Börse Neue Verkaufswelle am Aktienmarkt - Dax und Dow Jones tiefrot

Das sieht nicht gut aus, dabei hatte der Dax am Morgen noch im grünen Bereich angefangen. Dann geht es abwärts. Auch an der Wall Street gibt es erneut Verluste.
Der Dax taucht am Donnerstag ab und notiert deutlich unter 12.000 Punkten

Der Dax taucht am Donnerstag ab und notiert deutlich unter 12.000 Punkten

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Die Dax-Anleger in Frankfurt ziehen sich angesichts der Ausbreitung des Coronavirus erneut zurück: Der Dax  verliert am Donnerstag zeitweise mehr als 2 Prozent auf weniger als 11.900 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel und der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) geben ebenfalls deutlich nach.

Verluste gibt es zum Handelsstart auch wieder an der Wall Street. Der Dow Jones  verliert zum Start 2,9 Prozent auf 26.320 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 fällt um 2,7 Prozent auf 3044 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt 2,4 Prozent auf 8800 Punkte nach.

Die Angst der Anleger vor einem Konjunkturknick wird weiter geschürt: der Bundesstaat Kalifornien rief nach weiteren Infektionen und einem ersten Todesfall den Notstand aus. "Schwankungen an den Börsen sind im Moment die Norm, während sich herausstellt, wie groß der wirtschaftliche Schaden durch die Coronavirus-Epidemie sein wird", sagte Marktstratege Art Hogan vom New Yorker Vermögensverwalter National Securities.

"Wir befürchten, dass die Korrekturen der vergangenen Woche nur der Auftakt zu einer länger anhaltenden Phase erhöhter Volatilität und Unsicherheit an den Börsen waren", sagte auch Thomas Völker, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Moneyfarm. Die jüngste Zinssenkung in den USA sowie milliardenschwere Konjunkturprogramme unter anderem in Italien und China rückten in den Hintergrund.

"Die Weltwirtschaft hängt derzeit am Tropf", sagte Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. Der Markt erwarte entschlossene Maßnahmen, eine weitere Lockerung der Geldpolitik liege auf der Hand. "Dennoch bleibt die Erkenntnis bestehen, dass geldpolitische Werkzeuge keinen Impfstoff gegen Corona ersetzen können."

Selbst die Aktien von Merck KGaA (Kurswerte anzeigen) - lange Zeit einziger Wert mit grünen Vorzeichen - drehten an der Spitze des Index leicht in die Verlustzone. Am Morgen hatte die Aktie noch ein Kursplus von 6 Prozent notiert. Das Unternehmen will nach einem kräftigen Umsatz- und Ergebnisplus im vergangenen Jahr weiter zulegen. Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe lobte, dass Merck beim Ausblick die möglichen Beeinträchtigungen durch die Coronavirus-Epidemie berücksichtigt habe.

Henkel (Kurswerte anzeigen) bauten ihre Verluste zuletzt auf 6,6 Prozent aus. Der Konsumgüterhersteller taxierte die Belastungen durch das Coronavirus bislang auf 100 Millionen Euro. Die Situation sei schwer vorherzusagen.


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Continental fällt wie ein Stein - Autoaktien fallen mit

Ein überraschend schwacher Ausblick des Autozulieferers Continental hat hingegen belastete die die gesamte Branche und zog den Dax mit nach unten. Denn im Sog der Conti-Aktien büßten auch die Automobilwerte BMW (Kurswerte anzeigen), Volkswagen (Kurswerte anzeigen) und Daimler (Kurswerte anzeigen) zwischen 3 und 5,5 Prozent ein.

Continental (Kurswerte anzeigen) brachen im Tief um mehr als 14 Prozent ein auf den niedrigsten Stand seit fast sieben Jahren. Vom Rekordhoch vom Januar 2018 hat sich der Kurs gedrittelt. Die Hannoveraner warnen nach einem Milliardenverlust und einer gekürzten Dividende vor einem weiteren schwachen Jahr. Die Profitabilität dürfte nochmals stark zurückgehen. Zuletzt betrug der Kursrutsch noch 11 Prozent. Dies belastete auch die Kurse anderer Autozulieferer wie Infineon (Kurswerte anzeigen), Thyssenkrupp (Kurswerte anzeigen), Schaeffler (Kurswerte anzeigen)und Hella.

Bei ProSiebenSat.1 (Kurswerte anzeigen) sprach Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank von einem vorsichtigen Ausblick auf 2020. Der Kurs des Medienkonzerns brach am MDax-Ende um mehr als 10 Prozent ab. Bei Hugo Boss  freuten sich die Anleger über eine unerwartet hohe Dividende, der Kurs des Modekonzerns stieg um knapp ein Prozent.

Aktien von Dialog Semiconductor (Kurswerte anzeigen) fielen um 8,5 Prozent trotz einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Allerdings muss die Aktie in Kürze den MDax der mittelgroßen Börsentitel verlassen. Ersetzt wird sie dort von den Papieren des Kochboxversenders Hellofresh , die um gut fünf Prozent auf ein Rekordhoch nach oben schnellten. Zudem empfahl die Bank JPMorgan die Hellofresh-Aktien zum Kauf.

Ein Rekordgewinn bescherte Aviva in London den größten Kurssprung seit fünf Monaten. Die Aktien des britischen Versicherers legten bis zu 6,3 Prozent zu. Das Unternehmen steigerte den operativen Gewinn überraschend stark um sechs Prozent auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro. "Das war eine nette Überraschung, aber unsere Aufmerksamkeit richtete sich auf die Solvenz-Quote", stellte Jefferies-Experte Philip Kett fest. Sie liege offenbar dank des Sparkurses acht Prozentpunkte über den Markterwartungen.

mit Nachrichtenagenturen