Hohe Energiepreise Covestro senkt Gewinnziele

Der Kunststoffkonzern Covestro muss seine Gewinnziele wegen gestiegener Energiepreise und der eingetrübten Konjunktur erneut senken. Die Aktie schließt dennoch fest im Plus.
Schön bunt: Kunststoffe sind das Geschäft von Covestro, allerdings machen gestiegene Gaspreise dem Unternehmen vermehrt zu schaffen

Schön bunt: Kunststoffe sind das Geschäft von Covestro, allerdings machen gestiegene Gaspreise dem Unternehmen vermehrt zu schaffen

Foto: picture alliance / Oliver Berg/d

Der Kunststoffkonzern Covestro hat seinen Gewinnausblick noch einmal gesenkt: Grund dafür sind hohe Energiepreise und trübere Konjunkturaussichten. Bereits im Mai hatte Konzernchef Markus Steilemann (52) gesagt, dass die Energiekosten für Covestro 2022 auf bis zu 2,0 Milliarden Euro steigen könnten. Angesichts des nochmaligen Anstiegs des Gaspreises in Europa im Juli erwartet die Unternehmensführung um Steilemann für das Gesamtjahr nun nur noch 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Bisher hatten 2,0 bis 2,5 Milliarden im Plan gestanden. Analysten hatten hier bisher mit gut 2,3 Milliarden gerechnet.

Neben hohen Energiekosten, auf die der größere Teil der Senkung der Gewinnprognose zurückgeht, dürfte der Konzern auch eine schwächere Nachfrage etwa aus der wichtigen Autobranche zu spüren bekommen.

Anleger an der Börse reagierten zum Wochenstart zunächst leicht verstimmt auf die Prognosesenkung. Die Aktie büßte am Montag zunächst deutlich ein, konnte ihre Verluste bis zum Handelsschluss aber auf unter 1 Prozent reduzieren.

Wegen der sich weiter eintrübenden Konjunkturaussichten und der Energiekrise Europas dürften Investoren sich weiter mit Engagements in Covestro-Aktien zurückhalten - auch weil sie wohl weitere Prognosesenkungen befürchteten, erklärte Analystin Georgina Fraser von der Investmentbank Goldman Sachs. Allerdings seien die Papiere schon sehr niedrig bewertet. Außerdem dürfte der Fokus auf die Kosten seitens des Managements sowie die Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms ein wenig Unterstützung für den Kurs liefern.

Entwicklung der Energiepreise bringt viel Unsicherheit mit sich

Finanzchef Thomas Toepfer hatte noch Mitte Juli in einem Interview in der "Börsen-Zeitung" für ein wenig Optimismus gesorgt und für das zweite Quartal ein operatives Ergebnis am oberen Ende der im Mai in Aussicht gestellten Spanne von 430 bis 530 Millionen Euro avisiert. Dabei verwies er auf eine überraschend schnelle Erholung Chinas von den Corona-Lockdowns sowie auf eine stabile Geschäftsentwicklung in Europa. Die Aktien hatten sich daraufhin zumindest ein wenig vom tiefsten Stand seit Mail 2020 bei 30,73 Euro erholt.

Im abgelaufenen zweiten Quartal übertraf der Konzern das eigene Ziel auch mit 547 Millionen Euro, damit steht für das erste Halbjahr 2022 ein operatives Ergebnis von 1,35 Milliarden Euro in den Büchern. Im dritten Quartal schätzt das Unternehmen den Gewinn auf 300 bis 400 Millionen Euro. Dass damit im Schlussquartal schlimmstenfalls ein kleiner operativer Verlust gesehen wird, zeigt, wie viel Unsicherheit die Entwicklung der Energiepreise mit sich bringt. Auch die Prognose für den freien operativen Mittelzufluss senkte Covestro und geht 2022 nun von null bis 500 Millionen Euro aus, anstelle der zuvor avisierten 400 bis 900 Millionen.

Ein möglicher Gas-Lieferstopp seitens Russlands ist ein großes Risiko für die Wirtschaft Europas, die in vielen Bereichen noch von dessen Gaslieferungen abhängig ist. Eine Umstellung auf andere Energieträger ist in großem Umfang nur längerfristig möglich. Die detaillierten Zahlen für das zweite Quartal wird Covestro an diesem Dienstag vorlegen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.