Montag, 30. März 2020

Viruskrise beunruhigt Bondbesitzer Hohe Infektionsgefahr für Firmenanleihen

Senken Rating-Analysten angesichts der Corona-Krise die Bonitätseinstufung für Unternehmen, kann das für ihre Anleihen zu einem Problem werden. Als besonders gefährdet gelten ...

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus bereitet Investoren, die in Unternehmensanleihen engagiert sind, zunehmend Sorgen. Stillstehende Fabriken und Arbeiter in Quarantäne dürften ihre Spuren in den Geschäftszahlen der Firmen hinterlassen und deren Kreditwürdigkeit belasten. Schon jetzt liegt die Verschuldung der Firmen in den USA so hoch wie selten zuvor. Das gilt auch für den Berg an Anleihen, die mit einem Rating von "BBB" knapp über dem sogenannten Schrott-Bereich liegen. Sollten die Geschäfte nun unter dem Virus leiden, drohen Herabstufungen.

Diese bergen Gefahren, weil viele Fondsmanager die Papiere verkaufen müssen, wenn sie nicht mehr im Investmentbereich liegen, sondern nun als spekulative oder Schrottanlagen ("Junk") eingestuft werden. In den vergangenen Jahren waren diese Papiere beliebt, weil sie als vergleichsweise sicher galten, zugleich aber eine höhere Rendite als Staatsanleihen versprachen.

Hinzu kommen die Anleihen im spekulativen Bereich. Diese konzentrierten sich in hohem Maß auf Unternehmen, die äußerst konjunkturabhängig seien und risikoreichere Kreditprofile hätten, erläutert Joachim Fels, Experte bei der Allianz-Tochter Pimco. "Da die Kreditvergabe im spekulativen Bereich derzeit bei 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt, würde eine Anspannung in diesen Sektoren bei weitem ausreichen, um eine Rezession zu fördern."

... derzeit Anleihen von Fluggesellschaften, Reisekonzernen aber auch von stark in China engagierten Autobauern gelten unter Analysten als gefährdet. Erst recht dann, wenn die Unternehmen hoch verschuldet sind oder als angeschlagen gelten.

Das spiegelt sich schon jetzt in den Daten der Junk Bonds wider: Der Risikoaufschlag des entsprechenden ICE/BofA-Index zu den als sicher geltenden US-Staatsanleihen stieg auf 475 Basispunkte von 403 Basispunkten Anfang Februar. Das ist der stärkste Anstieg seit Dezember 2018.

Touristik-, Auto- und Rohstoffunternehmen gefährdet

Der wirtschaftliche Stillstand in China, wo die Epidemie ihren Ausgang hatte, belastete zunächst vor allem die Firmen mit Geschäftsbeziehungen in die Volksrepublik. Doch nun breitet sich das Virus auch in den USA aus, und das könnte auf die Binnenwirtschaft drücken. Die Beratungsfirma Exante Data erwartet, dass Banken zurückhaltender bei der Refinanzierung auslaufender Kredite werden könnten, wenn sich die Kreditwürdigkeit rapide verschlechtere.

Die Ratingagenturen Moody's, S&P und Fitch befürchten Schwierigkeiten vor allem für Firmen aus der Reisebranche. Fitch nennt unter anderem Fluggesellschaften, Hotelbetreiber, Kreuzfahrtanbieter und Kasinos, bei denen es zu Liquiditätsengpässen kommen könnte.

Auch die Autobranche dürfte den wochenlangen Stillstand in China zu spüren bekommen, wo die Autoverkäufe auf dem Höhepunkt der Epidemie einbrachen.

Moody's führt daneben auch Rohstoffunternehmen und Energiefirmen an, die von den Exporten in die Volksrepublik abhängig sind. "Wenn man in ein Unternehmen investiert hat, bei dem es von Anfang an nicht so gut lief, wird man dort die ersten Brüche sehen", sagte Joseph Lind, Portfoliomanager für Schrottanleihen bei der Vermögensverwaltung Neuberger Berman. "Die Anleihen, die in diesem Jahr ausgegeben wurden, sind ziemlich schlecht gelaufen. Ich denke, wir werden einen Anstieg der Firmenpleiten sehen."

von Kate Duguid und Megan Davies und Christina Amann (Reuters)

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