Sonntag, 15. September 2019

Dax-Erholung stockt Nasdaq dreht ins Minus, Amazon und Netflix unter Druck

Starke Schwankungen an der Börse: Der Dax unternimmt einen Erholungsversuch

Nach dem Kursrutsch der Vorwoche startet der deutsche Leitindex einen Erholungsversuch. Vor allem die Autowerte Volkswagen, Daimler, BMW und Continental legen zu. In den USA dreht der Techindex Nasdaq jedoch ins Minus - der Dax gibt daraufhin einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Erholungsversuch: Der zuletzt gebeutelte Dax Börsen-Chart zeigen hat am Montag einen Erholungsversuch gestartet. Zeitweise baute der deutsche Leitindex seine Gewinne auf 2,4 Prozent aus und kletterte deutlich über die Marke von 11.400 Punkten. Da im späten Handel der Tech-Index Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen jedoch ins Minus drehte, fiel auch der Dax wieder unter die Marke von 11.400 Zählern und notierte zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) nur noch 1,2 Prozent in der Gewinnzone.

Zu den Gewinnern im Dax zählten die Autowerte. Aktien von Continental Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen legten jeweils zwischen 3 und 5 Prozent zu. Ein Bericht von Bloomberg, dass China möglicherweise die Steuern beim Kauf eines Autos halbieren werde, wirkte als Kurstreiber. Auch die Aktie von Merck Börsen-Chart zeigen profitierte überdurchschnittlich von einer Empfehlung durch das Bankhaus HSBC.

In der vergangenen Woche war der Dax mit minus 3 Prozent auf das tiefste Niveau seit Ende 2016 abgesackt und hatte die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie gerissen. Der zwischenzeitliche Stabilisierungsversuch am Donnerstag hatte sich - ähnlich wie an der Wall Street - als Strohfeuer erwiesen. Nun startete der Dax erneut einen Erholungsversuch.

Börsenkurse in Echtzeit: Hier sehen Sie Dax, Dow Jones und Nasdaq in Echtzeit

Wall Street: Dow Jones legt zu, Nasdaq wackelt, Amazon rutscht ab

Die US-Börsen haben am Montag ebenfalls zur Erholung angesetzt. Nach einem Wochenverlust von drei Prozent im Dow Jones Börsen-Chart zeigen sieht Marktexperte Craig Erlam vom Broker Oanda wieder einen leicht zunehmenden Risikoappetit. Im frühen Handel legte der Dow um 0,8 Prozent auf 24.883 Zähler zu, halbierte im weiteren Handelsverlauf jedoch seine Gewinne.

Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen gewann zum Handelsstart 1 Prozent auf 6920 Zähler hinzu. Hier schmolzen die Gewinne jedoch ab - zuletzt rutschte der Index um 0,4 Prozent ins Minus.

Vor allem die hoch bewerteten Börsenlieblinge wie Amazon Börsen-Chart zeigen und Netflix Börsen-Chart zeigen litten unter fortgesetzten Gewinnmitnahmen. Die Aktie von Amazon setzte mit einem Minus von 5 Prozent ihren am Freitag begonnenen Kursrutsch fort. Die Aktie von Netflix gab um knapp 6 Prozent nach.

IBM schluckt Red Hat: Kursrally bei Red Hat

Im Fokus steht IBM Börsen-Chart zeigen mit einer spektakulären Übernahme: Das Computer-Urgestein will sich ein größeres Stück der IT-Ausgaben von Unternehmen sichern und will dafür den Linux-Spezialisten Red Hat schlucken. Mit insgesamt 34 Milliarden Dollar wäre dies die größte Übernahme in der Geschichte von IBM. Software von Red Hat kommt unter anderem für den Betrieb von Cloud-Anwendungen zum Einsatz. Während die Aktien von IBM um knapp 4 Prozent nachgaben, sprangen die von Red Hat um rund 50 Prozent hoch.

Ford Börsen-Chart zeigen gewannen im frühen Handel rund 3 Prozent. Goldman Sachs hat die Aktie des Autobauers von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Auch die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen setzte mit einem Plus von 3 Prozent ihre Erholung fort.

Durchatmen in Italien - Renditen der Anleihen fallen leicht

Vor allem die Bestätigung von Italiens Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) lässt die Finanzmärkte etwas aufatmen. Die Kurse italienischer Staatsanleihen legten zu.

S&P hatte am Freitagabend trotz der umstrittenen Haushaltspolitik der italienischen Regierung die Bonitätsnote bei "BBB" belassen. Dies sind zwei Stufen über dem Ramschniveau, das hochspekulative Anlagen beschreibt. Allerdings droht S&P jetzt der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone mit einer Herabstufung. Der Ausblick wurde von "stabil" auf "negativ" gesenkt.

Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen fielen um 0,10 Prozentpunkte auf 3,34 Prozent. Damit kann sich das Land günstiger am Kapitalmarkt finanzieren. Indes bleibt das Niveau relativ hoch: Zehnjährige deutsche Anleihen rentierten mit nur 0,35 Prozent. Investoren haben viel Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik, sodass sie sich mit wenig Zinsen begnügen.

Autobranche profitiert von möglichen Steuersenkungen in China

Dass Chinas Regierung Kreisen zufolge der schwächelnden Nachfrage auf dem Automarkt mit Steuersenkungen beim Pkw-Kauf entgegenwirken will, gab den jüngst von Gewinnwarnungen in der Branche gebeutelten Autowerten Auftrieb: Volkswagen , Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen legten jeweils knapp fünf Prozent zu. Deutliche Gewinne verzeichneten auch die Papiere des Zulieferers Continental und des Halbleiterherstellers Infineon , dessen Geschäfte stark von der Autoindustrie abhängen.

MDax: Gea haussiert

Gea-Papiere verteuerten sich im MDax Börsen-Chart zeigen um über fünf Prozent. Der Maschinenbauer kämpft weiter mit der schwachen Entwicklung im Milchgeschäft und stellt sich deshalb auf ein herausforderndes Schlussquartal ein. Allerdings war der Aktienkurs schon zuletzt auf das niedrigste Niveau seit dem Frühjahr 2013 gesunken. Zudem sahen Analysten die endgültigen Quartalsresultate nach der jüngsten Senkung der Unternehmensziele etwas über den schon vorab veröffentlichten Eckdaten.

BASF investiert weiter in China, Aktie fällt

Zu den größten Verlierern im Dax zählte am Vormittag die Aktie von BASF Börsen-Chart zeigen. Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Investitionspläne des Chemieriesen: BASF hat die zweite große Investition in China innerhalb weniger Monate angekündigt und erweitert seine Kooperation mit dem chinesischen Mineralölkonzern Sinopec. Am BASF-Verbundstandort in Nanjing wollen die beiden langjährigen Partner einen zweiten Steamcracker mit einer Kapazität von einer Millionen Tonnen Ethylen im Jahr bauen, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. An den Kosten soll sich Sinopec zur Hälfte beteiligen. Eine Machbarkeitsstudie über den neuen Steamcracker - eine petrochemische Großanlage, in der aus Rohbenzin wichtige Ausgangsstoffe wie Ethylen für die Kunststoffherstellung gewonnen werden - soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.


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Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählte Cancom Börsen-Chart zeigen. Die Aktien stiegen um 7,7 Prozent, nachdem der IT-Dienstleister einen Umsatz- und Gewinnsprung bekanntgegeben hatte.

Der Augsburger Roboterhersteller Kuka Börsen-Chart zeigen hat wegen eingetrübter Aussichten in der Autobranche seine Jahresprognose gesenkt. Zu einer schlechteren Entwicklung im Geschäft mit Autos kämen Unwägbarkeiten im chinesischen Automatisierungsmarkt hinzu, teilte Kuka bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am Montag in Augsburg mit. Die Aktie verlor kurz nach Handelsstart fast 8 Prozent an Wert und fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren.

Euro weiter schwach

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Montag mit wenig Bewegung in die neue Woche gestartet und hat sich knapp unter 1,14 US-Dollar gehalten. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1392 Dollar gehandelt und damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1345 Dollar festgesetzt.

Die Drohung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) vom Freitagabend, die Kreditbewertung Italiens zu senken, sorgte damit nicht für größere Kursbewegungen. Während eine Woche zuvor die Ratingagentur Moody's die Bewertung für Italien gesenkt hatte, ließ S&P das Rating unverändert. Allerdings wurde der Ausblick für die Kreditbewertung von "stabil" auf "negativ" gesenkt, was eine Herabstufung in den kommenden Monaten möglich macht. Die Haushaltspolitik der italienischen Regierung hatte zuletzt für große Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt.

Auch der Ausgang der Landtagswahl in Hessen, der für den weiteren Bestand der Regierungskoalition in Berlin eine hohe Bedeutung beigemessen worden war, hat keine nennenswerten Folgen am Devisenmarkt. Im Bundesland Hessen kann die Regierungskoalition aus CDU und Grünen nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit einer Mehrheit weiterregieren.

Im weiteren Handelsverlauf stehen kaum wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren könnten. Erst am Nachmittag dürften Wirtschaftsdaten aus den USA wieder für mehr Bewegung am Devisenmarkt sorgen.

mit dpa und reuters

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