Impfstofffirma Curevac-Manager verkauften Ende Juni Aktienpakete

Mitte Juni berichtete Curevac von enttäuschenden Studienergebnissen seines Impfstoffkandidaten, der Aktienkurs brach ein. Kurz darauf haben vier Curevac-Manager und -Managerinnen selbst Aktienpakete abgestoßen.
Oliver von der Mülbe: Der Mitgründer und ehemalige Curevac-Vorstand hat einen Teil seiner Aktien verkauft

Oliver von der Mülbe: Der Mitgründer und ehemalige Curevac-Vorstand hat einen Teil seiner Aktien verkauft

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

Nur 47 Prozent Wirksamkeit - kaum war das Ergebnis der Studie zum Corona-Impfstoff von Curevac am 16. Juni veröffentlicht, stürzte die Aktie fast mit dem gleichen Prozentsatz ab. Mochte Curevac-Chef Franz-Werner Haas (50) am Folgetag die Abstrafung durch die Anleger auch kritisieren und Anfang Juli wenig überraschend sein Bekenntnis zum mRNA-Vakzin der Tübinger erneuern, die Hoffnung auf einen zweiten hochwirksamen deutschen Covid-Impfstoff ist zerstoben. Vorerst jedenfalls.

So interpretiert es auch die Börse: Notierte die an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Aktie vor der Hiobsbotschaft knapp über 100 Dollar, waren es am Mittwoch lediglich 55 Dollar. Also keine Hoffnung mehr? In diese Richtung ließe sich jedenfalls das Verhalten von vier Curevac-Vorständen interpretieren, die nur wenige Tage nach der Hiobsbotschaft, am 21. Juni, auch selbst Curevac-Aktienpakete bei der US-Börsenaufsicht SEC zum Verkauf anmeldeten, wie der "Business Insider"  unter Berufung auf eine Mitteilung der SEC berichtet.

Allein der Mitgründer und ehemalige Produktionsvorstand Florian von der Mülbe habe zunächst knapp die Hälfte seiner rund 1,16 Millionen Aktien zum Verkauf angemeldet. Tatsächlich – so teilte Curevac später mit – veräußerte er jedoch nur 268.417 Aktien. Das entspricht einem Gegenwert von rund 16 Millionen US-Dollar. Kaum eine Woche später räumte von der Mülbe seinen Posten für Malte Greune. Dem Bericht des Business Insider zufolge trennten sich noch drei weitere Führungskräfte von Anteilen: Finanzchef Pierre Kemula, Technikvorständin Mariola Fotin-Mleczek und Ulrike Gnad-Vogt, Leiterin der klinischen Entwicklung.

Curevac setzt weiter auf Zulassung durch EU-Arzneimittelbehörde

Dass Unternehmensgründer und Vorstände Aktienpakete verkaufen, ist nicht ungewöhnlich. Dass sie es in diesem Ausmaß und zu einem Zeitpunkt wie bei Curevac tun, lässt aber aufhorchen. Hinterlassen die millionenschweren Transaktionen doch den Eindruck, Gründer und Management glaubten nicht mehr an den Erfolg ihres Unternehmens. Dabei strebt die Tübinger Firma weiterhin die Zulassung ihres Vakzins für Menschen unter 60 Jahren an. Allein dadurch könnte Curevac noch mit Einnahmen von etwa zwei Milliarden Euro aus einer großen Bestellung der EU-Kommission rechnen. Ob es so kommt, ist allerdings offen.

Curevac widerspricht entschieden der Vermutung, das Management glaube nicht mehr an den Erfolg des Unternehmens: "Davon kann keine Rede sein. Jeder, der hier arbeitet, ist voll und ganz von Curevac und seiner Technologie überzeugt. Alle widmen sich der Weiterentwicklung des Unternehmens", erklärte Unternehmenssprecherin Sarah Fakih im Gespräch mit manager magazin.

Auch weist sie die Vermutung zurück, die Aktienverkäufe könnten im Zusammenhang mit der jüngsten Unternehmensentwicklung stehen oder es sei gar Insiderwissen ausgenutzt worden. Die beabsichtigten Aktienverkäufe, betont Fakih, seien schon Monate zuvor mit genauem Tag und Volumen auf Basis eines sogenannten 10b5-1-Plans zwischen Shareholder, Unternehmen und Bank vereinbart worden. Der Aktienhandelsplan sei also lange vor Kenntnis der Ergebnisse der klinischen Studie gestellt und im Detail festgelegt worden. Die US-Börsenaufsicht SEC wiederum wird gemäß der Regel "Form 144" unter Nennung des besagten Plans am Tag des Verkaufs informiert. Genau diese strengen Instrumente der US-Börse sollen eben Insiderhandel ausschließen.

Mit Blick auf die mögliche Zulassung des Curevac-Vakzins erklärte die Sprecherin: "Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, wir liefern der EMA weiterhin Daten, damit sie eine fundierte Entscheidung treffen kann." Curevac sei davon überzeugt, dass der Impfstoff mit einer Wirksamkeit von mehr als 70 Prozent für die Altersgruppe der 18- bis 60-Jährigen gegen moderate und schwere Krankheitsverläufe eine "signifikante Schutzwirkung" habe und man daher weiter mit einer Zulassung rechne.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels waren die Angaben zur Anzahl der von den Managern verkauften Aktien und die Angaben zum Gesamtbestand unrichtig. Zudem hatten wir berichtet, dass sich die bei der SEC zum Verkauf angemeldeten Aktienzahlen tatsächlich realisiert hätten. Auch dies war unrichtig und wir haben beides korrigiert.

rei
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