Kursrutsch an der Börse Dax beendet Achterbahnfahrt deutlich im Minus

Ausverkauf am Aktienmarkt: Der Ölpreis steigt nahe 140 US-Dollar je Barrel. Der Dax stürzt unter die Marke von 13.000 Zählern und auch der Dow verzeichnet Kursverluste. Dann steigen erste Investoren wieder ein.
Börse Frankfurt: Der Kurssturz im Dax geht weiter

Börse Frankfurt: Der Kurssturz im Dax geht weiter

Foto: DANIEL ROLAND / AFP

Nach einer rasanten Berg- und Talfahrt ist der deutsche Aktienmarkt am Montag mit klaren Verlusten aus dem Handel gegangen. Im Vergleich zu den massiven Abgaben vom vergangenen Freitag wirkte der Rückgang aber durchaus gebremst. Der immer weiter eskalierende Krieg in der Ukraine und die Furcht vor einer Rezession bei gleichzeitiger Inflation sorgten dennoch für genügend Abwärtsdruck.

Der Dax fiel am Vormittag zeitweise um bis zu fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit November 2020. Am Nachmittag verlangsamte der Leitindex seine Talfahrt merklich und drehte sogar kurzzeitig ins Plus. Dann bröckelte er aber im Zuge einer schwächeren Eröffnung der New Yorker Wall Street wieder ab und verlor letztlich 1,98 Prozent auf 12.835 Punkte. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen büßte 1,79 Prozent auf 28.343 Zähler ein.

Der Ukraine-Krieg bleibt das Hauptgesprächsthema auf dem Börsenparkett. Gleichzeitig schüren die weiter steigenden Rohstoffpreise die Inflationsangst. Die Diskussion um einen Stopp russischer Energie-Lieferungen trieb den Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee um knapp 20 Prozent auf ein 13-1/2-Jahres-Hoch von 139,13 Dollar je Barrel.

Dax

Mitte Februar hatte der Dax noch über der Marke von 15.000 Zählern notiert und hat seitdem drei Tausender-Marken nach unten durchschlagen. Mit einem Verlust von mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn befindet sich der Dax in Bärenmarkt-Modus. Allein die Verluste seit Freitag betragen im Dax rund 8 Prozent.

"Beschleunigter Ausverkauf" im Dax

Der Dax bleibt charttechnisch schwer angeschlagen. Die Experten der britischen Bank HSBC sprechen am Montag von einem "beschleunigten Ausverkauf" und einer Suche nach einem Boden. "So mussten die deutschen Standardwerte die Unterstützungen bei 13.800 beziehungsweise 13.500 Punkten am vergangenen Freitag nach unten preisgeben", hieß es in einem Morgenkommentar. Eine weitere wichtige technische Zone, die halten sollte, sehen die Experten nun bei 12.671 beziehungsweise 12.596 Punkten.

Seit Jahresbeginn – am 4. Januar notierte der Dax noch rund 3000 Punkte höher bei 16.150 Punkten – hat der Dax mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Auch technisch gesehen gibt es laut den Helaba-Experten "kaum noch Hoffnung" für den deutschen Leitindex. Zudem gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die den Dax unabhängig vom Krieg in der Ukraine derzeit belasten.

Rohstoffe zum Teil teuer wie nie zuvor

Das für Autokatalysatoren verwendete Palladium, dessen Haupt-Exporteur Russland ist, war mit 3173 Dollar je Feinunze so teuer wie nie. Konjunkturdaten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Auf dem Terminplan stehen unter anderem die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Experten erwarten für Januar ein Plus von einem Prozent. Im Vormonat hatten sie noch 2,8 Prozent zugelegt. Bei den deutschen Einzelhandelsumsätzen sagen Experten einen Zuwachs von 1,8 Prozent voraus, nach einem Minus von 5,5 Prozent im Vormonat.

Inflation auf höchstem Niveau seit 40 Jahren

"Nach oben schnellende Preise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe treiben die Inflation in Europa und darüber hinaus auf den höchsten Stand in 40 Jahren", erklärt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg. Rohstoffexperte Warren Patterson von der Großbank ING verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung der Ukraine und Russlands für die globale Produktion von Weizen, für den der Preis immer weiter steigt.

