann aber weiter, wie das Minus von zuletzt 0,86 Prozent auf 12.357 Punkte zeigte.

Nasdaq 100

Euro bei 1,19 Dollar

Der Euro ist erstmals seit drei Monaten unter 1,19 US-Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) errechnete einen Wechselkurs von 1,1938 US-Dollar für den Euro, nachdem der Referenzkurs am Donnerstagnachmittag noch deutlich höher auf 1,2034 Dollar lag. Der Dollar kostete damit am Freitag 0,8377 Euro.

USD/EUR

Während der Euro deutlich nachgibt, befindet sich der Dollar im Aufwind. Die amerikanische Währung erhält seit Donnerstagabend starken Rückenwind, da sich US-Notenbankchef Jerome Powell sehr zurückhaltend zu dem jüngsten Anstieg der Kapitalmarktzinsen geäußert hatte. Der Anstieg der Renditen ist Folge der sehr lockeren Finanzpolitik der neuen US-Regierung, die billionenschwere Konjunkturhilfen anstrebt. Der Dollar profitiert, weil höhere Zinsen Geld in die USA lockt.

Am Freitagnachmittag erhielt der Dollar Auftrieb durch robuste US-Arbeitsmarktdaten. Lockerungen der Corona-Beschränkungen haben im Februar dort die Erholung angetrieben. So sind deutlich mehr Stellen entstanden als erwartet und die Arbeitslosenquote ging zurück. "In den USA kam es zuletzt in zahlreichen Bundesstaaten zu Lockerungen der Corona-Beschränkungen", begründete Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, den Beschäftigungsaufbau. Allerdings stehe seit Beginn der Pandemie immer noch ein Verlust von neun Millionen Arbeitsplätzen zu Buche.

Ölpreise legen zu - Opec+ hält Förderung konstant

Die Ölpreise haben am Freitag ihre deutlichen Aufschläge vom Vortag ausgeweitet. Der Ölverbund Opec+ hat seine Förderung zunächst nicht angehoben und damit für eine Überraschung an den Märkten gesorgt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 68,85 US-Dollar. Das waren 2,11 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für amerikanisches Erdöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,87 Dollar auf 65,72 Dollar.

Die Ölpreise bewegen sich damit auf dem höchsten Stand seit Anfang 2020. Auslöser für den Höhenflug war die überraschende Entscheidung des Erdölverbunds Opec+ vom Donnerstag, die Ölförderung bis auf wenige Ausnahmen konstant zu halten. Am Markt war dagegen überwiegend mit einer Ausweitung gerechnet worden.

Brent

Seit längerem deckeln die Opec-Förderländer die Produktion, um die Preise angesichts der coronabedingt schwachen Nachfrage zu stützen. Weil sich die Konjunkturaussichten mit zunehmenden Corona-Impfungen aufgehellt haben, konnten sich viele Analysten eine Förderanhebung vorstellen. Doch der Ölgigant Saudi-Arabien hat sich mit seiner vorsichtigen Haltung offenbar durchgesetzt.

Russland dagegen pochte im Vorfeld auf eine Anhebung und konnte eine Ausnahme herausschlagen. Zusammen mit Kasachstan darf das ölreiche Land die Produktion etwas ausweiten. Saudi-Arabien hingegen hält die Förderung freiwillig niedriger, als es gemäß Absprache eigentlich müsste.

rei, cs/Reuters, dpa-afx
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