Mittwoch, 8. April 2020

Corona-Crash an den Börsen Dax und Dow stürzen weiter - auch Goldpreis unter Druck

Kurssturz: Der Dax hat binnen 5 Handelstagen mehr als 13 Prozent verloren. An der Wall Street gibt der Dow Jones erneut kräftig nach

Die Furcht vor dem Coronavirus lässt die Weltbörsen abstürzen. Der Dax fällt unter die Marke von 12.000 Zählern. Der Dow Jones gerät ebenfalls stark unter Druck. Auch der Goldpreis fällt.

Der Kursrutsch aus Sorge vor einer Coronavirus-Pandemie hat sich am Freitag erneut verstärkt: Der Dax Börsen-Chart zeigen stürzte zeitweise auf 11.730 Punkte, das entspricht einem Minus von 5 Prozent. Anschließend setzte eine leichte Erholung ein, zum Handelsschluss auf Xetra schloss der Dax Börsen-Chart zeigen mit einem Minus von 4,6 Prozent bei 11.789 Punkten. Im nachbörslichen Handel setzte sich die Erholung fort und der Dax eroberte kurzzeitig die Marke von 12.000 Zählern zurück.

Ein Gewinner im Dax war die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen. Der Umsatz und das bereinigte operative Ergebnis im Jahr 2019 hatten die Markterwartungen übertroffen. Zudem soll die Dividende für Vorzugsaktionäre von 4,86 Euro auf überraschend hohe 6,56 Euro steigen.

In den USA setzten die US-Indizes ihren Kursrutsch zunächst fort. Am Donnerstag war der Dow Jones Börsen-Chart zeigen bereits um mehr als 1100 Punkte eingebrochen und verlor am Freitag bis 16.30 Uhr weitere 1000 Punkte (3,9 Prozent). Der US-Leitindex, der noch am 20. Februar über der Marke von 29.000 Punkten notiert hatte, stürzte zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten. Das ist ein Verlust von mehr als 4000 Punkten binnen fünf Handelstagen.

Am Abend startete der Dow Jones jedoch einen Erholungsversuch und grenzte seine Verluste auf 650 Punkte (2,5 Prozent) ein. Der Technologieindex Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen notierte zuletzt 1,1 Prozent im Minus.

Notenbanken als Retter in der Not? Fed könnte im März die Zinsen senken

Dabei hoffen die Anleger auch auf die Notenbanken als Retter in der Not. "Die Märkte preisen nun mindestens zwei Zinssenkungen der Fed ein", sagte Seema Shah, Chef-Anlagestrategin des Vermögensverwalters Principal Global Investors. Einige Börsianer halten schon im März einen Schritt nach unten für möglich. Das spiegelte sich auch im Dollar-Kurs wider: Zu einem Währungskorb fiel der Greenback auf den niedrigsten Stand seit gut drei Wochen.

Selbst der Goldpreis stürzt um 4 Prozent

Die Preise für Edelmetalle gehen auf Tauchstation. Gold kostet mit 1576,83 Dollar je Feinunze vier Prozent weniger, Platin verbilligt sich um 5,1 Prozent auf 852,94 Dollar je Feinunze. Der Palladium-Preis stürzt sogar um 12,5 Prozent auf 2489,50 Dollar je Feinunze ab. Das Edelmetall wird für die Autoproduktion benötigt.

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"Börse preist einen Tsunami an Gewinnwarnungen ein"

"Die Börse preist gerade einen Tsunami an Gewinnwarnungen aus den Unternehmen ein", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die Sorglosigkeit der vergangenen Wochen sei in Panik umgeschlagen. "Es ist verlockend anzunehmen, dass mit dem wärmeren Wetter und der abnehmenden Virus-Angst die Märkte zur Normalität zurückkehren", sagte Mark Dowding, Chefinvestor bei der Fondsgesellschaft BlueBay. "Die Panik kann noch für einige Zeit bestehen, aber das Comeback der Wirtschaft könnte stark ausfallen, wenn mit dem Frühling auch die unterstützenden Maßnahmen der Politik und möglicherweise der Notenbanken greifen."

Schwächste Börsenwoche seit neun Jahren

Auch im Dax sieht es nicht besser aus. Mit einem Dax-Verlust von mehr als 12 Prozent seit dem vergangenen Freitag erleben die Anleger die schwärzeste Woche seit Beginn der Griechenland-Schuldenkrise im Sommer 2011. Das Rekordhoch aus der Vorwoche bei 13.795 Punkten ist in weite Ferne gerückt.

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Aktien von Daimler Börsen-Chart zeigen, Infineon Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit Verlusten zwischen 5 und 6 Prozent. Die Aktie von Daimler stürzte unter 38 Euro und damit auf das tiefste Niveau seit mehr als 5 Jahren.

Verkaufsrausch an der Wall Street

An der Wall Street hatte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Donnerstag bereits um 1191 Punkte (4,4 Prozent) nachgegeben. Das ist nach Punkten der größte Tagesverlust seit Bestehen des Dow Jones. Am Freitag baute der Dow seine Verlust abermals auf rund 1000 Punkte aus (minus 3,8 Prozent). Damit stürzte der US-Leitindex unter die Marke von 25.000 Punkten - am Freitag vor einer Woche hatte der Index noch 4000 Zähler höher notiert.

Allerdings konnte der Dow Jones im späteren Handel seine Verluste ein wenig begrenzen. Der Technologie-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen verringerte seine Verluste auf 1,1 Prozent (18 Uhr MEZ).

