Börse US-Börsen im Minus - Zinsangst und Apple schütteln Käufer aus dem Markt

Der Dax klettert am Freitag zeitweise über die Marke von 11.600 Punkten. Allerdings bremsen die Verluste von Apple die Tech-Börse Nasdaq aus. Zudem steigt nach robusten US-Jobzahlen die Angst vor weiter steigenden Zinsen in den USA. Die US-Börsen drehen ins Minus.
Erholung im Dax: Der Index notiert wieder über 11.500 Punkten

Erholung im Dax: Der Index notiert wieder über 11.500 Punkten

Foto: DPA

Die Kurserholung im Dax geht weiter - wenn auch mit vermindertem Tempo: Zum Abschluss der Börsenwoche kletterte der Dax  um 0,9 Prozent auf 11.555 Punkte. Zeitweise hatte der deutsche Leitindex auch die Marke von 11.600 übersprungen - doch sinkende Kurse und Gewinnmitnahmen in den USA ließen die Gewinne wieder schmelzen.

Die US-Börsen drehten nach einer Stunde Handel ins Minus. Die drei Handelstage zuvor hatten Dow Jones  und Nasdaq Stock Market  jeweils zugelegt: Nun beendeten enttäuschende Zahlen von Apple sowie ein robuster Arbeitsmarktbericht die Erholung an den US-Börsen. Starke Zahlen vom Arbeitsmarkt lassen unter Anlegern die Angst vor rasch steigenden Zinsen wachsen.

Zu den Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Volkswagen Vz. , Daimler, Continental und BMW. Die Autobranche profitierte europaweit von einem möglichen Ende des Handelsstreits zwischen USA und China. VW meldete zudem mehr Verkäufe auf dem US-Markt als erwartet.

Zuwächse verbuchte auch die Aktie der Deutschen Bank  . Die Deutsche Bank profitierte wie schon am Vortag vom Einstieg eines US-Hedgefonds und kletterte über die Marke von 9 Euro. Neben der Deutschen Bank setzte auch die Aktie von BASF ihre Erholung fort.

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Damit deutet sich für den Dax auf Wochensicht ein Gewinn von rund 4 Prozent an, nachdem der Monat Oktober für die Anleger mit minus 6,5 Prozent ein Reinfall war.

Der MDax  , in dem die mittelgroßen Unternehmen notiert sind, gewann am Freitag 1,53 Prozent auf 24 710,48 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,08 Prozent auf 3238,96 Zähler nach oben.

Aus Branchensicht könnten am Freitag die Bankenwerte im Anlegerfokus stehen. Denn nach Börsenschluss erhalten Europas wichtigste Geldhäuser die Ergebnisse ihrer Krisenszenarien mitgeteilt. Dann wollen die europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse des diesjährigen Stresstest veröffentlichen. Untersucht wurden 48 Banken aus 15 europäischen Staaten, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank .

VW mit starken Absatzzahlen in USA

Unter den Einzelwerten standen die Vorzugsaktien von Volkswagen Vz.  mit einem Plus von 4,6 Prozent an der Dax-Spitze. Der Autobauer hat im US-Automarkt im Oktober einen größeren Absatzsprung von 4,6 Prozent gemacht. In den zehn Monaten bis Ende Oktober legte der Absatz um 5,4 Prozent zu. Damit bleibt VW auf dem US-Markt, wo der "Dieselgate"-Skandal die Verkäufe zeitweise hatte einbrechen lassen, weiter auf Erholungskurs.

Lufthansa setzt Erholung fort

Die Lufthansa-Aktien verteuerten sich um fast 4 Prozent und greifen damit die Anfang Oktober gerissene Marke von 20 Euro wieder an. Händler verwiesen auf den optimistischen Ausblick von IAG. Die britisch-spanische Airline-Holding hatte ihre Jahresziele angehoben. Im Jahresverlauf liegen Aktien von Lufthansa aber noch rund 35 Prozent im Minus.

Gewinnmitnahmen bei Wirecard - Merrill Lynch stuft ab

Schlusslicht im Dax waren die Papiere von Wirecard mit einem Minus von 4 Prozent. Zuvor hatte die US-Investmentbank Merrill Lynch die Titel das Zahlungsabwicklers von "Neutral" auf "Underperform" abgestuft und das Kursziel von 192 auf 150 Euro gesenkt. Analyst Adithya Metuku sorgt sich um die Wettbewerbsposition von Wirecard und die Nachhaltigkeit der inzwischen eingepreisten Wachstumsdynamik.

Wall Street: Dow Jones kaum verändert, Apple bremst Nasdaq

Hoffnungen auf ein Ende des Zollstreits mit China ermunterten Anleger erneut zum Einstieg in den US-Aktienmarkt. Der Leitindex Dow Jones  gewann zur Eröffnung am Freitag 0,8 Prozent auf 25.572 Punkte. Anschließend gab der Dow seine Gewinne jedoch komplett wieder ab: Das starke Jobwachstum in den USA ließ Befürchtungen von rascher steigenden Zinsen in den USA aufkommen. Zuletzt notierte der Dow 0,1 Prozent im Minus bei 25.335 Punkten.

