Kursschwankungen Dow Jones und Nasdaq klettern weiter, Dax wackelt

Die Kursrally an der Wall Street geht weiter. Der Dax hingegen gibt einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Bei der Deutschen Bank steigt ein US-Hedgefonds ein. Unter den Nebenwerten ziehen Morphosys und Wacker Chemie kräftig an.
Dax: Erholung an der Börse

Dax: Erholung an der Börse

Foto: DPA

Die Kurserholung an der Börse gerät am Nachmittag ins Stocken: Der Dax  war am Donnerstag zeitweise bis auf 11.550 Zähler geklettert. Bereits am Mittwoch hatte der Dax inmitten einer Halloween-Kursrally 1,4 Prozent hinzugewonnen. Docham Nachmittag gab der Dax  seine Kursgewinne zum Teil wieder ab und fiel auf 11.460 Punkte zurück.

Zu den Gewinnern im Dax gehörten am Donnerstag die Aktien von Lufthansa  , Bayer  und Deutsche Bank . Ein aktivistischer US-Hedgefonds hat die jüngste Kursschwäche der Deutschen Bank genutzt und ist bei den Frankfurtern eingestiegen.

US-Hedgefonds steigt bei Deutscher Bank ein

Die Hudson Executive Capital LP, angeführt von dem früheren JPMorgan-FinanzvorstandDouglas Braunstein, habe in den vergangenen Monaten einen 3,1 Prozent-Anteil an der Deutschen Bank aufgebaut, erklärte der Fonds dem "Wall Street Journal" (WSJ/Donnerstag). Die Beteiligung ist rund 620 Millionen US-Dollar wert. Der Fonds steigt damit zu einem der fünf größten Aktionäre der Deutschen Bank auf. Die Aktie der Deutschen Bank  legte zeitweise um mehr als 3 Prozent zu.

MDax: Morphosys-Aktie und Wacker Chemie steigen zweistellig

Im MDax war die Aktie von Morphosys  größter Gewinner. Die Anteilsscheine von Morphosys katapultierten sich mit einem Kurssprung von mehr als 15 Prozent an die MDax-Spitze, nachdem der Antikörperspezialist angekündigt hatte, auf einer Fachtagung klinische Daten zu seinen beiden Wirkstoffen MOR 208 und MOR 202 vorzustellen.

Nach der Kurshalbierung in den ersten zehn Monaten 2018 haben auch die Aktien von Wacker Chemie zum November-Start einen Erholungsversuch unternommen. Die Papiere des Spezialchemiekonzerns und Zulieferers für die Solarindustrie kletterten um 10 Prozent auf 86 Euro. Mit 73,52 Euro hatten sie in der Vorwoche so wenig gekostet wie seit zwei Jahren nicht mehr. Dabei sind die meisten Experten optimistisch oder zumindest neutral eingestellt. UBS-Analyst Patrick Rafaisz bekräftigte in einer aktuellen Studie nun das höchste Kursziel von 170 Euro und signalisiert damit Verdopplungspotenzial.

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Für Optimismus sorgten vor allem Gerüchte über Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen. Die Europäische Union und Großbritannien haben sich einem Insider zufolge darauf geeinigt, dass die britische Finanzbranche einen gewissen Zugang zum EU-Markt behalten soll. "Sollte tatsächlich noch im November ein Deal geschlossen werden, wären die Börsen eine große Sorge los", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Volkswagen setzt Erholung fort

Bei Bayer (Kurswerte anzeigen) wirkte als Unterstützung, dass die US-Umweltschutzbehörde EPA den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Dicamba für zwei weitere Jahre freigegeben hat.

Die Aktie von Volkswagen Vz setzte unterdessen ihre Erholung fort, obwohl Verbraucherschützer die erste Musterklage gegen VW wegen des Diesel-Skandals eingereicht haben. Damit wurde die bundesweit erste Musterfeststellungsklage auf den Weg gebracht. Stellvertretend für Zehntausende Dieselfahrer zieht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen Volkswagen vor Gericht. "Volkswagen hat betrogen und schuldet geschädigten Verbraucherinnen und Verbrauchern dafür Schadenersatz", forderte Vorstand Klaus Müller am Donnerstag. Das Oberlandesgericht Braunschweig bestätigte am Morgen den Eingang der Klage.

Reuters

Anleger sehen noch weiteren Spielraum für eine weitere Erholung. Mit einem Kursverlust von 6,5 Prozent seit Monatsbeginn war der Oktober der schwärzeste Oktober seit zehn Jahren - auch wenn 2008 das Minus im Sog der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Dax mit 14,5 Prozent mehr als doppelt so hoch war.

