Bärenmarkt-Rallye Dax stagniert nach Achterbahnfahrt

Der deutsche Leitindex gab seine zeitweise deutlichen Gewinne wieder ab und geht ohne klare Richtung aus dem Handel. Der Dow Jones bricht ein. Schnäppchenjäger starten eine Bärenmarkt-Rallye. Der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent verloren.
Börse Frankfurt: Starke Schwankungen im Dax

Börse Frankfurt: Starke Schwankungen im Dax

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Nach einem wechselhaften Verlauf ist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag ohne klare Richtung aus dem Handel gegangen. Bestimmt wurde das Marktgeschehen erneut vom anhaltenden Krieg in der Ukraine und dessen weitreichenden Folgen. Zuletzt belastete die Meldung, dass die USA ein Importverbot für Rohöl aus Russland erlassen haben. Die Ölpreise heizte dies noch weiter an.

Der Dax stieg im frühen Geschäft um mehr als 2 Prozent nach oben, drehte im weiteren Verlauf aber kurz darauf ins Minus und pendelte in der Folgezeit mit stärkeren Schwankungen um den Vortagesschluss. Letztlich sank der deutsche Leitindex um 0,02 Prozent auf 12.832 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen schloss 0,61 Prozent tiefer bei 28.171 Zählern.

Dax

Im Mittelpunkt des Handelsgeschehens steht weiter die Diskussion um ein Verbot russischer Gas- und Öl-Lieferungen infolge des Kriegs gegen die Ukraine. Das hatte die Energiepreise am Montag stark angetrieben, was die Inflationssorgen der Anleger schürte.

Munich Re und Deutsche Bank holen auf

Die zu Wochenbeginn schwachen Versicherer- und Bankentitel mischten bei der Markterholung ganz vorne mit: Munich Re und Deutsche Bank belegten mit Kursgewinnen von jeweils mehr als fünf Prozent vordere Dax-Plätze, und im MDax legten Commerzbank sowie Hannover Rück um über sechs beziehungsweise fünfeinhalb Prozent zu.

Gefragt waren zudem Titel aus dem Energiebereich. Während RWE mit einem Plus von fast drei Prozent zu den Dax-Favoriten zählten, ging es für Uniper an der MDax-Spitze um sechseinhalb Prozent hoch. Laut Händlern preisen die gebeutelten Uniper-Titel die Abschreibungen für die vom russischen Energiekonzern Gazprom mitfinanzierte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 von rund einer Milliarde Euro ein.

Im Kleinwerte-Index SDax reihten sich die zumeist schon am Vortag starken Papiere aus dem Bereich Erneuerbare Energien weit vorn ein: SMA Solar, Encavis und die am Montag noch schwachen Verbio gewannen zwischen fünf und sechs Prozent. Darüber hinaus verteuerten sich Nordex um siebeneinhalb Prozent.

Schaeffler nach Zahlen gefragt

Für Schaeffler ging es nach Quartalszahlen um siebeneinhalb Prozent hoch. Dass Schaeffler wegen des Krieges in der Ukraine die Prognose für das laufende Jahr aussetzte, scheint die Anleger nicht besonders überrascht zu haben.
USA zu Öl-Embargo bereit

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden ist offenbar bereit, ein amerikanisches Embargo für russisches Öl auch dann zu verhängen, wenn die europäischen Verbündeten nicht mitziehen. Im Kongress könne es am Dienstag eine Abstimmung darüber geben, sagte ein Berater eines Abgeordneten der Nachrichtenagentur Reuters. Dann könnten auch Zölle auf russische Produkte erhoben werden.

Uniper investiert nicht mehr in Russland

Bei den Unternehmen ziehen sich immer mehr Firmen aus dem Geschäft mit Russland zurück. Der Energiekonzern Uniper kündigte einen Investitionsstopp an. Zahlen legen am Dienstag Schaeffler und Global Fashion Group vor. Auf der Konjunkturagenda stehen unter anderem die Daten zur deutschen Industrieproduktion und die US-Handelsbilanz.

Goldpreis über 2000 US-Dollar je Unze

Gefragt ist hingegen Gold. In Dollar gemessen stieg der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) erstmals seit dem Sommer 2020 auf mehr als 2000 Dollar. Zum Rekordhoch von etwas mehr als 2075 Dollar fehlt allerdings noch ein wenig. In Euro gemessen ist Gold wegen der gleichzeitigen Schwäche der Gemeinschaftswährung bereits so teuer wie noch nie.

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Nikkei fällt weiter

Die Talfahrt an den wichtigsten Aktienmärkten in Asien hat sich am Dienstag fortgesetzt. Der Krieg in der Ukraine, kräftig steigende Rohstoff- und Ölpreise sowie die damit verbundene Unsicherheit sorgten weiter für schlechte Stimmung an den Märkten. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 225 1,7 Prozent tiefer. Der Hang Seng Index in Hongkong büßte zuletzt 0,2 Prozent ein. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland sank um 0,5 Prozent. Bereits zum Wochenstart hatten die Märkte deutlich nachgegeben.

