Starker Euro bremst Dax aus Dax gibt Gewinne ab, Anleger nervös

Auf und Ab an der Börse: Der Dax nimmt kurzzeitig Kurs auf 12.500 Punkte, bröckelt dann jedoch wieder ab. Auch an der Wall Street werden Anleger vorsichtiger. Der starke Euro belastet den Dax zusätzlich.
Kursrally: Der Dax ist auf Erholungskurs - doch die Gewinne bröckelten am Freitag wieder ab

Kursrally: Der Dax ist auf Erholungskurs - doch die Gewinne bröckelten am Freitag wieder ab

Foto: Marc Tirl/ picture alliance / dpa

Erneut starke Schwankungen im Dax: Am Vormittag hatte der Dax  noch seine Erholungstour fortgesetzt und war um 1,1 Prozent auf 12 450 Punkte gestiegen. Da der Euro (Kurswerte anzeigen) jedoch ebenfalls seinen Anstieg beschleunigte und über die Marke von 1,25 US-Dollar stieg, bröckelten die Gewinne im Dax im späten Handel wieder ab. Der Dax rutschte zeitweise sogar um 0,4 Prozent in die Verlustzone und schloss nahezu unverändert bei 12.346 Zählern.

Ein stärkerer Euro wirkt in der Regel als Bremse für den Dax. Auch der Technologie-Index TecDax  notierte im späten Handel knapp im Minus. Unter den deutschen Indizes konnte lediglich der MDax  nennenswerte Gewinne bis Xetra-Handelsschluss verteidigen.

Dow Jones schwankt, Cisco mit Kurssprung

Anleger an der Wall Street werden nach vier Tagen mit steigenden Kursen ebenfalls vorsichtig. Kurz nach Handelsauftakt notierte der Dow Jones  noch 0,7 Prozent fester bei 25.090 Punkten, im weiteren Handelsverlauf bröckelten jedoch auch hier die Gewinne ab. Um 17.30 Uhr notierte der Dow Jones noch 0,1 Prozent im Plus.

Auch der am heutigen Donnerstag veröffentlichte, überraschend starke Anstieg der Erzeugerpreise trug zur Zurückhaltung unter Investoren bei.

Für die Papiere von Cisco (Kurswerte anzeigen) ging es um satte 7 Prozent bergauf, nachdem der Netzwerk-Spezialist im vergangenen Quartal erstmals seit anderthalb Jahren wieder gewachsen war und die Analystenerwartungen übertroffen hatte. Der Konzern profitierte unter anderem von seinen Investitionen in Sicherheitsangebote.

Buffett steigt bei Teva ein und erhöht Anteil an Apple

Die jüngsten Unternehmensnachrichten aus den Vereinigten Staaten stießen schon vorbörslich auf ein überwiegend positives Echo. Die Aktien von Teva sprangen um über 9 Prozent hoch, nachdem bekannt geworden war, dass Starinvestor Warren Buffett einen Anteil im Wert von zuletzt rund 360 Millionen US-Dollar an dem krisengeplagten Pharmakonzern hält.

Buffett, der als Finanzguru mit einem guten Riecher für Anlagechancen gilt, hat über seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway im Schlussquartal 2017 zudem seinen Anteil am iPhone-Hersteller Apple  kräftig ausgebaut, wie aus einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht. Dessen Aktien gewannen vorbörslich mehr als 1 Prozent.


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Volatilitäts-Index VIX deutlich gefallen

Offenbar hat der Anstieg auch etwas mit dem Kontraktwechsel im VIX-Volatilitätsindex zu tun. Der alte, abgelaufene Kontrakt wurde bei über 20 fällig - der aktuelle März-Kontrakt notiert bei nur noch 17. Automatische Risikobewertungsmodelle arbeiten nun mit dem neuen VIX und sehen die Volatilität am US-Aktienmarkt nun rein technisch bedingt als geringer an als noch vor wenigen Tagen.

"Anleger schütteln die jüngsten Inflations- und Zinssorgen ab und wagen sich zurück in den Markt", sagte ein Händler in New York. Obwohl wegen der steigenden Inflation nunmehr mit vier Zinserhöhungen in den USA in diesem Jahr gerechnet wird, steigen Anleger wieder ein, weil sie auf eine weitere Erholung an den Börsen setzen. Selbst auf dem aktuell erholten Niveau notiert der Dow Jones immer noch rund 6 Prozent unter seinem Rekordniveau von Ende Januar.

Euro klettert nahe Dreijahreshoch

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat am Donnerstag an die Kursgewinne vom Vortag angeknüpft. Nachdem die Gemeinschaftswährung am Morgen zeitweise über die Marke von 1,25 US-Dollar gestiegen war, wurde sie im Vormittagshandel bei 1,2494 Dollar gehandelt und damit etwa einen halben Cent höher als als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,2348 Dollar festgesetzt.

