Corona-Forscher gehen an die Börse Investoren reißen sich um Curevac-Aktien

Am heutigen Freitag geht in New York der lang angekündigte Börsengang der Biotechfirma Curevac über die Bühne. Das Unternehmen aus Tübingen besorgt sich Millionen für die Forschung gegen Covid-19.
Schild vor der Zentrale in Tübingen.

Schild vor der Zentrale in Tübingen.

Foto: Robert Schmiegelt/ imago images/Future Image

Im weltweiten Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus besorgt sich das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac frisches Geld an der US-Börse - und regt die Fantasie der Anleger auf bevorstehende Gewinne an.

Die Aktie  startete am Freitag mit einem Preissprung an der Börse in New York. Der erste Kurs lag an der Technologiebörse Nasdaq bei 44 Dollar. Noch in der ersten Handelsstunde stieg er auf 50 Dollar. Dabei hatte Curevac die Aktie zuvor für 16 Dollar an die Investoren ausgeben. Zum aktuellen Kurs kommt das Start-up auf einen Börsenwert von acht Milliarden Dollar.

Dadurch nahm Curevac nach eigenen Angaben rund 213 Millionen Dollar (rund 180 Millionen Euro) ein. Mit dem Geld will Curevac die Impfstoffentwicklung auf Basis der sogenannten mRNA-Technologie vorantreiben.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp (80) behält als Großaktionär knapp die Hälfte der Anteile. Insgesamt will das Unternehmen zunächst rund 13,3 Millionen Stammaktien verkaufen. Der Ausgabepreis liegt bei 16 Dollar pro Aktie. Knapp zwei Millionen weitere Papiere könnten die Zeichner dann kurzfristig zusätzlich ordern.

Firmenchef Haas hält Impfung für 10 Euro für machbar

Den Erlös will Curevac nach eigenen Angaben in die Entwicklung seines Impfstoffprogramms gegen das Coronavirus stecken. Das Programm soll so bis zum Abschluss der klinischen Phase-3-Studie finanziert werden. Zudem will Curevac mit dem Geld seine kurzfristigen Produktionskapazitäten erweitern.

"Es wird weitere Finanzierungsrunden geben", sagte der neue Vorstandschef Franz-Werner Haas (50) der "Süddeutschen Zeitung" . Bis zur Marktzulassung brauche Curevac "um die 400 Millionen Euro". Man suche nach einem Partner für die Produktion und Vermarktung des Impfstoffs. Die eigene Massenproduktion solle 2022 beginnen. Einen Liefervertrag habe Curevac im Unterschied zu mehreren Wettbewerbern noch nicht unterschrieben, sei aber mit einigen Staaten im Gespräch. Ein Preis von 10 bis 15 Euro je Impfstoffdosis sei machbar - deutlich günstiger als die von Wettbewerbern mit vergleichbarer Technologie.

Teile der Gelder sollen auch in das Krebsmittel-Programm fließen, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Investitionen sollen schließlich in die "weitere Entwicklung der mRNA-Technologieplattform" des Unternehmens und die Entwicklung anderer "präklinischer und klinischer Programme" erfolgen.

Kritik am Finanzplatz Deutschland

Das Deutsche Aktieninstitut hatte am Mittwoch kritisiert, der Curevac-Börsengang in den USA zeige, dass Deutschland noch immer kein attraktiver Standort für Börsengänge junger Wachstumsunternehmen sei. Hier müsse die Politik handeln.

Mitte Juni hatten die deutschen Aufsichtsbehörden dem Tübinger Biotechunternehmen grünes Licht für eine klinische Studie mit einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus gegeben. Nach Unternehmensangaben sollen ab September Ergebnisse vorliegen.

Der Bund hatte angekündigt, sich mit 300 Millionen Euro an Curevac zu beteiligen. Damit erwarb er einen Anteil von 23 Prozent an dem Pharmaunternehmen, der nun auf 19 Prozent sinkt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) hatte versichert, der Bund werde auf die geschäftspolitischen Entscheidungen der Firma keinen Einfluss nehmen. Anfang Juli erhielt Curevac zudem eine Kreditzusage in Höhe von 75 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Anschließend stiegen auch der weltgrößte Impfstoffhersteller Glaxosmithkline und das Emirat Katar bei der Tübinger Firma ein. In der Finanzierungsrunde von Juli wurde Curevac noch mit 1,6 Milliarden Euro bewertet. Der Wert der damals erworbenen Anteile ist innerhalb eines Monats also auf das Vierfache gestiegen. Im März hatte die Meldung für Aufregung gesorgt, US-Präsident Donald Trump wolle nach Curevac greifen.

Curevac nutzt ebenso wie das Mainzer Unternehmen Biontech und die US-Firma Moderna die sogenannte RNA-Technologie zur Impfstoffentwicklung. Der genetische Bauplan für modifizierte Virus-Bestandteile wird dabei in den Körper injiziert. Zellen nehmen diese Erbinformation auf und produzieren daraus harmlose Erregerteile, worauf das Immunsystem reagiert. Es speichert die Immunantwort ab, die später gegen eine echte Infektion schützt.

cr/ak/afp/dpa/reuters