Kursverluste des Index-Schwergewichts Apple  sowie die Zinsangst bremsten auch die Technologiebörse Nasdaq Stock Market  aus. Zuletzt rutsche die Tech-Börse um 0,7 Prozent ins Minus.

Apple hatte zuvor von drohenden Produktionsengpässen im wichtigen Weihnachtsgeschäft gesprochen. Daher könne der Quartalsumsatz hinter den Erwartungen zurückbleiben. Außerdem wolle man keine Absatzzahlen mehr veröffentlichen. Das schürt Ängste, das Unternehmen habe etwas zu verbergen, monierten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Apple -Aktien verloren sechs Prozent.

Starke US-Jobdaten schüren Zinsangst

Auf die Stimmung drückten außerdem die überraschend starken US-Arbeitsmarktdaten. "Der Trend zeigt weiter aufwärts", sagte Scot Brown, Chef-Ökonom des Vermögensberaters Raymond James. Die Märkte befürchten daher, dass die US-Notenbank die Leitzinsen etwas schneller anheben könnte als bislang erwartet.

Zollstreit mit China: Trump inszeniert sich vor Midterm-Wahlen als Dealmaker

Bereits an der Wall Street hatte US-Präsident Donald Trump für Erleichterung gesorgt, als er über den Kurznachrichtendienst Twitter verkündete, die Verhandlungen mit China zum Zollkonflikt seien "gut im Fluss". Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg daraufhin berichtete, ließ Trump einen Entwurf für ein Handelsabkommen vorbereiten.

"Es macht Sinn, dass Trump jetzt auf Deeskalation setzt", sagte Chefanalyst Chisato Haganuma vom Brokerhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. Die Folgen des Zollstreits seien unabsehbar für die US-Wirtschaft. In Japan schossen vor allem Aktien von Unternehmen in die Höhe, die stark in China engagiert sind.

Der US-Leitindex Dow Jones  und der breiter gefasste S&P-500 rückten am Donnerstag um 1,1 Prozent vor, der Technologie-Index Nasdaq stieg um 1,8 Prozent. Der japanische Leitindex Nikkei schloss am Freitag 2,6 Prozent fester bei 22.243 Punkten. Das war der größte Tagesgewinn seit März. Die chinesischen Börsen in Shanghai, Shenzen und Hongkong legten je rund drei Prozent zu.

Ihr Hauptaugenmerk dürften die Anleger am Freitag auf die US-Arbeitsmarktdaten richten. Von ihnen erhoffen sie sich Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen. Darüber hinaus stehen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager auf dem Terminplan.

Auf der Unternehmensseite dürfte Apple  im Fokus stehen. Der iPhone-Hersteller fürchtet Produktionsengpässe im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Deshalb machte Konzernchef Tim Cook die Anleger darauf gefasst, dass der Umsatz in dem Ende Dezember ablaufenden ersten Geschäftsquartal auch unter den Markterwartungen liegen könnte.

Nach Frankfurter Börsenschluss werden zudem die jüngsten Ergebnisse des Stresstests für europäische Banken erwartet. Im Blickpunkt stehen einmal mehr die italienischen Häuser, die auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise immer noch auf einem riesigen Berg fauler Kredite sitzen.

Euro weiter im Plus

Der Euro  hat am Freitag an die Kursgewinne vom Vortag angeknüpft und weiter zugelegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1423 US-Dollar gehandelt, nachdem sie in der vergangenen Nacht noch bei 1,14 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1393 (Mittwoch: 1,1318) Dollar festgesetzt.

Damit entfernte sich der Euro weiter von seinem Zweimonatstief, das er zur Wochenmitte bei 1,1302 Dollar erreicht hatte. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wird der Dollar durch zuletzt enttäuschende US-Konjunkturdaten belastet, während der Euro im Gegenzug Auftrieb erhält. Am Vortag war ein wichtiger Frühindikator für die amerikanische Industrie überraschend stark gefallen. Am Nachmittag dürften weitere US-Daten für Impulse sorgen. Auf dem Programm steht der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober und damit Kennzahlen, die an den Finanzmärkten stark beachtet werden.

Auch der chinesische Yuan hat am Morgen im Handel mit den Dollar weiter an Wert gewonnen nach einem Medienbericht über eine mögliche Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Nachdem der Yuan am Mittwoch noch den tiefsten Stand seit zehn Jahren erreicht hatte, konnte sich die Währung deutlich erholen. Bis zum Morgen stieg der Kurs um etwa einen Prozent. Für einen Dollar wurden zuletzt 6,91 Yuan gezahlt.

US-Präsident Donald Trump will den Handelsstreit mit China offenbar noch in diesem Monat aus der Welt schaffen. Zum Treffen der G20-Staaten Ende November wolle er ein Handelsabkommen mit Chinas Präsidenten Xi Jinping abschließen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitagmorgen unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen.

luk/reuters, dpa-afx
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