Mit den jüngsten Kursgewinnen nähert sich der Euro seinem Drei-Jahreshoch, dass er im Januar bei 1,2537 Dollar erreicht hatte. Am Markt wird nach Einschätzung der Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank immer stärker darauf spekuliert, dass die EZB vor dem Hintergrund der starken konjunkturellen Entwicklung ihre Geldpolitik straffen wird. Diese Erwartung stützt den Euro. Außerdem dürfte der Anstieg der Inflation in den USA auch global den Preisdruck antreiben und die Chancen erhöhen, dass die europäische Notenbank bei ihrer Geldpolitik etwas vom Gaspedal geht.

Am Devisenmarkt wird die Kursentwicklung aber auch mit einer breit angelegten Dollar-Schwäche erklärt. Marktbeobachter verweisen auf eine Gegenbewegung zu den deutlichen Dollar-Gewinnen in der vergangenen Woche. Am Mittwoch kamen außerdem enttäuschende Zahlen aus dem amerikanischen Einzelhandel hinzu, der als richtungsweisend für den Privatkonsum gilt.

Airbus klettert zweistellig

Auf der Unternehmensseite zog am Donnerstag vor allem der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus  die Blicke auf sich. Das Unternehmen überzeugte die Anleger mit seiner Gewinnentwicklung im Jahr 2017 und einer überraschend hohen Dividende. Die Papiere schnellten um fast 10 Prozent nach oben.

Zu den Profiteuren steigender Zinsen gehören tendenziell Bankenaktien, da ein höheres Zinsniveau dem Finanzkonzernen im klassischen Geschäft mit Kundeneinlagen und Kredite zugute kommt. Die Papiere der Commerzbank  und der Deutschen Bank  waren mit Gewinnen von jeweils fast 3 Prozent die gefragtesten Dax-Werte.

Bank-Aktien und Allianz gefragt

Allianz-Aktien profitierten mit einem Plus von mehr als 1 Prozent von positiven Analystenkommentaren. Die US-Bank JPMorgan bestätigte ihr "Overweight"-Votum und Oddo BHF stufte die Papiere auf "Kaufen" hoch.

Im TecDax rückten die Papiere des Netzwerk- und Telekomausrüsters Adva  um mehr als 4 Prozent vor. Hier verwiesen Händler auf starke Geschäftszahlen des US-Branchenkollegen Cisco  .

Asiens Börsen mit Gewinnen - Hang Seng legt deutlich zu

Die Kauflaune an der Wall Street ist am Donnerstag auch auf die asiatischen Börsen übergesprungen. Vor allem die Anleger in Hongkong griffen am Donnerstag zu: Der Hang Seng  stieg in einem verkürzten Handel um annähernd 2 Prozent. In Japan ging es um anderthalb Prozent hoch. Damit erholten sich die Kurse weiter von ihrem jüngsten Rutsch.

In vielen Ländern blieben die Börsen aber wegen Neujahrsfeierlichkeiten geschlossen, unter anderem in Südkorea und Taiwan. Auf dem chinesischen Festland sind die Börsen sogar von Donnerstag bis Mittwoch kommender Woche zu. Die Chinesen bereiten sich auf das Jahr des Hundes vor.

Nikkei klettert trotz des stärkeren Yen

In Japan kletterten die Kurse trotz eines stärkeren Yen, der grundsätzlich den Export erschwert und typischerweise die Anleger vom Kauf abhält. Bislang zeigt sich die japanische Regierung noch nicht alarmiert. Finanzminister Taro Aso sagte am Donnerstag, die Yen-Stärke erfordere derzeit keine Intervention.

Der Leitindex Nikkei  225 in Tokio stieg um 1,47 Prozent auf 21 464,98 Punkte. Seit Jahresbeginn steht der Nikkei damit allerdings immer noch annähernd 6 Prozent im Minus.

Der Hang Seng (Kurswerte anzeigen) in Hongkong hat sich dagegen schon wieder aus der Verlustzone herausgearbeitet. Mit mehr als 31 100 Punkten steht er 4 Prozent höher als zum Jahreswechsel. Für den Monat Februar müssen die Anleger dagegen weiter ein Minus hinnehmen und zwar von fünfeinhalb Prozent.

Die Sorge vor schneller steigenden Zinsen in den USA hatte die Kurse rund um den Globus zwischenzeitlich ins Rutschen gebracht. Höhere Zinsen machen festverzinsliche Anlagen wie Anleihen attraktiver gegenüber Aktien. Experten sind sich uneins, ob die Korrektur am Aktienmarkt schon vorüber ist. Das billige Geld der Notenbanken gilt seit Jahren als wichtigster Grund für die massiv gestiegenen Aktienbewertungen.

mit Nachrichtenagenturen
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