Die Preise für Öl, Rohstoffe und Lebensmittel könnten laut Schmieding noch weiter steigen und die europäische Industrie könnte weitere Engpässe bei wichtigen Vorprodukten zu spüren bekommen. In diesem unsicheren Umfeld hätten die Aktienbörsen jeden Grund zu fallen. Langfristig gibt sich Schmieding aber auch ein wenig zuversichtlich. Die Energiewirtschaft etwa werde umgebaut, langfristig werde sie dadurch grüner und breiter aufgestellt. All das kostet aber erst einmal viel Geld.

Goldpreis über 2000 US-Dollar je Unze

Gefragt ist hingegen Gold. In Dollar gemessen stieg der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) erstmals seit dem Sommer 2020 auf mehr als 2000 Dollar. Zum Rekordhoch von etwas mehr als 2075 Dollar fehlt allerdings noch ein wenig. In Euro gemessen ist Gold wegen der gleichzeitigen Schwäche der Gemeinschaftswährung bereits so teuer wie noch nie.

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Kurssturz auch in Asien – Nikkei auf tiefstem Niveau seit 30 Monaten

Die asiatischen Börsen haben am Montag deutliche Kursverluste verzeichnet. Der Ölpreisschub sorgte an den Märkten für Verunsicherung. Ein möglicher Importstopp für Rohöl aus Russland hatte die Ölpreise zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben.

Die Börse in Tokio schloss am Montag aus Sorge über die Folgen eines möglichen Importstopps für Öl aus Russland auf dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei ging mit einem Abschlag von 2,94 Prozent beim Stand von 25.221,41 Punkten aus dem Markt. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit dem 10. November 2020. Am Markt gingen Sorgen vor einer starken Verknappung der Energievorräte und einem rasanten Anstieg der Energiepreise um.

Nach dem Einbruch an der Leitbörse in Tokio wegen der Sorgen um einen möglichen Importstopp für Öl aus Russland ist auch der Aktienmarkt in Hongkong kräftig abgesackt. Der Hang Seng Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong büßte zuletzt 3,5 Prozent auf 21 133 Punkte ein. Die Börsen in China, die sich meist etwas abgekoppelt vom Weltgeschehen entwickeln, standen auch deutlich unter Druck. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland sank um 3,4 Prozent auf 4342 Punkte.

Das rohstoffarme Japan, die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist auf Ölimporte angewiesen. US-Außenminister Antony Blinken hatte neue Strafmaßnahmen gegen Moskau ins Spiel gebracht: Washington berate mit europäischen Verbündeten über einen möglichen Importstopp für Öl aus Russland. "Wir sprechen jetzt mit unseren europäischen Partnern und Verbündeten, um auf koordinierte Weise die Aussicht auf ein Verbot der Einfuhr von russischem Öl zu prüfen", sagte Blinken am Sonntag

Zu den größten Verlieren am japanischen Aktienmarkt zählte Hino. Die Titel des Nutzfahrzeug-Herstellers brachen um knapp 17 Prozent ein, nachdem das Unternehmen Manipulationen von Abgaswerten eingeräumt hatte. Das ist der größte Tagesverlust seit 22 Jahren. Die Papiere der Muttergesellschaft Toyota rutschten um 6,5 Prozent ab.

Kursverluste an den US-Börsen

Mit Kursverlusten sind die Börsen in den USA in die neue Handelswoche gegangen. Auch am Montag zehrt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine an den Nerven der Investoren. Mit der Hoffnung auf neuerliche Verhandlungen zwischen beiden Staaten grenzten die großen Aktienindizes noch höhere Verluste aus dem vorbörslichen Handel aber ein.

Für den Dow Jones Industrial ging es im frühen Haupthandel um ein Prozent auf 33.279 Punkte abwärts. Vorbörslich war der Index noch um bis zu zwei Prozent gefallen. Etwas nachgelassen hat unterdessen der Druck des Ölpreises auf die Aktienmärkte.

