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Gründe für den Kurssturz: Warum Anleger jetzt fliehen

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Börse schwankt weiter Dow Jones und Nasdaq schließen im Minus

Anleger bleiben nervös. Der Dax wagt sich zaghaft vor, doch an der Wall Street drehen die Indizes im späten Handel erneut ins Minus. Dax-Anleger müssen weiter zittern.

Kurzes Durchatmen an der Börse: Nach dem Kurseinbruch der vergangenen Tage hat der deutsche Leitindex Dax  am Mittwoch einen Erholungsversuch gestartet. Zum Handelsschluss auf Xetra (18.30 Uhr) letzt notierte der Index 1,6 Prozent im Plus bei 12.590 Punkten. Noch vor einer Woche hatte der Dax bei 13.300 Zählern notiert.

Am Donnerstag dürfte der Dax jedoch zunächst wieder den Rückwärtsgang einlegen, da die US-Börsen im späten Handel ihre Gewinne wieder abgegeben haben. Der Dow Jones  schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 24.890 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 2681 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite  büßte 0,9 Prozent auf 7052 Stellen ein.

Die Nervosität unter den Anlegern bleibt bestehen, wie der Kursverlauf in New York vom Vorabend gezeigt hat. Der als "Angstbarometer" angesehene Volatilitätsindex VIX gab am Mittwoch Nachmittag jedoch etwas nach - die Schwankungen der Indizes sind nicht mehr ganz so hoch wie am Vortag.


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Unter den Einzelwerten im Dax  gehörten die Aktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) mit einem Anstieg um 2 Prozent gegenüber ihrem Vortagesschluss am Mittwoch zu den größten Gewinnern. Auch die Aktien von Adidas (Kurswerte anzeigen) rückten um rund 2 Prozent vor.

Verlierer im Dax war dagegen die Aktie der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen), die gegen den Trend um weitere 3 Prozent abstürzte und erst im späten Handel ihre Verluste zum Teil wieder aufholen konnte.

Dow verliert im späten Handel seinen Schwung

Die Erholung der US-Börsen steht jedoch auf tönernen Füßen. Am Mittwoch legte der Dow Jones  zeitweise mehr als 200 Punkte zu und setzte seine Erholung vom Vortag zunächst fort, gab dann aber seine Gewinne komplett wieder ab und schloss leicht im Minus und unter der Marke von 25.000 Punkten.

Das Vertrauen der Anleger müsse sich erst wieder stabilisieren, erklärte ein Fondsmanager. Noch herrsche Ungewissheit, ob die Korrektur an der Wall Street schon vorbei sei. Die dortigen Aktienkurse preisten die Risiken einer steigenden Inflation und Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed) noch nicht angemessen ein. Es wäre naiv, nun schon eine Rückkehr des Bullenmarkt-Modus zu erwarten, zeigte sich auch Analyst James Hughes vom Broker Axitrader skeptisch.

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Fallhöhe der Börsen: So viel haben Dow und Dax noch zu verlieren

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Im MDax  waren die Augen vor allem auf die Hannover Rück gerichtet. Die Papiere ragten in der insgesamt freundlichen Versicherungsbranche mit einem Aufschlag von 2 Prozent positiv heraus. Erste Reaktionen auf Aussagen zu den Vertragserneuerungen und der Dividende waren hier positiv. Der Rückversicherer übertraf im Katastrophenjahr 2017 außerdem seine gekappten Gewinnziele - genauso wie der Mutterkonzern Talanx, dessen Titel in ähnlichem Maße vorrückten.

Aufholjagd in Asien: Nikkei und Hang Seng legen zu

Auch die asiatischen Aktienmärkte haben nach guten Vorgaben aus den USA einen Teil der Verluste vom Vortag wieder aufgeholt. In Tokio notierte der 225 Werte umfassende Nikkei  am Mittag drei Prozent fester bei 22.270 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann ebenfalls drei Prozent auf 1797 Zähler.

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Gründe für den Kurssturz: Warum Anleger jetzt fliehen

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Auch außerhalb Japans ging es aufwärts. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 1,6 Prozent zu. Am Dienstag hatten die Aktienmärkte starke Verluste verzeichnet."Die einzige Überraschung bei den jüngsten Kursschwankungen ist, dass sie nicht früher eingetreten sind", sagte Richard Titherington von JPMorgan Asset Management. "Normalerweise sollte man auch in einem Bullenmarkt irgendwann eine Korrektur von zehn Prozent oder mehr erwarten."

Es sei möglich, dass es nun zu weiteren Kursverlusten an den Märkten komme, das sei aber nicht seine gegenwärtige Erwartung. "Eine anziehende globale Wirtschaft, ein schwächerer US-Dollar und steigende Gewinne bei den Unternehmen sind alles unterstützende Faktoren", sagte er.

Einer raschen Erholung steht nach Einschätzung von Börsianern im Wege, dass immer noch viele Anleger einen Teil ihrer Börsengewinne aus den vergangenen Monaten und Jahren in Sicherheit bringen wollen - und bei jedem Erholungsansatz einen Teil ihrer Aktien verkaufen (Eine Übersicht über die Fallhöhe der wichtigsten Indizes lesen Sie hier.)

Euro gibt im späten Handel deutlich nach, Dollar wertet auf

Auch an den Devisenmärkten beruhigte sich die Lage wieder. Der Euro  , der am Vormittag noch bei 1,24 US-Dollar gehandelt wurde, fiel bis zum Abend bis auf 1,2256 US-Dollar zurück. Ein schwächerer Euro stützt tendenziell den Dax.

Die Frage sei nun, ob der Kurssturz der Beginn einer größeren Korrektur sei oder nur ein temporäres Stimmungstief, sagte Marktanalyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Wenn Anleger auf das Gewinnwachstum und die Grundlagen der Weltwirtschaft schauen, gibt es Grund zum Optimismus. Wenn so eine Flucht aber erst einmal eingesetzt hat, ist sie nur schwer zu stoppen."

Der Kurssturz an der Wall Street im Video

Reuters

Bitcoin startet Erholungsversuch

Auch bei den Kryptowährungen beruhigten sich die Kurse wieder. Die Krypto-Leitwährung Bitcoin war am Montag um weitere 12 Prozent gefallen, setzte in der Nacht aber zur Erholung an. Seit dem Jahreswechsel hat Bitcoin mehr als 50 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wir Ripple oder Ether stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck.

Zwar gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Nachrichten, die dem Bitcoin Auftrieb verliehen, wie etwa die Entscheidung einiger Terminbörsen in den USA vom Spätherbst 2017, Future-Kontrakte auf die Digitalwährung ins Programm zu nehmen und sie damit ein Stück weiter in Richtung des etablierten Finanzmarktes zu rücken. Doch insgesamt zeigt der Bitcoin-Kurs inzwischen auch unter charttechnischen Gesichtspunkten einen klaren Abwärtstrend.

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