Börse Dax bricht ein - Apple und Dollar lassen Wall Street taumeln

Der Dax bricht ein. Verluste von Infineon und SAP sowie der steigende Ölpreis drücken den deutschen Leitindex. In den USA werfen Anleger Techwerte wie Apple, Netflix und Amazon aus den Depots. Der Höhenflug des Dollar sorgt für eine Verkaufswelle an der Wall Street.
Kursrutsch im Dax: Der schwache Euro kann den deutschen Leitindex nicht stützen

Kursrutsch im Dax: Der schwache Euro kann den deutschen Leitindex nicht stützen

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Erholung - und gleich darauf der Kursrutsch: Nach einem hoffnungsvollen Start am Montagmorgen in die neue Handelswoche steuerte der Dax kurzzeitig die Marke von 11.600 Punkten an, gab anschließend seine frühen Gewinne aber komplett wieder ab und stürzte bis zum Handelsschluss mit einem Minus von 1,8 Prozent klar unter die Marke von 11.400 Zählern. Binnen weniger Stunden hat der Dax damit rund 250 Punkte abgegeben - die Nervosität der Anleger ist zurück. Zu den größten Verlieren im Dax gehörten die Aktien von SAP  , Infineon  , Lufthansa  und Wirecard mit Verlusten zwischen 3 und 7 Prozent.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat unterdessen gegenüber dem Dollar weiter nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung ist am Montag unter die Marke von 1,13 US-Dollar gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017.

Ölpreis steigt deutlich - Ölkartell OPEC will Angebot verknappen

Der schwache Euro konnte den Dax unterdessen nicht stützen. Statt dessen belastete der stark steigende Ölpreis. Aus Furcht vor einem knapperen Angebot decken sich Anleger mit Rohöl ein. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich am Montag um bis zu 2,7 Prozent auf 71,88 Dollar je Barrel. Genährt wurden die Spekulationen von Aussagen des saudi-arabischen Ölministers Chalid al-Falih, der für das kommende Jahr eine Drosselung der Ölförderung durch die Opec-Staaten von einer Million Barrel pro Tag signalisierte. Derzeit pumpt das Exportkartell täglich 33,3 Millionen Barrel aus dem Boden.

Wall Street: Apple und starker Dollar sorgen für Kursrutsch

In den USA brachten Anleger ebenfalls Geld in Sicherheit. Börsenliebling Apple  ist am Montag bei den Anlegern in Ungnade gefallen und hat mit einem Verlust von zeitweise mehr als 5 Prozent die US-Börsen mit nach unten gezogen. Die US-Investoren nahmen Reißaus, nachdem ein wichtiger iPhone-Zulieferer seine Prognosen gesenkt hatte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte im New Yorker Nachmittagshandel 1,8 Prozent schwächer auf 25.532 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,6 Prozent auf 2736 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 2,6 Prozent auf 7216 Zähler ein.

Für Aufregung bei Apple sorgten Gewinnwarnungen von Zulieferern wie Lumentum, die für die Technologie hinter der Gesichtserkennung des iPhones verantwortlich sind. Das Unternehmen teilte mit, wegen der Orderkürzung eines Großkunden seine erst vor wenigen Tagen aufgestellten Umsatz- und Gewinnziele nicht erreichen zu können. Lumentum-Aktien verloren rund 30 Prozent.

Kursrutsch bei Tabakkonzernen

Auch Zigaretten-Herstellern wie Altria und Philip Morris gerieten unter Druck - wenn auch nicht so dramatisch wie dem Apple-Zulieferer. Die Anleger trennten sich nach einem Zeitungsbericht über ein baldiges Verbot von Menthol-Zigaretten.

Auch das Comeback des Dollar macht den Anlegern zu schaffen, denn der höhere Wechselkurs mindert die Gewinnaussichten der US-Firmen auf dem Weltmarkt. Der Euro verlor rund einen US-Cent auf 1,1241 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit Juni 2017. "König Dollar ist wieder da", sagte Analyst Valentin Marinov von der französischen Bank Credit Agricole.

Weitere Zinserhöhung in USA im Dezember erwartet

Zudem belastet die Aussicht auf weitere steigende US-Zinsen die Stimmung. "Die Federal Reserve dürfte im Dezember den Zinssatz erneut erhöhen und könnte dabei schnellere Zinsschritte signalisieren", erläuterte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Broker AxiTrader.

Die ultralockere Geldpolitik der letzten Jahre hatte die Rally an der Wall Street befeuert. In jüngster Zeit werden aber auch Staatsanleihen angesichts der höheren Renditen wieder attraktiver.

