Rezessionsangst Aktienkurse rutschen weiter ab

Die Talfahrt am Dax setzt sich fort. Aus Furcht vor einer Rezession fliehen Anleger aus dem US-Aktienmarkt. An der Wall Street verliert der Dow Jones rund 750 Punkte. Der Bitcoin rutscht um 15 Prozent ab.
Händler an der Börse: Besorgte Blicke in Richtung der Notenbanken

Händler an der Börse: Besorgte Blicke in Richtung der Notenbanken

Foto: Andre Penner/ dpa

Die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt hat sich auch am Montag fortgesetzt. Angesichts einer hohen Inflation, Zinsangst und damit verbundenen Rezessionssorgen scheint keine Besserung in Sicht.

Kurz nach Handelsbeginn notierte an der New Yorker Wall Street der Dow Jones rund 750 Zähler oder 2,4 Prozent leichter bei 30.645 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 wurde zuletzt rund 3,7 Prozent schwächer taxiert und rutschte unter die Marke von 11.000 Punkten. Der marktbreitere S&P 500  gab zuletzt noch um 3,2 Prozent auf 3778 Punkte nach.

Nasdaq 100

Der Dax  sackte am Montagabend um 2,43 Prozent auf 13.427 Punkte ab. Im Handelsverlauf war der deutsche Leitindex kurzzeitig unter das Mai-Tief von 13.380 Punkten gerutscht. In seinen jüngst erst überwundenen Abwärtstrend seit Jahresanfang ist das Börsenbarometer inzwischen wieder zurückgefallen. Der MDax der mittelgroßen Werte knickte um 3,57 Prozent auf 27.742 Zähler ein. Auch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx büßte am Abend 2,69 Prozent auf 3502 Punkte ein.

Dax

Nachdem am Freitag eine US-Teuerung auf dem höchsten Stand seit rund 40 Jahren vermeldet wurde, reagierten nun auch die asiatischen Aktienmärkte mit meist hohen Verlusten auf die Sorge, dass weitere und schnellere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed folgen könnten. Am Mittwoch berät in den USA die Fed über ihre Geldpolitik. Eine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt gilt als sicher. Entscheidend dürfte aber sein, ob die Währungshüter noch stärker aufs Tempo drücken als bisher erwartet. Am Tag darauf folgt die Bank von England (BoE) voraussichtlich mit einem Schritt von einem Viertel Prozentpunkt.

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Als zusätzliche Sorge kommen drohende Lockdowns in China hinzu, wo am Wochenende in Peking und Shanghai wegen erneuter Corona-Ausbrüche Massentests durchgeführt wurden. Die Befürchtung ist, dass die Covid-Strategie der Wirtschaft und den globalen Lieferketten weiter schadet. Marktbeobachter Jeffrey Halley vom Broker Oanda sprach von einem "schwarzen Montag" an den Asien-Börsen.

Bitcoin auf tiefstem Stand seit Dezember 2020

Der Kurs des Bitcoin ist zum Wochenauftakt zeitweise auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 gefallen. So kostete ein Bitcoin auf der Handelsplattform Coinbase  am Montagabend 22.883 US-Dollar und damit rund 15 Prozent weniger als am Sonntag.

Bitcoin

Bitcoin

Ursache für den Kurseinbruch sind Probleme beim Krypto-Kreditgeber Celsius Network. Der Anbieter hat Abhebungen und Überweisungen vorerst ausgesetzt. Celsius zählt zum Bereich sogenannter dezentraler Finanzdienstleistungen, einem steil aufsteigenden Ast in der Kryptoszene. Hier werden zum Beispiel Transaktion mithilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt, ohne dass traditionelle Geldhäuser wie Banken beteiligt sind. Marktteilnehmer fühlten sich an die Probleme beim Stablecoin TerraUSD vor wenigen Wochen erinnert, die am Kryptomarkt ebenfalls eine Talfahrt ausgelöst hatten.

Streiks in der Stahlindustrie

Aktien aus dem Stahlsektor gaben stärker nach als der Gesamtmarkt. Die Titel von Thyssenkrupp und Salzgitter verloren am Abend bis zu 9 Prozent. Händler verwiesen neben den allgemeinen Konjunktursorgen auf die Gefahr von Streiks in der Stahlindustrie.

Bayer waren im Dax mit minus 0,14 Prozent recht stabil. Hier warten die Anleger auf eine wohl unmittelbar bevorstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in den USA im Glyphosat-Streit.

Weiter abwärts auf ein Tief seit dem Frühjahr 2017 ging es am Montag für TAG Immobilien nach einer doppelten Abstufung durch die britische Bank Barclays von "Overweight" auf "Underweight". Zuletzt verloren die auf dem letzten Platz im MDax liegenden Titel 12,5 Prozent. Höhere Zinsen belasteten in vielerlei Weise, schrieb Barclays-Analyst Sander Bunck.

Brenntag gewann dagegen rund 3 Prozent und setzten sich damit unangefochten an die Dax-Spitze. Der Chemikalienhändler hob seine Erwartungen an den operativen Gewinn an.

Deutliche Verluste auch in Asien

Die Sorgen um das globale Wachstum lassen zum Wochenauftakt auch die Anleger in Asien nicht los. Die angesichts eines neuen Corona-Ausbruchs angekündigten Massentests in Pekings bevölkerungsreichstem Stadtbezirk Chaoyang schürten Befürchtungen vor einem erneuten Lockdown in China.

In Japan büßte der Nikkei-Index  3,0 Prozent auf 26.987 Punkte ein. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands fiel um 1,1 Prozent auf 4190 Zähler. Der Hang-Seng-Index in Hongkong verlor zuletzt 3,2 Prozent auf 21 103 Punkte.

Ölpreise deutlich schwächer

Die Ölpreise sind am Montag gefallen. Händler verwiesen auf den starken US-Dollar und wachsende Rezessionsängste. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  120,64 US-Dollar. Das waren 1,37 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,43 Dollar auf 119,22 Dollar.

Zu Wochenbeginn lastete der aufwertende Dollar auf den Erdölpreisen, da eine starke US-Währung Rohöl für Interessenten außerhalb des Dollarraums verteuert und deren Nachfrage dämpft. Der Rohstoff wird überwiegend in Dollar gehandelt. Der Greenback profitiert von der Aussicht auf deutliche Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed, die damit auf die hohe Inflation im Land reagiert.

Die aktuelle Lage in China durch steigende Coronazahlen. "Hoffnungen auf eine schnelle und vollständige Normalisierung der Ölnachfrage in China, dem zweitwichtigsten Ölverbrauchsland weltweit, nach der Aufhebung der vorherigen Lockdowns sind somit verfrüht gewesen", kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Verstärkt haben sich zudem die Rezessionssorgen in den USA, nachdem dort die Inflationsrate im Mai überraschend erneut gestiegen ist. "Sollte die Fed die Zinsen daraufhin deutlich stärker anheben müssen und die US-Wirtschaft in die Rezession rutschen, würde das auch die Ölnachfrage im weltgrößten Ölverbrauchsland treffen", schreibt Fritsch. Rezessionssorgen gebe es zudem auch in Europa, nachdem die EZB letzte Woche recht deutliche Zinsanhebungen angekündigt habe.

Mit Nachrichtenagenturen