Nasdaq

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Rüstungskonzerne Hensoldt und Rheinmetall haussieren

Der weiter eskalierende Krieg in der Ukraine treibt die Kurse von Rüstungsaktien weiter in die Höhe. Das zeigte sich am Montag einmal mehr: Rheinmetall zählte mit einem Kursplus von zweieinhalb Prozent zu den MDax-Favoriten. Der Konzern profitiert weiter davon, dass er einen Großteil seines Umsatzes und Gewinns mit der Rüstungssparte erwirtschaftet. Die Titel des Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt gehörten mit über elf Prozent Plus ebenfalls zu den Gewinnern.

Auch einige Energietitel hielten sich im sehr schwachen Markt vergleichsweise gut: Siemens Energy reichte ein Plus von über dreieinhalb Prozent für einen der vorderen Dax-Plätze. Im Kleinwerte-Index SDax war der Solarkonzern SMA Solar mit einem Kursaufschlag von fast 19 Prozent der Spitzenreiter, gefolgt vom fast zehn Prozent festeren Windturbinenhersteller Nordex und dem Solar- und Windpark-Betreiber Encavis.

Den schon zuletzt robusten K+S-Titeln bescherte Händlern zufolge die Aussicht auf eine deutliche Verknappung des Düngerangebots an den Weltmärkten ein Plus von knapp dreieinhalb Prozent – damit waren sie größter Gewinner im MDax.

Unter anderem Banken- und Autotitel standen deutlich unter Druck. Deutsche Bank und insbesondere Commerzbank zählten mit Kursabschlägen von fast zwei und rund drei Prozent zu den Verlierern im Dax und MDax.

Auch etliche der konjunktursensiblen Fahrzeughersteller und -zulieferer traf es hart: Im Dax verloren die Hersteller BMW und Volkswagen sowie die VW-Holding-Gesellschaft Porsche SE zwischen anderthalb und dreieinhalb Prozent. Die Aktien der im MDax gelisteten Zulieferer Hella und Dürr erlitten ebenfalls überdurchschnittliche Verluste.

Panik-Käufe treiben Ölpreis auf knapp 140 US-Dollar

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um 6,24 US-Dollar auf 124,35 US-Dollar. In der Nacht war der Brent-Preis mit 139,13 Dollar auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 gestiegen. Im Sommer 2008 hatten die Ölpreise mit fast 150 Dollar ein Rekordniveau erreicht. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat der Brent-Preis um rund ein Drittel zugelegt, nachdem er bereits in den Wochen davor angezogen hatte. Seit Ende 2021 hat der Preis um rund zwei Drittel angezogen.

Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg zum Wochenbeginn um 4,30 Dollar auf 119,92 Dollar. Im frühen Handel war er erstmals seit 2008 über die Marke von 130 Dollar gestiegen.

US-Außenminister Antony Blinken hatte wegen der zunehmenden Eskalation des Ukraine-Kriegs neue Strafmaßnahmen gegen Russland ins Spiel gebracht. Washington berate mit europäischen Verbündeten über einen möglichen Importstopp für Öl aus Russland. Nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz Energiesanktionen gegen Russland abgelehnt hat, beruhigte sich die Lage etwas. Die Ölpreise verblieben jedoch deutlich in der Gewinnzone.

"Die Ölpreise explodieren zu Wochenbeginn regelrecht", kommentierte Rohölfachmann Carsten Fritsch von der Commerzbank. Er wies darauf hin, dass die Abhängigkeit Europas von russischem Öl wesentlich höher sei als aufseiten der USA. Während russische Einfuhren etwa acht Prozent der US-Kraftstoffimporte ausmachten, betrage die Quote in Europa etwa ein Drittel.

Brent

Brent

Bitcoin gibt weiter nach

Für Kryptowährungen geht es nach der jüngsten Kursrallye wieder bergab: Bitcoin fällt auf der Handelsplattform Bitstamp  am Montag zuletzt auf 38.750 US-Dollar. Seit Beginn des Kriegs hattenKryptowährungen allerdings knapp 20 Prozent zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt. Börsianer machten dafür ein gestiegenes Interesse russischer Anleger verantwortlich. Vor einer Woche notierte Bitcoin noch bei 44.000 US-Dollar. Doch seitdem hat Bitcoin in Einklang mit den Aktienmärkten wieder zweistellig nachgegeben.

Bitcoin

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Mit Nachrichtenagenturen