Dienstag, 26. Mai 2020

Aktien und Ölpreis im freien Fall Dax erleidet höchsten Verlust seit 2001

Kein Tag für schwache Nerven: Der Dax verlor am Montag 8 Prozent und baute die Verluste nachbörslich bis 19.45 Uhr auf 9,82 Prozent oder 1133 Punkte aus.
Michael Nagle / XinHua / dpa
Kein Tag für schwache Nerven: Der Dax verlor am Montag 8 Prozent und baute die Verluste nachbörslich bis 19.45 Uhr auf 9,82 Prozent oder 1133 Punkte aus.

Der Dax verliert am Montag 8 Prozent, das ist prozentual der größte Verlust seit dem 11. September 2001. Nachbörslich geht es noch weiter nach unten. Auch an der der Wall Street stehen die Indizes im tiefroten Bereich. Finanzaktien und konjunktursensible Werte zählten zu den größten Verlierern im Dax, wo es keine Gewinner gibt. Dagegen stürmten Anleger so genannte "sichere Häfen" wie Gold.

Der Dax Börsen-Chart zeigen hat zu Wochenbeginn einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Wegen wachsender Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges flohen die Anleger am Montag panikartig aus dem Aktienmarkt und flüchteten in sichere Häfen.

Der deutsche Leitindex hatte zwischenzeitlich 8,5 Prozent oder fast 1000 Punkte eingebüßt und schloss letztlich 7,94 Prozent tiefer bei 10.625 Punkten. Dies ist auf Schlusskursbasis gerechnet der größte prozentuale Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der MDax Börsen-Chart zeigen schloss 6,70 Prozent leichter und stand damit bei 23.091 Punkten. Nachbörslich ging es im Dax bis 19.45 Uhr um 9,9 Prozent oder 1139 Punkte auf 10395 Zähler weiter nach unten.


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Am Ölmarkt waren am Morgen die Preise zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Hintergrund sind die gescheiterten Verhandlungen führender Ölstaaten. Am Wochenende hatte Saudi-Arabien als Reaktion auf die russische Blockade einer weiteren Drosselung der Ölförderung die Preise gesenkt und eine Ausweitung der Produktion angekündigt. Daraufhin brachen die Preise zeitweise so stark wie zuletzt im Kuwait-Krieg 1991 ein.

"Raus aus allem, was Risiko hat"

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners schrieb mit Blick auf den Dax, zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Rezessionssorgen komme jetzt noch der Ölpreiskrieg dazu. "Die Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat." Zuflucht suchten sie etwa in Staatsanleihen und bestimmten Währungen. Die Panik an den Börsen bescherte dem VDax den größten Kurssprung seiner Geschichte. Der Volatilitätsindex, der die Nervosität der Anleger misst, stieg zwischenzeitlich um 57 Prozent auf 62,67 Punkte. Das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise im Herbst 2008.

Rote Vorzeichen, wohin das Auge blickt

Auch europaweit crashten die Aktienmärkte: Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen, der Leitindex der Eurozone, sackte um 8,45 Prozent auf 2959 Punkte ab. Ähnlich deutlich ging es auch in Paris und London nach unten. Der italienische Leitindex FTSE MIB krachte um mehr als 11 Prozent in die Tiefe.

Wegen starker Kursverluste wurde an der New Yorker Börse der Handel am Montag kurz nach Börsenöffnung für 15 Minuten unterbrochen. In der Spitze verlor der Index kurz darauf bis zu 7,8 Prozent oder 2000 Punkte. Zum Handelsschluss in Deutschland betrug das Minus des Dow Börsen-Chart zeigen 6,2 Prozent, das bis 19.25 Uhr (MEZ) auf 7,3 Prozent oder 1900 Punkte wieder anwuchs. Der marktbreite S&P 500, der technologielastigen Nasdaq 100 gaben zur gleichen Zeit 7,2 Prozent und 6,6 Prozent nach.

