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Deutschland weit hinten: Diese Börsen locken mit den höchsten Dividendenrenditen

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Weiter Chancen an der Börse Darum kann 2018 ein gutes Jahr für europäische Aktien werden

Auch nachdem die Kurse an vielen wichtigen Börsen weltweit bereits einige Jahre lang gestiegen sind, sehen Fachleute 2018 noch gute Chancen für Aktieninvestments - insbesondere in Europa.
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384 Handelstage sind am Aktienmarkt eine kleine Ewigkeit. Im wirklichen Leben entspricht das etwa anderthalb Jahren, wie David Kostin, Chefstratege für US-Aktien bei Goldman Sachs , in dieser Woche den rund 200 Teilnehmern einer Investorenkonferenz der US-Bank in Frankfurt vorrechnete.

384 Handelstage lang, so Kostin, hat es an der US-Börse inzwischen bereits keinen größeren Rücksetzer mehr gegeben. Seit den 1930er Jahren gab es erst zwei Fälle, in denen das über noch längere Zeiträume nicht passierte, sagte Kostin, nämlich einmal in den 60ern und einmal in den 90ern. Im Durchschnitt, so der Goldman-Experte, geben die Kurse an der US-Börse etwa alle 90 Tage einmal ordentlich, also um 5 Prozent oder mehr, nach.

Für den Goldman-Strategen erwächst aus dieser Beobachtung ein "taktisches Risiko" für den Aktienhandel an der Wall Street. Eines von wenigen Risiken, die nach Ansicht vieler Fachleute zurzeit für Aktieninvestments erkennbar sind: Wenn schon die Hausse, die an der New Yorker Börse seit mittlerweile beinahe neun Jahren anhält, partout nicht zu einem Ende kommen will, so dürfte doch zumindest eine Korrektur des Kursniveaus allmählich überfällig sein.

Seit 2009 geht es mit den Aktienkursen in New York nahezu ungebremst aufwärts. Die wichtigen Indizes Dow Jones  sowie S&P 500 markierten zuletzt Rekordstände am laufenden Band. In Deutschland sowie an anderen wichtigen europäischen Handelsplätzen zeigt der Trend ähnlich nach oben, wenngleich es zwischendurch einige deutlichere Rückschläge gab.

Stichwort Goldlöckchen

Die Besonderheit: Glaubt man den Analysten und Ökonomen in Banken und anderen Finanzhäusern, dann ist die Aussicht auf weiter steigende Kurse gegenwärtig besser als zu beinahe jedem vergangenen Zeitpunkt des laufenden Aufschwungs. Das ist der Tenor in Gesprächen und Vorträgen zu dem Thema, ebenso wie in nahezu allen Marktausblicken und Kommentaren, die zum Jahreswechsel in gewohnt großer Zahl in Umlauf gebracht wurden.

Die Gründe für den Optimismus lassen sich in einem Jargon-Begriff zusammenfassen, der seit einiger Zeit am Markt kursiert: "Goldilocks", oder zu deutsch: "Goldlöckchen". Gemeint ist jene Kombination verschiedener Faktoren, die jeder für sich genommen bereits kurstreibend wirken, und die im Zusammenspiel den Investmentprofis zufolge so etwas wie paradiesische Zustände für Geldanleger an der Börse erzeugen: Stabiles Wachstum in beinahe allen wichtigen Regionen rund um den Globus, dennoch geringe Inflation sowie mithin Zentralbanken, die sich mit dem Eindämmen ihrer in der Finanzkrise ausgelösten Geldflut weiterhin Zeit lassen können.

Das sind zurzeit die größten Risiken an der Börse

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Ein Umfeld also, in dem Unternehmen gute Geschäfte machen und dicke Gewinne einstreichen können - und das auch tun, wie die Quartalszahlen der meisten Konzerne regelmäßig belegen. Allein im abgelaufenen vierten Quartal 2017 dürften die Gewinne der großen US-Firmen um etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein, schätzen Analysten zu Beginn der Berichtssaison. Und anziehende Unternehmensgewinne galten an der Börse schon immer als besonders solider Kurstreiber.

Kurzum: Trotz des bereits mehrere Jahre laufenden Aufschwungs und der gestiegenen Bewertungen raten die meisten Investmentprofis weiterhin zum Kauf von Aktien. Allerdings gibt so mancher Fachmann zu bedenken, dass das Rückschlagrisiko generell gestiegen sei, und die Auswahl der richtigen Papiere mithin an Bedeutung gewonnen habe.

Die Frage ist nur: Wo sollten Anleger zurzeit besonders vorsichtig sein? Oder andersherum: Welche Aktien haben gegenwärtig noch das größte Kurspotenzial?

