Kursrutsch an den Börsen, Dax auf Jahrestief Dax bricht ein, Dow Jones verliert erneut rund 1000 Punkte

Der Kursrutsch geht weiter: Der Dax stürzt am Dienstag auf ein Viermonatstief. In den USA verliert der Dow Jones den zweiten Tag in Folge rund 1000 Punkte und hat seit Montag mehr als 6 Prozent nachgegeben. Anleger fliehen.
Kursrutsch im Dax: Der Ausbruch des Coronavirus in Italien (hier Touristen in Mailand) schockt die Märkte

Kursrutsch im Dax: Der Ausbruch des Coronavirus in Italien (hier Touristen in Mailand) schockt die Märkte

Foto: DPA

Erneut abwärts: Nach einem kurzen Erholungsversuch ist der Dax am Dienstag erneut eingebrochen und hat seine Verluste ausgebaut. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der Dax 1,8 Prozent im Minus bei 12.790 Zählern. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 2018. Doch am Mittwoch dürfte sich der Kursrutsch zunächst fortsetzen, dem Dax droht der Sturz unter die Marke von 12.700 Zählern.

Der Grund für den Abwärtstrend: An der Wall Street haben Dow Jones (Kurswerte anzeigen) sowie Nasdaq Stock Market  ihre Verluste im späten Handel kräftig ausgebaut. Der Dow Jones verlor auch am Dienstag zeitweise rund 1000 Punkte, nachdem er bereits am Montag um 1000 Punkte eingebrochen war. Kurz vor Handelsschluss in den USA notierte der Dow rund 3,3 Prozent im Minus bei 27.090 Zählern. Der Nasdaq verlor rund 3 Prozent.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie bleibt das beherrschende Thema an den Weltbörsen. Auch in Italien wurden Aktien reihenweise aus den Depots geworfen. Der Leitindex der Mailänder Börse gab nach dem Kurssturz vom Montag in Höhe von 5,4 Prozent am Dienstag um weitere 1,3 Prozent nach. "Alle Gewinne des Jahres 2020 an einem einzigen Handelstag zu verlieren, war dramatisch, aber die gestrige Neubewertung der Aktien war überfällig", sagte Ian Williams, Analyst bei Peel Hunt. "Sie spiegeln nun die von dem Coronavirus ausgehende Gefahr für Unternehmensgewinne genauer wider."

Der Ausbruch des Coronavirus in Italien und die Abriegelung ganzer Ortschaften in Norditalien hatte zu Wochenanfang weltweit zum Ausverkauf an den Aktienmärkten geführt. Binnen weniger Stunden brach die Marktkapitalisierung von europäischen Unternehmen um rund 500 Milliarden Euro ein. Italien ist mit 220 Corona-Infizierten und sieben gestorbenen Patienten in Europa am stärksten von der neuen Lungenkrankheit betroffen und befürchtet deshalb Auswirkungen auf seine Wirtschaft sowie seine Finanzlage.

Lufthansa und Continental erneut unter Druck

Fluggesellschaften, die am Montag am stärksten an Börsenwert verloren hatten, blieben weiter unter Druck. Aktien der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) lagen 1,7 Prozent im Minus, EasyJet-Papiere gaben mehr als zwei Prozent nach, Aktien von Ryanair (Kurswerte anzeigen) 1,6 Prozent. Anleger befürchteten Reisebeschränkungen und einen Rückgang der Geschäftstätigkeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Auch für Banken ging es erneut bergab. Die Branche zog es rund 1,5 Prozent nach unten. Der Index für Autowerte gab 1,4 Prozent nach.

Erneut unter Druck geriet auch die Aktie des Autozulieferers Continental , die unter die Marke von 105 Euro fielen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 10 Prozent an Wert verloren. Die schwachen Zahlen von Leoni zogen auch Conti in Mitleidenschaft.


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Wall Street: Dow Jones und Nasdaq brechen weiter ein

Nach dem Kurseinbruch vom Wochenbeginn haben die US-Aktienmärkte am Dienstag zunächst einen Erholungsversuch gestartet. Der US-Leitindex Dow Jones  legte im frühen Handel um 0,5 Prozent auf 28.070 Zähler zu, fiel im Anschluss aber wieder deutlich zurück und verlor erneut knapp 1000 Punkte (3,5 Prozent). Kurz vor Handelsschluss in den USA notierte der Dow Jones nur noch knapp über der Marke von 27.000 Punkten. Die Ausbreitung des Coronavirus hatte den Dow bereits am Vortag um rund 1000 Punkte auf den niedrigsten Stand seit Mitte Dezember absacken lassen. An der Nasdaq rutschte der Nasdaq 100 Index (Kurswerte anzeigen) um weitere 3,2 Prozent ab.

Die hohe Zahl der mit dem Virus Infizierten in Italien und erste Fälle in Spanien und der Schweiz beunruhigen zunehmend. Die Stimmung der Konsumenten und in den Unternehmen könnte sich nicht nur in Europa stark eintrüben, sondern womöglich auch in den USA, sagte Chefinvestor Mark Haefele von der UBS. Wie heftig die Epidemie letztlich wird, sollte sich wohl in den nächsten zwei Wochen zeigen, erwartet er. "Sollten Europa und Nordamerika zu ähnlich drastischen Maßnahmen zur Eindämmung greifen müssen wie China, dann würde das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr erheblich darunter leiden."

