Phantomfirma Cynk Wall Street rätselt über 25.000 Prozent Kursgewinn

An der US-Börse gibt es einen neuen Star unter den Tech-Aktien: Das Papier der Firma Cynk schoss in wenigen Wochen um 25.000 Prozent in die Höhe auf einen Börsenwert von 5 Milliarden Dollar. Das Problem ist nur: Das soziale Netzwerk, das Cynk angeblich betreibt, gibt es gar nicht.
US-Börsianer in Aktion: Die Aktie von Cynk gewann in drei Wochen 25.000 Prozent an Wert

US-Börsianer in Aktion: Die Aktie von Cynk gewann in drei Wochen 25.000 Prozent an Wert

Foto: AP/dpa

Hamburg - Die US-Börse hat ihre große Sommerloch-Geschichte: Die Aktie der Firma Cynk stieg in den vergangenen drei Wochen um sage und schreibe 25.000 Prozent. War das Papier zuvor noch für wenige Cents zu haben, so kostete es zuletzt in der Spitze mehr als 20 Dollar. Die Marktkapitalisierung von Cynk beträgt damit mehr als fünf Milliarden Dollar.

Der Haken daran ist nur: Ein Unternehmen namens Cynk gibt es eigentlich gar nicht. Jedenfalls offensichtlich kein aktives. In US-Medien wird das Phänomen bereits heftig diskutiert: Cynk betreibt angeblich ein soziales Netzwerk, ähnlich also wie Facebook , Twitter und andere. Das hat die Phantasie der Börsianer offenbar angeregt, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Tatsächlich existiert dieses soziale Netzwerk im Falle von Cynk aber nicht. Übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge verfügt Cynk weder über Mitglieder, noch über Umsätze oder irgendwelche Vermögenswerte. Geschweige denn Gewinne. Nicht einmal Mitarbeiter hat das Unternehmen offensichtlich, wie unter anderem die US-Website "Business Insider" feststellt.

Kurschart von Cynk: Die Aktie stieg in den vergangenen Tagen um mehrere Tausend Prozent

Kurschart von Cynk: Die Aktie stieg in den vergangenen Tagen um mehrere Tausend Prozent

Foto: manager magazin online

Laut "Buzzfeed" gibt es lediglich eine einige Jahre währende Historie zweifelhafter Gestalten, die mit der Firma in Verbindung gebracht werden. Die Website hat mit einem der Gründer des Unternehmens gesprochen. Demnach war es ursprünglich der Plan, einen Service zu etablieren, der es Prominenten ermöglicht, sich mit ihren Fans auszutauschen.

"Cynk is a joke"

Daraus ist aber offenbar bis heute nichts geworden. Zwar gibt es die Website Introbiz.com, die angeblich von Cynk betrieben wird. Das Ergebnis einer Recherche von "Business Insider" zu dieser Website lässt sich allerdings am besten so zusammenfassen: Die Plattform ist offensichtlich tot.

Trotz allem befassen sich US-Medien eingehend mit dem Phänomen Cynk, vom angesehen "Wall Street Journal" bis zum Finanzblog "Zero Hedge".

Fakt ist: Die mehreren hundert Millionen Aktien des Unternehmens dürften sich in wenigen Händen befinden. Die Kursbewegungen der vergangenen Wochen sind also wahrscheinlich durch eine geringe Zahl an tatsächlichen Transaktionen zustande gekommen. Ein Investor, der tatsächlich einen nennenswerten Betrag zum aktuellen Wert in diese Phantomfirma stecken würde, ist weit und breit nicht zu sehen.

Das zeigt sich auch an Daten, die sich auf der Website Yahoo Finance ablesen lassen. Demnach betrug das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von Cynk in den vergangenen drei Monaten gut 33.000 Dollar. Zum Vergleich: Der Zwitscherdienst Twitter mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 22 Milliarden Dollar kommt auf einen Durchschnittswert über drei Monate von knapp 29 Millionen Dollar pro Tag.

Das heißt: Die Aufregung um den Börsenkurs von Cynk hat ebenso wenig Substanz wie das Unternehmen selbst. Oder, wie es ein Kommentator der "Businessweek" formuliert: Cynk ist ein Witz ("Cynk is a joke").

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