Beide Fragen lassen eine Vielzahl von Antworten zu, je nachdem, wie detailliert die dazugehörige Analyse durchgeführt wird (und wie ausgeprägt der Glaube an die Vorhersagbarkeit zukünftiger Ereignisse ist). Nicht wenige Fachleute glauben allerdings, dass Aktieninvestments in Europa gegenwärtig noch die besseren Chancen bieten als beispielsweise in den USA.

Dafür gibt es verschiedene Argumente:

  • Wenn sich an der "Goldilocks"-Situation künftig etwas ändern sollte, dann wohl vor allem aufgrund zweier möglicher Ursachen: Zum einen könnte die Inflation anziehen und zum anderen - zum Teil daraus folgend - die Zinsen.

    Viele Investmentprofis sehen in diesen Faktoren die derzeit größten Bedrohungen für den Aktienmarkt. Philipp Waldstein beispielsweise, Geschäftsführer der Investmentgesellschaft MEAG, betonte dies auf der Goldman-Sachs-Veranstaltung in Frankfurt. Auch JP Morgan Asset Management stellte jüngst in einem Jahresausblick heraus: "Insbesondere kann niemand mit Sicherheit sagen, ob die Inflation tatsächlich tot ist oder sich lediglich schlafend stellt. Zudem könnten sich die Zentralbanken zunehmend fragen, ob sie nicht gerade die Fehler der 2000er-Jahre wiederholen."

    Klar ist jedoch: Wer sich vor allzu rasch steigenden Zinsen fürchtet, sollte wohl vor allem die amerikanische Notenbank Fed im Auge behalten. Sie begann schon 2015, ihren Leitzins nach oben zu schrauben, und für die Zukunft sind weitere Schritte zu erwarten. Bislang ging die Fed dabei betont behutsam vor - aber wird das auch so bleiben? Marktanalysten etwa gehen im Schnitt davon aus, dass die Fed ihren Zins von derzeit 1,25 bis 1,5 Prozent bis 2019 auf bis zu 2,5 Prozent geschleust haben wird. Das dürfte auch das Szenario sein, dass von Investoren am Aktienmarkt gegenwärtig erwartet wird.

    Die Ökonomen von Goldman Sachs halten das jedoch noch für eine zu vorsichtige Schätzung. Der Fed-Leitzins werde bereits 2019 auf mehr als 3 Prozent steigen, so Jan Hatzius, der Chefvolkswirt der US-Bank. Schließlich werde die US-Wirtschaft durch die Steuerreform der Regierung Trump sowie zu erwartende höhere Staatsausgaben zusätzlich angetrieben. Da gelte es für die Fed im Sinne der Stabilität mit höheren Zinsen dagegenzuhalten, so Hatzius auf dem Goldman-Event in Frankfurt.

Warum Anleger Europa gegenüber den USA vorziehen sollten

  • Sollte der Ökonom richtig liegen, so hätte das wohl Folgen für den Aktienmarkt. "Eine deutlichere Belebung der Inflation und/oder eine restriktivere Haltung der Zentralbanken würden erhebliche Marktbewegungen nach sich ziehen", heißt es beispielsweise bei JP Morgan Asset Management. Sprich: Es drohen Kursrückschläge, und zwar vermutlich vor allem da, wo die Kurse zuvor besonders stark gestiegen sind.

    So rückt zuerst die Wall Street in den Fokus: Der US-Index Dow Jones  legte allein in den vergangenen zwölf Monaten um rund 28 Prozent zu. Beim breiteren US-Index S&P 500 waren es immerhin etwa 21 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax  verbuchte über das vergangene Jahr ein Plus von vergleichsweise bescheidenen knapp 15 Prozent, und da sind die Gewinne vom Auftakt 2018 bereits eingerechnet.

    Vor dem Hintergrund verwundert es nicht, dass beispielsweise Klaus Kaldemorgen, einer der Altmeister der Geldanlage hierzulande in Diensten der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management, dringend vor einer Korrektur am US-Aktienmarkt warnt - und eher zu europäischen Aktien rät. Insbesondere die Kurse der großen US-Tech-Werte seien stark gestiegen, so Kaldemorgen im Rahmen des Goldman-Sachs-Events. Eine Korrektur sei überfällig. Tatsächlich trugen die Kurszuwächse der fünf Top-Tech-Firmen Facebook , Amazon , Apple , Microsoft  und Google  - auch bekannt unter dem Akronym "FAAMG" - im vergangenen Jahr alleine etwa 25 Prozent zum Anstieg des 500 Werte umfassenden S&P 500 bei, wie Zahlen von Goldman Sachs zeigen.
  • Europäische Aktien erscheinen allerdings nicht nur attraktiv, weil sie womöglich ein geringeres Rückschlagrisiko haben als etwa US-amerikanische. Vielmehr sprechen verschiedene Faktoren für ein Investment an den Börsen auf dem alten Kontinent. So nimmt die Konjunktur in Europa zunehmend Fahrt auf, was den Unternehmen wiederum gute Geschäfte und Gewinne bescheren sollte. "Der Ausblick für 2018 ist so gut wie lange nicht mehr", sagt etwa Jörg de Vries-Hippen, Chefinvestor für europäische Aktien bei Allianz Global Investors (AGI). Er glaubt, dass sie Unternehmensgewinne in Europa 2018 im Schnitt um rund 8 Prozent ansteigen werden.