Anleger flüchten weiter in Sicherheit: Zehnjährige US-Staatsanleihen erklommen am Freitag im frühen Handel ein weiteres Rekordhoch.

Tesla-Aktie stürzt um 20 Prozent binnen einer Woche

Hoch bewertete Schwergewichte wie Microsoft Börsen-Chart zeigen , Apple Börsen-Chart zeigen und Intel Börsen-Chart zeigen, die bereits am Vortag eingebrochen waren, gaben auch am Freitag weiter nach. Die Aktie des US-Autobauers Tesla Börsen-Chart zeigen, die noch vor zehn Tagen über der Marke von 800 Dollar notiert hatte, gab am Freitag um weitere 7 Prozent auf 633 Dollar nach. Binnen einer Woche hat Tesla mehr als 20 Prozent seiner Marktkapitalisierung eingebüßt: Seit dem 20 Februar verlor das Unternehmen rund 25 Milliarden Dollar an Börsenwert.

Aktien von Beyond Meat brachen um mehr als zwölf Prozent ein - trotz überraschend hoher Umsätze des Experten für Fleischersatzprodukte im vierten Quartal. Anleger könnten sich laut Analysten daran stoßen, dass Investitionen im laufenden Jahr ins Marketing und die internationale Expansion auf Kosten der Profitabilität gehen dürften.

Asiens Börsen schwer unter Druck

Auch an Asiens Börsen sackten am Freitag die Kurse daraufhin weiter ab. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte an Asiens Leitbörse ging Börsen-Chart zeigen 3,67 Prozent schwächer bei 21 142 Punkten ins Wochenende. Das ist der tiefste Schlussstand seit dem 5. September 2019.

Auch die Märkte in China gaben deutlich nach. Der Shanghai Composite Index büßte um 3,7 Prozent ein und notierte am Ende bei 2880,30 Punkten. Der Shenzhen Component Index gab noch deutlicher um 4,80 Prozent auf den Schlussstand von 10 980,78 Punkten nach. Die Kurse an der Seouler Aktienbörse brachen ebenfalls um mehr als 3 Prozent im Vergleich zum Vortag ein. Der südkoreanische Leitindex Kospi ging um 67,88 Punkte oder 3,3 Prozent auf den Schlussstand von 1987,01 zurück.

BASF und BASF schwach, Lufthansa noch schwächer

Am schlimmsten hat es im bisherigen Wochenverlauf im Dax die Aktien der Lufthansa erwischt, die auch für 2019 mit ihrem Rutsch um rund ein Viertel die rote Laterne halten. Im vorbörslichen Trend setzte sich der Trend mit einem Rutsch um weitere 5 Prozent nahtlos fort. So warnte nun der Konkurrent IAG, dass ein genauer Jahresausblick angesichts der Virusausbreitung aktuell nicht möglich sei.

Ähnlich schwach präsentierten sich die Papiere von BASF . Der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns, Martin Brudermüller, zeichnete bei der Vorlage der Jahreszahlen ein recht düsteres Bild wegen des Virus. Er erwartet vor allem nicht, "dass die Corona-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden können." Auch die Aktien der Munich Re belastete die schwache Marktstimmung schwer, auch wenn der Rückversicherer seinen Gewinn 2019 trotz deutlich gestiegener Großschäden kräftig gesteigert hat.

Weltbörsen steuern auf schlechteste Woche seit Finanzkrise zu

Die weltweiten Börsen steuern auf die schwächste Woche seit der Finanzkrise 2008 zu. In Asien setzte sich der Ausverkauf an den Aktienmärkten wegen der Furcht vor einem Einbruch der Konjunktur am Freitag fort. Hoffnungen, dass die Epidemie, die von China ausging, nach ein paar Monaten vorbei sei, hätten sich zerschlagen, sagten Marktteilnehmer. Es sehe jetzt nach einer Pandemie aus. "Selbst mit einem großen Risiko können die Märkte umgehen, solange es am Ende des Tunnels Licht gibt", sagte Chef-Investmentstratege Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. "Im Moment kann aber niemand sagen wie lange es dauert und wie ernst es wird."

Rohstoffe unter Druck, Staatsanleihen gefragt

Am Rohstoffmarkt dominierten aber Sorgen vor einer schwindenden Nachfrage, weil wegen des Coronavirus Reisen gestrichen werden und Fabriken stillstehen. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee fiel um bis zu 4,1 Prozent und war mit 50,05 Dollar je Barrel (159 Liter) so niedrig wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Das wichtige Industriemetall Kupfer verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 5552 Dollar je Tonne. Auch der Goldpreis gab nach und kostete mit 1620,31 Dollar je Feinunze 1,3 Prozent weniger. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen bei dem Edelmetall, das üblicherweise besonders in Krisenzeiten gefragt ist.

Stattdessen flüchteten Anleger in andere "sichere Häfen" wie Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen US-Bonds auf bis zu 1,155 Prozent. Das ist der fünfte Tag in Folge mit einem Rekordtief. Ihre deutschen Pendants rentieren mit minus 0,621 Prozent auf einem Fünf-Monats-Tief.

Euro bei 1,10 Dollar - Rohstoffwährungen unter Druck

Der Euro hat am Freitag weiter an der Marke von 1,10 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1005 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Der amerikanische Dollar neigte dagegen weiter zur Schwäche. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,0964 Dollar festgesetzt.

luk / la/ dpa-afx, rtr

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