Wie zuvor schon in Europa und Asien, gerieten in New York Aktien der Energiebranche unter massiven Druck. Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen büßten 8 Prozent ein und Chevron Börsen-Chart zeigen 9,4 Prozent. Der Preis für die US-Ölsorte WTI sackte um fast ein Fünftel ab. Andere Branchenwerte traf es noch schwerer: Für die Papiere des Ölkonzerns ConocoPhillips Börsen-Chart zeigen ging es um 25 Prozent steil abwärts. Occidental Petroleum brachen um rund 35 Prozent ein. Vom Ausverkauf erfasst wurden auch Dienstleister und Ausrüster der Öl- und Gasproduzenten: Die Aktien von Schlumberger und Halliburton büßten mehr als 30 Prozent ein.

Sichere Häfen wie Gold gefragt

Vor diesem Hintergrund flohen Anleger in "sichere Häfen" wie Gold. Die "Antikrisen-Währung" war mit 1702,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut sieben Jahren. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dadurch fielen die Renditen der zehnjährigen Titel aus den USA und Deutschland auf Rekordtiefs von plus 0,318 Prozent und minus 0,863 Prozent.


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Im hoch verschuldeten Italien stieg die Rendite der zehnjährigen Bonds dagegen auf plus 1,362 von 1,079 Prozent, so stark wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Zuvor hatte die Regierung in Rom den bei Urlaubern beliebten und wirtschaftlich starken Norden des Landes wegen des grassierenden Coronavirus praktisch komplett abgeriegelt.

Diese Maßnahme versetzte den Touristik-Werten einen weiteren Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 7,7 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 186,35 Punkten. Damit summiert sich sein Minus der vergangenen Wochen auf fast 30 Prozent. Das ist der größte Kursrutsch seiner Geschichte.

Dollar und Rohstoff-Währungen unter Druck

Am Devisenmarkt legten neben dem Euro vor allem der japanische Yen und der Schweizer Franken deutlich zu. Unter Druck geraten sind hingegen Rohstoffwährungen wie der australische und der kanadische Dollar. Noch deutlicher fielen die norwegische Krone und der russische Rubel. So sank der Rubel zum Euro um knapp 10 Prozent. Er erreichte den tiefsten Stand seit Anfang 2016. Die russische Führung musste eine Kehrtwende hinlegen. Erst am Morgen hatte die angekündigtZentralbank angekündigt, keine ausländischen Währungen mehr zu kaufen. Am Nachmittag erklärte das Finanzministerium, den Rubel mit Verkäufen von Devisen zu stärken.

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Ein Drittel der Dax-30-Aktien verliert mehr als 10 Prozent

Besonders schwere Verluste erlitten erneut die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Sie waren im Handelsverlauf bei 5,61 Euro auf ein Rekordtief abgesackt und büßten letztlich am Dax-Ende 13,6 Prozent auf 5,854 Euro ein. Den Papieren der Commerzbank Börsen-Chart zeigen erging es im MDax ähnlich. Sie erreichten zum Handelsschluss ein Rekordtief bei 3,637 Euro und verloren am Ende mehr als 15 Prozent. Die Aussicht auf noch tiefere Zinsen belastete die Bankenbranche. Zudem steigt das Risiko von Kreditausfällen, und das nicht nur wegen einer möglichen virusbedingten Rezession.

Stark konjunkturabhängige Unternehmen wie Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, oder Covestro Börsen-Chart zeigen oder Volkswagen Börsen-Chart zeigen verbuchten ebenfalls kräftige Kursverluste von mehr als 10 Prozent. Nachbörslich notierten fast ein Dutzend Aktien im Dax 30 mit Verlusten von mehr als 10 Prozent. Defensive Aktien wie Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen, Beiersdorf Börsen-Chart zeigenund Vonovia Börsen-Chart zeigen zählten noch zu den besten Werten im Dax. Doch auch sie gaben um 2,5 bis 5 Prozent nach.

Als einziger Dax-Wert schafften es die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigen am Vormittag kurzzeitig ins Plus, drehte dann aber ebenfalls zuletzt mit 6 Prozent in die Verlustzone. Die Wertpapiere der Fluggesellschaft waren bereits zuvor wegen der massiven Flugausfälle gebeutelt. Nun könnte das Unternehmen immerhin zu den Gewinnern des deutlich verbilligten Öls gehören.

mit Nachrichtenagenturen

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