Mittwoch, 16. Oktober 2019

Börse Dax und Dow vor Fed-Entscheidung kaum verändert

Verluste bei den Autoherstellern Daimler, BMW, VW und Conti sowie bremsen den Dax. Im späten Handel holt der Index seine Verluste aber wieder auf. An der Wall Street warten Anleger im Vorfeld der Fed-Zinsentscheidung ab.

Der Drohnen-Angriff auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat die Erholungsrally im Dax vorerst beendet. Der deutsche Leitindex gab am Dienstag um weitere 0,6 Prozent bis auf 12.308 Zähler nach, nachdem er bereits am Montag unter die Marke von 12.400 Punkten zurückgefallen war. Im späten Handel konnte der Dax Börsen-Chart zeigen dank der US-Börsen jedoch seine Verluste fast vollständig wieder ausgleichen und schloss auf Xetra (17.30 Uhr) praktisch unverändert bei 12.372 Punkten. Vor allem die Verluste bei den Autowerten BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen sowie die Talfahrt bei Lufthansa Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigenbremsten den deutschen Leitindex aus.

Der Ölpreisschock sei noch nicht vollends verdaut - trotz wieder leicht sinkender Ölpreise, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Milan Cutkovic, Analyst beim Broker Axitrader, schrieb: "Der große Crash nach den Drohnenangriffen auf das Herz der Ölindustrie ist zwar ausgeblieben, aber aus den Köpfen der Anleger sind die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten nicht verschwunden."

Beruhigend wirkt laut Marktbeobachtern aber, dass US-Präsident Donald Trump derzeit keinen Militärschlag gegen den Iran erwägt. Die Vereinigten Staaten vermuten in der Islamischen Republik den Drahtzieher hinter der Tat. Die Ölpreise hatten am Vortag nach dem Anschlag rasant zugelegt, am Dienstag nun einen kleinen Teil ihrer starken Aufschläge wieder abgegeben.

Auch eine Handelsvereinbarung zwischen den USA und Japan wird an den Börsen positiv gesehen. Es sei ein gutes Signal für einen freien Welthandel, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Ölpreise geben am Dienstag wieder nach

Am Rohöl-Markt machten einige Anleger Kasse. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 68,19 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem sie am Montag wegen der Angriffe auf saudi-arabische Ölförderanlagen mit einem Plus von zeitweise knapp 20 den größten Kurssprung seit 1991 verzeichnet hatte.

Für die weitere Entwicklung des Ölpreises sei entscheidend, wie schnell die Schäden repariert werden können, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Sollte Saudi-Arabien erst in einigen Monaten wieder gelingen, die Förder-Kapazitäten auf das ursprüngliche Niveau zu hieven, müsse mit Liefer-Engpässen gerechnet werden. Überdies sei mit den Angriffen die Gefahr eines Krieges in der Region gewachsen.

Auch am saudi-arabischen Anleihemarkt beruhigte sich die Lage. Anleger deckten sich wieder mit Bonds des Königreichs ein und drückten die Renditen der bis 2046 und 2047 laufenden Titel auf 3,899 beziehungsweise 3,918 Prozent. Das gleiche galt für die 2049 auslaufende Papiere des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco, die bei 3,949 Prozent rentierten.

Fed dürfte Zinsen am Mittwoch um 25 Basispunkte senken - mindestens

Da Anleger für Mittwoch fest mit einer Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) um einen viertel Prozentpunkt rechnen, richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf Hinweise zur Geldpolitik in den kommenden Monaten. "Signalisiert Fed-Chef Jerome Powell weitere Zinssenkungen, könnte dies die Fortsetzung der Rally sichern und die politischen Risiken zumindest kurzfristig in den Hintergrund drängen", prognostizierte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Unterdessen bröckelte das Pfund Sterling erneut ab und kostete 1,2413 Dollar. "Gut sechs Wochen vor dem Brexit-Termin und einen Monat vor dem alles entscheidendenden EU-Gipfel stecken die Verhandlungen weiterhin in einer Sackgasse", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich Premierminister Boris Johnson über die Anordnung des Parlamentes hinwegsetzen wird, zur Verhinderung eines ungeordneten EU-Ausstiegs Großbritanniens einen erneuten Aufschub zu beantragen. Die hohen Kosten für die Absicherung eines Pfund-Absturzes deuteten darauf hin, dass Anleger einen großen Knall befürchten.

Dow Jones vor Fed-Zinssenkung kaum verändert

In Erwartung des Zinsentscheids der US-Notenbank (Fed) haben Anleger größere Engagements an der Wall Street gescheut. Die Leitindizes Dow Jones Börsen-Chart zeigen , Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen und S&P 500 kamen zur Eröffnung am Dienstag kaum vom Fleck. Am Abend drehte der Nasdaq Index minimal ins Plus, während der Dow Jones weiterhin um die Marke von 27.000 Zählern pendelte.

Anleger rechnen mehrheitlich damit, dass die Fed den Schlüsselzins am Mittwoch um einen Viertelprozentpunkt reduzieren wird. "Wie bereits bei der letzten Zinssenkung vor zwei Monaten wäre dies eine Vorsichtsmaßnahme, die wir aber nicht als Einstieg in einen neuen Zinssenkungszyklus ansehen", sagte Frank Dixmier, Anleihechef des Vermögensverwalters Allianz Global Investors. Da nach den Anschlägen auf saudi-arabische Ölförderanlagen an den Börsen keine Panik ausgebrochen sei, bestehe für die Fed kein Grund, die Geldpolitik stärker zu lockern, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. Zu den größten Verlierern an der Wall Street gehörte Corning mit einem Kursminus von 8,3 Prozent. Das Unternehmen hatte seine Absatzziele gekappt.


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Euro kaum verändert

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat sich am Dienstag stabilisiert. Nach deutlichen Verlusten zu Wochenbeginn kostete er am Dienstagmorgen 1,1010 US-Dollar. Das war etwas mehr als am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1031 Dollar festgesetzt.

Am Montag war der Euro von zwei Seiten unter Druck geraten. Zum einen gab es neue Hinweise auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in der Euro-Zone. Zwei hochrangige Notenbanker hatten sich entsprechend geäußert, darunter der Chefvolkswirt der EZB, der Ire Philip Lane.

Hinzu kam ein starkes Sicherheitsbedürfnis der Anleger wegen der Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien am Wochenende. Der darauffolgende Anstieg der Ölpreise führte zu allgemeiner Konjunkturangst und Verunsicherung. Der Dollar als Weltreservewährung wurde daraufhin angesteuert.

Am Dienstag stehen neue Konjunktursignale aus Deutschland auf dem Programm. Das Mannheimer Forschungsinstitut ZEW veröffentlicht die Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter Finanzexperten. Es wird mit einer leichten Aufhellung gerechnet.

mit Nachrichtenagenturen

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