Börse Crash auf Raten setzt sich fort

Der Dax hat seine Verluste zum Handelsschluss verringert. Zinssorgen bewegen Anleger an der Wall Street und drücken Dow und Nasdaq erneut ins Minus. Der Bitcoin fällt unterdessen auf das tiefste Niveau seit 18 Monaten. Der US-Autobauer Tesla hat seit Jahresbeginn rund ein Drittel seines Börsenwertes verloren.
Starke Schwankungen: Nach dem Kursrutsch starten die Indizes einen Erholungsversuch

Starke Schwankungen: Nach dem Kursrutsch starten die Indizes einen Erholungsversuch

Foto: A3796 Uwe Anspach/ dpa

Wie schon am Vortag hat auch am Donnerstag der Dax seine hohen Verluste zum Handelsschluss wieder eingedämmt. Für einen Dreh ins Plus reichte es diesmal aber nicht. Die hohen Kursschwankungen zeugen von der Nervosität der Anleger im schwierigen Börsenumfeld. Als hilfreich erwies sich am Nachmittag ein Stabilisierungsversuch an der US-Technologiebörse Nasdaq nach ihrem neuerlichen Ausverkauf zur Wochenmitte.

Am vorletzten Handelstag der Woche schloss der deutsche Leitindex mit minus 0,64 Prozent auf 13 739,64 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich um zweieinhalb Prozent abgerutscht war. Für den MDax ging es um 1,51 Prozent auf 28 180,30 Zähler bergab, womit der Index der mittelgroßen Börsentitel sich von seinem Tagestief ebenfalls absetzen konnte. Der EuroStoxx 50 verlor zum Handelsschluss 0,94 Prozent auf 3613,43 Punkte.

Dax

Die Bärenmarktstimmung habe sich zuletzt verfestigt, doch es wachse nun auch die Wahrscheinlichkeit für eine kräftige Gegenbewegung, schrieben die Autoren der Fuchs Kapital Börsenbriefe in ihrer aktuellen Ausgabe. Fundamental gebe es aber noch keinen Grund, einen Richtungswechsel an der Börse zu erwarten. Denn: "Die Notenbanken entziehen den Märkten die Liquidität, die Zinsen steigen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben angespannt."

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Merck ist größter Verlierer im Dax

Auf Unternehmensseite machte die auf Hochtouren laufende Berichtssaison am Donnerstag weiter die Schlagzeilen. Im Dax verlor Merck nach Quartalszahlen 5,6 Prozent. Einem Händler zufolge verfehlten die Prognosen des Pharma- und Spezialchemiekonzerns die Markterwartungen leicht. In der Pandemie hatte das Laborgeschäft von Merck von der starken Nachfrage von Impfstoffforschern und -herstellern profitiert. Der Corona-Rückenwind lässt nun aber nach.

Heidelbergcement schlossen 4,6 Prozent schwächer. Expertin Elodie Rall von JPMorgan schrieb, ein schwaches erstes Quartal des Zementherstellers wecke Zweifel, ob das Unternehmen die Jahresziele erreiche.

Die Allianz hielt mit einem Abschlag von 2,1 Prozent ihre Verluste noch in Grenzen – der Konzern hält trotz Russland-Sanktionen und Hedgefonds-Debakel an seinen Gewinnzielen fest.

RWE konnte seine frühen Verluste auf zuletzt 3 Prozent reduzieren. Der Energiekonzern berichtete von einem Gewinnsprung im ersten Quartal und bestätigte die Mitte Februar angehobene Jahresprognose. Einige am Markt hätten wohl bereits auf noch anspruchsvollere Ziele gehofft, hieß es.

Bayer gegen den Trend: Erholungsversuch nach dem Kursrutsch

Die Aktien von Bayer gehörten mit einem Plus von 5,4 Prozent am Donnerstag zu den wenigen Gewinnern im Dax. Am Vortag hatte Bayer mehr als 9 Prozent nachgegeben, da der Konzern erneut eine Niederlage im Glyphosat-Streit in den USA erlitten hat. Nun folgt ein erster Erholungsversuch.

Die Titel des Essenslieferdienstes Delivery Hero zogen am Nachmittag deutlich an und stemmten sich als Tagessieger im Dax mit plus 6,1 Prozent gegen ihren schon seit Monaten andauernden Ausverkauf.

US-Börsen erneut mit deutlichen Verlusten

Aus Furcht vor drastischeren Zinserhöhungen der Notenbank Fed ziehen sich weitere Anleger aus der Wall Street zurück. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen zur Eröffnung am Donnerstag um bis zu 2,2 Prozent. Der New Yorker Dow Jones Industrial notierte zuletzt 1 Prozent im Minus, die Technologiebörse Nasdaq machte Verluste von 0,9 Prozent.

Nasdaq

Geschürt wurden die Zinsspekulationen von den US-Erzeugerpreisen. Sie gingen zwar im April auf 11 Prozent im Jahresvergleich zurück. Analysten hatten aber einen Rückgang auf 10,7 Prozent vorhergesagt. "Wir sehen zwar, dass sich die Inflation zu verlangsamen beginnt, aber nicht so schnell wie erhofft", sagte Gene Goldman, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Cetera. Das verunsichere Anleger, denn wenn die Fed die Zinsen zu aggressiv anhebe, schade dies dem Wachstum. "Aber wenn sie zu konservativ sind, schadet es dem Konsum, was wiederum dem Wachstum schadet."

Walt Disney schwach, Tesla setzt Kursrutsch fort

Zu den größten Verlierern am US-Aktienmarkt zählte Walt Disney. Die Titel des Unterhaltungskonzerns fielen wegen eines Quartalsergebnisses unter Markterwartungen um 3,7 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 101,30 Dollar. Außerdem warnte die Firma vor Belastungen durch Lieferketten-Probleme sowie steigende Löhne und Gehälter. Die Analysten der Bank JPMorgan bezweifelten, dass Disney das Kundenwachstum seiner Streaming-Sparte Disney+ aufrechterhalten und seine Gesamtjahresziele erreichen könne.

Auch die Aktie von Tesla setzte mit einem Verlust von rund 4 Prozent ihren Kursrutsch fort und droht unter die Marke von 700 US-Dollar zu fallen. Zu Jahresbeginn hatte Tesla noch bei 1200 US-Dollar je Aktie notiert. Seitdem hat das Unternehmen rund 35 Prozent seines Börsenwertes verloren.

Bitcoin fällt unter 27.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin gab in der Nacht zu Donnerstag deutlich nach und fiel um mehr als 15 Prozent auf knapp 26.000 US-Dollar. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  noch rund 9 Prozent schwächer bei 27.926 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Wochen unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Bitcoin

Ölpreise geben wieder nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag gefallen und haben damit einen Teil ihrer Vortagsgewinne abgegeben. Im längeren Vergleich liegen sie aber weiter auf hohem Niveau. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  105,99 US-Dollar. Das waren 1,52 Dollar weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,59 Dollar auf 104,12 Dollar.

Brent

Marktteilnehmer erklärten die Preisabschläge zum einen mit dem festeren US-Dollar, der Rohöl für Interessenten außerhalb des Dollarraums verteuert und damit deren Nachfrage dämpft. Zum anderen wurde auf neue Corona-Infektionen in der chinesischen Metropole Shanghai verwiesen, was einer baldigen Lockerung der strengen Virus-Beschränkungen einen Schlag versetzt hat. Die scharfe Corona-Politik der chinesischen Führung belastet das Wirtschaftswachstum und damit die Erdölnachfrage der Volksrepublik.

Mit Nachrichtenagenturen