Mittwoch, 11. Dezember 2019

Börse Dax schließt fest, Wirecard-Anleger machen Kasse

Dax im Plus: Der deutsche Leitindex legt wieder zu

Nach der Zinssenkung in den USA wagt der Dax erneut einen Ausflug über die Marke von 12.400 Punkten und schließt am Donnerstag fest im Plus. Auch an der Wall Street greifen Anleger wieder zu. Die Aktie von Microsoft erreicht ein Rekordhoch.

Die zweite US-Zinssenkung innerhalb weniger Wochen gibt den Aktienmärkten Auftrieb. Mangelnde Klarheit über den weiteren Kurs der Fed verhinderte aber größere Kursgewinne am Donnerstag. "Die Notenbank hat ähnlich wie schon die EZB letzte Woche lediglich die Markterwartungen erfüllt", sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer. "Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr." Dax und EuroStoxx50 legten jeweils etwa ein halbes Prozent auf 12.457 und 3551 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann zum Handelsschluss in Europa ähnlich stark.

Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend wie erwartet den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt gesenkt. Bei der anschließenden Pressekonferenz betonte Fed-Chef Jerome Powell zwar, dass sein Haus bereitstehe, um bei Bedarf die Geldpolitik weiter anzupassen. "Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass er derzeit keine Notwendigkeit für weitere Zinssenkungen sehe", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades.

Dies gab den Finanzwerten Auftrieb, da diese unter niedrigen Zinsen leiden. Der europäische Banken-Index gewann 1,8 Prozent. Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen gehörte hier mit einem Kursplus von 3,1 Prozent zu den Favoriten. Die Konjunkturprognosen der US-Notenbanker deuteten aber darauf hin, dass es nicht viel brauche, damit die Fed den Schlüsselsatz weiter senke, sagte Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS.

Andere Notenbanken tasten Zins nicht an

Auch die Beratungen der japanischen, britischen und Schweizer Notenbank (SNB) brachten keine Überraschungen. Alle drei tasteten ihre Schlüsselsätze nicht an. Letztere erhöhte allerdings den Freibetrag, ab dem Geschäftsbanken Strafzinsen für Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen. Die SNB habe keine weitere Lockerung der Geldpolitik signalisiert, sagte Volkswirt Jörg Angele vom Vermögensverwalter Bantleon. "Dies zeigt einmal mehr, dass die SNB nur noch wenige Pfeile im Köcher hat und vor allem auf die Maßnahmen anderer Notenbanken reagiert."

Der Schweizer Währung gab dies zusätzlichen Schub. Im Gegenzug verbilligten sich der Dollar um 0,4 Prozent auf 0,9932 Franken und der Euro um 0,2 Prozent auf 1,0974 Franken.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Trüber Branchenausblick macht Stahlwerten zu schaffen

Ein schwacher Branchenausblick trübte die Stimmung im Stahlsektor. Der amerikanische Konzern US Steel schätzt die Marktbedingungen in Europa düster ein. Die Papiere der hiesigen Rivalen ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen , Outokumpu und SSAB fielen daraufhin um bis zu 4,5 Prozent. US Steel brachen an der Wall Street zeitweise um knapp 15 Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit etwa eineinhalb Jahren.

Die Aktien von Microsoft Börsen-Chart zeigen wiederum stiegen dagegen um bis zu 2,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 142,37 Dollar. Der Softwarekonzern will eigene Aktien im Volumen von 40 Milliarden Dollar zurückkaufen.

Rocket Internet übertrifft Erwartungen

Halbjahreszahlen gab es von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen . Händler urteilten, die Resultate des Start-up-Investors hätten die Erwartungen übertroffen. Die im MDax notierten Titel hatten im frühen Handel recht deutlich angezogen, dann aber ließ der Rückenwind nach infolge von Aussagen aus der Telefonkonferenz. Konzernchef Oliver Samwer habe dort die Erwartungen an schnelle weitere Börsengänge von Beteiligungen gedämpft, die den Unternehmenswert steigern könnten, sagten Händler. Am Ende sanken Rocket um rund 2 Prozent.

Die Aktien von Hellofresh trieb ein optimistischer Analystenkommentar an. Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan sieht mit einem neuen Kursziel von 18 Euro ein fast 50-prozentiges Kurspotenzial. Die Papiere des Kochboxen-Anbieters, der einst von Rocket Internet an die Börse gebracht wurde, gewannen unter den Favoriten im Nebenwertindex SDax Börsen-Chart zeigen 5,6 Prozent.

Spitzenreiter im Index waren die Anteilsscheine von Nordex Börsen-Chart zeigen , die um mehr als 7 Prozent in die Höhe schnellten. Börsianer verwiesen als Antrieb auf einen Entwurfsvorschlag für das am Freitag tagende Klimakabinett, das der Nachrichtenagentur Bloomberg vorlag. Demnach ist geplant, die Kapazität der Windkraftanlagen an Land deutlich zu erhöhen.

Wirecard sacken am Dax-Ende um mehr als 5 Prozent ab

Am Dax-Ende sackten die schwankungsanfälligen Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen um mehr als 5 Prozent ab und eliminierten damit ihre Vortagesgewinne. Die am Mittwoch noch spürbare Zuversicht der Anleger über eine unterzeichnete Kooperation mit dem japanischen Softbank-Konzern konnte die Anteilsscheine nach der Annäherung an die 160-Euro-Marke, die am Markt als hohe Hürde angesehen wird, nun nicht mehr weiter beflügeln.

Unter den Nebenwerten schockierte die Bauer AG mit einer Senkung der Gewinnprognose die Anleger. Die Papiere des Bau- und Maschinenbau-Unternehmens rutschten um fast ein Viertel in den Keller.

Am Rohölmarkt verteuerte sich die Sorte Brent aus der Nordsee um 1,3 Prozent auf 64,42 Dollar je Barrel (159 Liter). Den Experten der Beratungsfirma Energy Aspects zufolge sind dies die Nachwehen der Angriffe auf saudiarabische Ölförder-Anlagen vom Wochenende. Das Königreich habe mindestens für die nächsten zweieinhalb Monate keine Reserve-Kapazitäten, um weitere Angebotsausfälle auszugleichen. Gleichzeitig steigen die Spannungen in der Golf-Region, weil Saudi-Arabien und die USA Iran für die Attacken verantwortlich machen.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,50 Prozent am Vortag auf minus 0,49 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,08 Prozent auf 145,55 Punkte. Der Bund-Future notierte 0,06 Prozent im Plus bei 173,30 Zählern. Der Kurs des Euro legte zu: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1067 (Mittwoch: 1,1053) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9036 (0,9047) Euro.

mit Nachrichtenagenturen

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