US-Verbrauchervertrauen geht zurück

Angesichts solcher Sorgen fand das US-Verbrauchervertrauen im Februar besondere Beachtung. Statt eines leichten Anstiegs des Index im Vergleich zum Januar wurde ein Rückgang gemeldet.

Unter den Einzelwerten stachen an diesem Tag vor allem die Aktien von Home Depot heraus, die sich nach vorgelegten Quartalszahlen erfolgreich gegen den Abwärts stemmten. Der Quartalsbericht der Baumarktkette überraschte vor allem bei Umsatz und Nettogewinn positiv. Das sorgte für Erleichterung, nachdem die Konzernführung das Umsatzziel im vergangenen Geschäftsjahr mehrfach gekappt hatte. Zwar schmolzen die Kursgewinne der Home-Depot-Aktie ab, doch zuletzt stand immer noch ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche. Damit blieben sie Spitzenwert im 30 Werte umfassenden Dow Jones.

Zwar schnitt auch der Warenhausbetreiber Macy's im wichtigen Schlussquartal 2019 beim Gewinn je Aktie besser ab als erwartet, doch der US-Investmentbank Goldman Sachs zufolge enttäuschte die Bruttomarge etwas. Die Aktie büßte nach einem starken Start zuletzt 5,3 Prozent ein.

Mastercard senkt wegen Virus Umsatzziel

Wegen der Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus senkte zudem der Kreditkarten-Konzern Mastercard sein Umsatzziel für das laufende Quartal. Die Aktien fielen um 5,6 Prozent. Die Papiere des Kontrahenten Visa sanken zugleich um 4,1 Prozent.

Biotech-Firma Regeneron legt weiter zu

Aufmerksamkeit zogen auch wieder die Anteile des Biotech-Unternehmens Regeneron auf sich und stiegen um 5,6 Prozent. Tags zuvor bereits hatten sie als einer der ganz wenigen Gewinner an der US-Börse rund viereinhalb Prozent hinzugewonnen. Regeneron hatte Anfang des Monats bekannt gegeben, zur Bekämpfung des Coronavirus verstärkt mit dem US-Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste (HHS) zusammenzuarbeiten, um eine Antikörperbehandlung zu entwickeln. Inzwischen haben einige Analysten die Aktie ins Visier genommen und empfehlen sie nun zum Kauf, unter ihnen auf die von Bernstein und Jefferies.

Nikkei stark unter Druck, Erholung in China und in Südkorea

Während in anderen Teilen Asiens die Kurse zunächst kräftig unter Druck gerieten und sich dann leicht erholten, ging in Japan der Leitindex mit starken Verlusten aus dem Handel. Der Nikkei (Kurswerte anzeigen) verlor am Dienstag 781 Punkte oder 3,3 Prozent auf den Schlussstand von 22 605 Punkten. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer sogar mehr als 1000 Punkte abgegeben. Der breit gefasste Topix ging mit einem ebenfalls heftigen Abschlag von 3,33 Prozent aus dem Handel.

In China, wo das Virus ausgebrochen war und wo es bislang die meisten Infektionen gibt, sah es nach einem schlechten Handelsauftakt am Ende gemischt aus. Im ebenfalls vom Virus stark betroffenen Südkorea ging es nach den heftigen Verlusten vom Montag mit den Kursen an der Seouler Börse sogar wieder nach oben.

Krisenwährung Gold kann von Ausverkauf an der Börse nicht profitieren

Die "Krisen-Währung" Gold  konnte von der anhaltenden Verunsicherung vorerst nicht mehr profitieren. Hier machten Investoren Kasse, nachdem das Edelmetall zum Wochenauftakt auf ein Sieben-Jahres-Hoch geklettert war. Am Dienstag büßte Gold 0,7 Prozent auf 1648,62 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein. Gefragt blieben dagegen die ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von minus 0,520 Prozent.

Die Furcht vor einer Konjunkturabkühlung und einer schwächeren Nachfrage machte Rohöl zu schaffen. "Zudem kommen Zweifel an der Bereitschaft der OPEC+ auf, die notwendigen Produktionskürzungen zu verlängern und auszuweiten", sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um ein Prozent auf 55,76 Dollar je Barrel (159 Liter).

Ölpreise fallen

Die Ölpreise haben am Dienstag ihre Kursgewinne aus dem frühen Handel nicht halten können. Bis zum Mittag drehten die Notierungen in die Verlustzone und knüpften damit an die starken Verluste vom Vortag an. Zum Wochenauftakt waren die Preise für europäisches als auch amerikanisches Rohöl nach einer Zuspitzung der Coronavirus-Krise um jeweils etwa fünf Prozent eingebrochen.

Im Mittagshandel hielten sich die Verluste hingegen in engen Grenzen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 56,15 US-Dollar. Das waren 15 Cent weniger als am Montag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI fiel ebenfalls geringfügig um 22 Cent auf 51,21 Dollar.

mit Nachrichtenagenturen