Kursverluste an den US-Börsen: Nasdaq bricht ein

Nach dem arg verkorksten Wochenauftakt ist der Versuch einer Stabilisierung der Kurse am Dienstag zunächst gescheitert. Ohnehin überschaubare Gewinne in den ersten Handelsminuten waren rasch wieder Makulatur. Die Anleger bleiben mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die hohen Energiepreise angespannt und verkaufen Aktien in steigende Kurse hinein. Der Dow Jones Industrial verlor 0,49 Prozent auf 32.657 Punkte. Am Montag war der US-Leitindex um 2,4 Prozent abgesackt.

Die Verluste der anderen großen Börsenbarometer waren noch etwas höher: Der marktbreite S&P 500 fiel um 0,68 Prozent auf 4173 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 1,09 Prozent auf 13.174 Zähler nach unten.

Im Ukraine-Krieg gab es zuletzt zumindest etwas Hoffnung für die notleidende Bevölkerung. Das russische Militär setzte am Morgen eine Feuerpause in der Ukraine in Kraft und öffnete "humanitäre Korridore" in fünf Städten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich derweil zu Gesprächen über den Status der Separatistengebiete im Osten des Landes und der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim bereit.

Unterdessen wächst der politische Druck auf die Energiemärkte. In den USA liegt weiterhin ein mögliches Importverbot für russisches Öl auf dem Tisch, Berichten zufolge könnte es noch an diesem Tag in Kraft treten. Dagegen droht Moskau nun seinerseits, die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen. Die Ölpreise stiegen am Dienstag in Reaktion auf die Nachrichten erneut, blieben aber unter ihren zuletzt erreichten Höchstständen.

Nasdaq

Nasdaq

Rüstungskonzerne auch in USA gesucht

Gesucht waren angesichts der fortdauernden Spannungen zwischen Russland und dem Westen erneut die Hersteller von Rüstungsgütern und Verteidigungstechnik. So stiegen die Aktien von Lockheed Martin um 1,8 Prozent auf ein Rekordhoch. Ein Rekordhoch meldeten auch General Dynamics , sie gewannen 0,8 Prozent. Raytheon Technologies verloren dagegen 1,4 Prozent zu.

Unter Druck gerieten dagegen vor allem Aktien aus der Finanzbranche. So büßten American Express acht Prozent ein und Visa 4,8 Prozent. Angesichts der stark steigenden Energiepreise könnten Verbraucher die Konsumausgaben reduzieren, hieß es im Handel. Das würde die großen Kreditkartenbetreiber belasten. Zudem unterboten die im Januar an Verbraucher vergebenen Kredite die Erwartungen bei weitem. Auch die Papiere von Banken wie JPMorgan , Wells Fargo und Bank of America gerieten unter Druck.

Die Aussicht auf klammere Konsumenten in Folge der anziehenden Öl- und Gaspreise bekamen auch die Aktien der Reisebranche zu spüren. Titel wie Trip.com und Booking mussten schwer Federn lassen. Diesem Trend konnten sich auch die Anteile des Fahrdienstvermittlers Uber nicht entziehen, die trotz einer höheren Gewinnprognose für das laufende Quartal um 4,2 Prozent nachgaben.

Profiteure der steigenden Öl- und Gaspreise waren erneut die Förderkonzerne und ihre Zulieferer und Dienstleister. Die Aktien von Exxonmobil stiegen um 3,6 Prozent und die von Chevron um 2,1 Prozent. Halliburton gewannen sogar 6,2 Prozent.

Biden stoppt russische Öllieferungen in die USA

Das Weiße Haus verbreitete ein aktualisiertes Tagesprogramm des Präsidenten. Zu dem Termin hieß es, Biden werde Maßnahmen ankündigen, "um Russland weiterhin für seinen unprovozierten und ungerechtfertigten Krieg gegen die Ukraine zur Verantwortung zu ziehen". US-Medien berichteten, erwartet werde ein Importverbot der USA für Öl, Gas und Kohle aus Russland. Der US-Sender CNN meldete unter Berufung auf Regierungsquellen, die USA würden die neuen Strafmaßnahmen ohne ihre europäischen Verbündeten vollziehen.

Ölpreis steigt weiter

Das Thema Energiekrise treibt die Anleger an den Rohstoffmärkten weiter um. Angesichts eines möglichen Banns für russische Energie-Importe notiert der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee 3,5 Prozent höher bei 127,50 Dollar je Barrel.

Am Montag hatte er zeitweise ein 13-1/2-Jahres-Hoch von 139,13 Dollar je Barrel markiert und hatte anschließend wieder etwas nachgegeben. "Wenn der Krieg nicht aufhört, können die Preise für Brent auf 156 bis 185 Dollar pro Barrel steigen", sagt Rohstoffexperte Ajay Kedia von Kedia Commodities.

Brent

Brent

Bitcoin pendelt bei 38.000 US-Dollar

Für Kryptowährungen geht es nach der jüngsten Kursrallye wieder bergab: Bitcoin fällt auf der Handelsplattform Bitstamp  am Dienstag zuletzt auf 38.792 US-Dollar. Seit Beginn des Kriegs hatten Kryptowährungen allerdings knapp 20 Prozent zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt.

Bitcoin

Bitcoin

Börsianer machten dafür ein gestiegenes Interesse russischer Anleger verantwortlich. Vor einer Woche notierte Bitcoin noch bei 44.000 US-Dollar. Doch seitdem hat Bitcoin in Einklang mit den Aktienmärkten wieder zweistellig nachgegeben.

Mit Nachrichtenagenturen