    Geht es nach der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle, ist das sogar noch eine zurückhaltende Erwartung. "Für 2018 erwarten wir ein weiteres Gewinnwachstum von bis zu 15 Prozent", schreibt Philip Dicken, Leiter des Hauses für europäische Aktien, in einem aktuellen Kommentar. Auch er verweist auf das starke Wachstum der Wirtschaft. "Beispielsweise haben das Beschäftigungswachstum in der Eurozone und die Auftragseingänge in der verarbeitenden Industrie gemäß Einkaufsmanagerindex im November 2017 ein 17-Jahres-Hoch erreicht", so Dicken.

    Uwe Eilers, Chef der Vermögensverwaltung FV in Königsstein im Taunus, sieht die Wirtschaft Europas ebenfalls optimistisch. "Die nach wie vor niedrigen Zinsen verbilligen das Fremdkapital, die Rohstoffpreise bleiben wohl moderat und die Währungssituation begünstigt weiterhin die Exporte", schreibt Eilers in einer Einschätzung. Seine These lautet daher: Europäische Aktien werden 2018 die Gewinner sein.

So hilft die EZB auch künftig

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  • Hinzu kommt die Geldpolitik der EZB: Anders als die Fed wird die Europäische Zentralbank vorläufig an ihrer lockeren Geldvergabe festhalten, zumal auch in der Euro-Zone die Inflation niedrig ist. Die Folge könnte ein für europäische Firmen günstige Entwicklung der Wechselkurse sein.

    Gerade das vergangene Jahr hat zwar gezeigt, wie knifflig Vorhersagen von Wechselkursen sind. Zu Beginn 2017 sah alles nach einem starken Dollar und einem schwächer werdenden Euro aus. Entsprechend lauteten die Vorhersagen so ziemlich sämtlicher Experten für den weiteren Jahresverlauf - und diese Prognosen mussten die Fachleute kurz darauf reihenweise wieder zurücknehmen. Denn entgegen den Erwartungen machte der Euro gegenüber dem Dollar im Laufe von 2017 erheblich an Boden gut.

    Entsprechende Zurückhaltung scheint bei einer Vorhersage für 2018 geboten. Daher dazu nur so viel: Wenn es ein Argument gibt, das an dieser Stelle angeführt werden kann, dann ist es die vermutlich zunehmende Zinsdifferenz zwischen dem Dollar- und dem Euro-Raum, die durch die Zinssteigerungen der Fed entstehen dürfte. Diese Differenz könnte zu einem Anstieg des Dollars und im Gegenzug zu einer Schwächung des Euros führen, was wiederum erfreulich insbesondere für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft wäre. Aber nochmal: Die Betonung liegt an dieser Stelle auf dem Konjunktiv.
  • Aus anderen Gründen können wiederum auch steigende Zinsen positiv auf ein europäisch ausgerichtetes Aktienportfolio wirken, wie beispielsweise die Investmentgesellschaft T. Rowe Price glaubt. Finanzen, Energie und Grundstoffe seien in den europäischen Leitindizes stark gewichtet, so das Unternehmen. Höhere Zinsen würden sich daher ebenso positiv auswirken wie auch steigende Rohstoffpreise.
  • Wenn die Kursrisiken am Aktienmarkt steigen, rücken Dividenden als regelmäßige Einkünfte für die Investoren stärker in den Mittelpunkt. Und auch bei diesem Thema können sich europäische Aktien sehen lassen.

    Wie etwa eine aktuelle Untersuchung von AGI ergeben hat, werden europäische Aktiengesellschaften 2018 insgesamt wohl 323 Milliarden Euro an Dividenden an ihre Anteilseigner ausschütten. Das wären 23 Milliarden mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert, so AGI.

    Wie das Unternehmen betont, stellen Dividenden eine wichtige Renditequelle dar und tragen wesentlich dazu bei, die Schwankungsanfälligkeit von Aktienrenditen zu glätten. Auf lange Sicht tragen die Gewinnausschüttungen nach Berechnung der Experten von AGI zu rund einem Drittel der Gesamtperformance von Aktien bei.

Es gibt also einige Gründe, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt für ein Investment in europäische Aktien sprechen. Gut möglich, dass Goldman Sachs beim nächsten Investorentreffen Anfang 2019 auf eine besonders lange Gewinnstrecke europäischer Indizes berichtet.

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