Wall Street: Erholung geht weiter, Dow und Nasdaq legen zu

Auch der US-Leitindex Dow Jones  hat den schlechtesten Oktober seit zehn Jahren verbucht. Am Mittwoch hatte die Wall Street jedoch mit kräftigen Kursgewinnen eine Erholung eingeläutet.

Am Donnerstag setzte der Dow Jones  seine Erholung fort. Im frühen Handel legte der Index 0,7 Prozent auf 25.300 Zähler zu. Der Tech-Index Nasdaq-Composite kletterte ebenfalls um 0,7 Prozent und eroberte die Marke von 7000 Punkten zurück.

Signale von US-Präsident Donald Trump auf eine bevorstehende Lösung im Handelsstreit mit China hatten am Dienstag die aktuelle Gewinnstrecke an der Wall Street eingeläutet.

Mit dem ISM-Indikator zur Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie stehen am Nachmittag wichtige Konjunkturdaten an, bevor dann am Freitag der monatliche Arbeitsmarktbericht auf der Agenda steht. Nach den bereits zur Wochenmitte veröffentlichten Daten des Dienstleisters ADP war die Beschäftigung in der Privatwirtschaft im Oktober überraschend deutlich gestiegen.

Kursrally bei Dow/Dupont

Auf Unternehmensseite dürften die Anleger am diesem ersten Handelstag im November auf die Quartalszahlen des fusionierten Chemiekonzerns Dow Dupont  reagieren. Der Konzern kündigte zusätzlich zu den Zahlen einen Aktienrückkauf über drei Milliarden Dollar an und setzte sein Sparziel hoch.

Ebenfalls auf der Agenda stehen an diesem Tag unter anderem die Quartalsberichte des Ketchup-Produzenten Kraft Heinz , der Kaffeehauskette Starbucks und des Stahlkonzerns United States Steel.

Zahlen von Apple nach US-Börsenschluss

Nochmal richtig spannend dürfte es nach Börsenschluss werden: Dann öffnet Technologie-Schwergewicht Apple  seine Bücher. Ebenfalls werden die Zahlen von Hewlett Packard Enterprise erwartet, der für IT-Services zuständigen Schwestergesellschaft von Hardware-Hersteller HP Inc.

Asiens Börsen mit Gewinnen - Ausnahme Japan wegen NTT Docomo

Schnäppchenjäger haben zum Start in den November bei asiatischen Aktien zugegriffen. Der MSCI-Index für Titel in der Region Asia-Pazifik außerhalb Japans stieg am Donnerstag um 1,8 Prozent. Im Oktober hatte der Index rund zehn Prozent eingebüßt.

In Japan trübten allerdings Kursverluste im Telekomsektor die Stimmung, während die Anleger in China auf Konjunkturmaßnahmen der Regierung hofften. Der Tokioter Nikkei  der 225 führenden Werte sank um 1,1 Prozent auf 21.687 Punkte. Der breiter gefasste Topix verlor 0,9 Prozent.

Eine Gewinnwarnung verschreckte Anleger des Telekomunternehmens NTT Docomo, dessen Aktien um mehr als vierzehn Prozent einbrachen. Eine Absenkung der Servicegebühren wird dem Unternehmen zufolge den Gewinn im nächsten Geschäftsjahr belasten. Das riss auch die Papiere von Mitbewerbern nach unten. Der Branchenindex für Kommunikationswerte sackte um mehr als acht Prozent ab. In China setzten Anleger darauf, dass der Staat die Konjunkturabkühlung mit weiteren stützenden Maßnahmen bekämpfen wird. Die Indizes in Shanghai und Shenzen zogen um bis zu 0,7 Prozent an.

Euro macht Vortagesverluste wieder wett

Der Euro in Dollar  ist am Donnerstag gestiegen und hat damit einen kleinen Teil der Kursverluste aus den Vortagen wieder wettgemacht. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1341 US-Dollar gehandelt, nachdem sie zur Wochenmitte auf 1,13 Dollar gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1318 (Dienstag: 1,1372) Dollarfestgesetzt.

Am Mittwoch war der Eurokurs zeitweise bis auf 1,1302 Dollargerutscht und verpasste nur knapp ein neues Jahrestief. Während sich in der Eurozone zuletzt enttäuschende Konjunkturdaten gehäuft hatten, profitierte der Dollar von einer robusten Wirtschaftsentwicklung in den USA und der Aussicht auf weiter steigende Zinsen durch die US-Notenbank Fed.

Im weiteren Tagesverlauf rechnen Marktbeobachter zunächst nicht mit größeren Impulsen für den Handel mit dem Euro. Erst am Nachmittag dürften Wirtschaftsdaten aus den USA für mehr Bewegung sorgen

mit dpa und reuters
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