Dax: Infineon bricht um knapp 8 Prozent ein

Aktien von Infineon  sind am Montag nach soliden Quartalszahlen im frühen Handel gesucht gewesen. Zudem will der Chip-Hersteller die Dividende für das Geschäftsjahr 2017/18 leicht erhöhen. Ein Händler verwies darauf, dass sowohl der Umsatz als auch der Segmentgewinn die Konsensschätzungen leicht überboten hätten. Die Ergebnisse und auch der Ausblick dürften am Markt für etwas mehr Zuversicht sorgen, nachdem im Halbleitersektor in den vergangenen Monaten die Sorgen um eine Abschwächung des Chip-Zyklus die Stimmung schwer belastet hätten. Die Aktie von Infineon  drehte dann jedoch zurück ins Minus, nachdem Infineon einen Zukauf in Deutschland gemeldet hatte.

Milliardendeal von SAP in USA verschreckt Anleger

Im Fokus der Anleger standen außerdem wegen einer Milliardenübernahme in den USA die Aktien von SAP . Sie gaben nach Bekanntgabe des Zukaufs deutlich nach. Europas größter Softwarehersteller hat das US-Unternehmen Qualtrics für 8 Milliarden Dollar (rund 7 Mrd Euro) übernommen. Der Zukauf sei "sehr kostspielig", monierte die Bank Mainfirst in einer ersten Einschätzung. SAP zahle das Zwanzigfache des für 2018 geschätzten Umsatzes. Selbst bei einer unterstellten Wachstumsrate des Umsatzes von 40 Prozent wäre der Zukauf noch immer teurer als bei den anderen Übernahmen von Concur, SuccessFactors und Ariba.

Ölpreis zieht an, Lufthansa gibt nach

Mit minus 3 Prozent präsentierten sich auch die Titel der Lufthansa  in schwacher Verfassung. Börsianer verwiesen zur Begründung auf den deutlich gestiegenen Ölpreis, der die Treibstoffkosten der Fluggesellschaft anschwellen lassen könnte.

Asiens Börsen kaum verändert

An Asiens wichtigste Aktienmärkte haben sich am Montag die chinesischen Festlandsbörsen von ihren jüngsten Verlusten erholt. In Tokio hingegen traten die wichtigsten Aktienindizes nahezu auf der Stelle.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten an den Handelsplätzen des chinesischen Festlands gewann 1,19 Prozent. In der vergangenen Woche hatte er noch an jedem Handelstag Verluste erzielt. Der Hang Seng in Hongkong hingegen präsentierte sich zuletzt kaum verändert.

Der Tokioter Nikkei  schloss 0,09 Prozent höher bei 22 269,88 Punkten. Während Immobilienwerte gefragt waren, wurden Energieaktien gemieden.

Dollar steigt auf 16-Monats-Hoch, Euro gibt deutlich nach

Der Dollar  ist zum Euro  auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gestiegen. Der US-Dollar profitierte von der steigenden politischen Unsicherheit in Europa: Die hohe Verschuldung Italiens sowie der drohende harte Brexit treiben Anleger aus dem Euroraum und in den Dollarraum.

Mit 1,1240 US-Dollar fiel die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit Juni 2017, also seit knapp eineinhalb Jahren. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag noch auf 1,1346 Dollar festgesetzt.

Marktteilnehmer nennen aktuell vor allem zwei Gründe für die Euro-Verluste. Zum einen verweisen sie auf eine breit angelegte Stärke des amerikanischen Dollar. Die US-Währung profitiert schon seit einiger Zeit von Erwartungen weiter steigender Leitzinsen in den USA. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hatte erst vergangene Woche einen solchen Kurs signalisiert. Steigende Zinsen lassen US-Anlagen lukrativer werden und stützen damit den Dollar.

Neben der Stärke des US-Dollar wird der Euro durch den Haushaltsstreit zwischen Italien und der Europäischen Kommission belastet. Die italienische Regierung hat bis Dienstag Zeit, den von ihr vorgelegten Haushaltsentwurf für kommendes Jahr im Sinne der Kommission nachzubessern. Bislang lässt Italien kein Zeichen des Einlenkens erkennen. Hauptstreitpunkt ist die Höhe der Neuverschuldung, die deutlich über dem Niveau liegt, das die mittlerweile nicht mehr im Amt befindliche Vorgängerregierung mit der Kommission vereinbart hatte.

Unter erhöhtem Druck stand zu Wochenbeginn auch das britische Pfund. Einmal mehr sorgten Nachrichten zum Brexit für Belastung. Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte berichtet, mehrere Regierungsmitglieder zögen einen Rücktritt in Erwägung. Sie seien unzufrieden mit dem Brexit-Kurs von Premierministerin Theresa May.

mit Reuters und dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.