Dienstag, 26. Mai 2020

Corona-Virus und die Folgen Weitere Bundesländer untersagen Großveranstaltungen

Leere Südtribüne im Signal-Iduna-Park in Dortmund: Das Revierderby zwischen dem BVB und den blau-weißen Nachbarn aus Gelsenkirchen muss am Wochenende vor leeren Rängen stattfinden

Das Coronavirus setzt Regierungen und Unternehmen verstärkt unter Druck. Das Robert-Koch-Institut erklärt jetzt ganz Italien zum Risikogebiet - das hat Konsequenzen. In einem Newsblog haben wir die wichtigsten Entwicklungen vom Dienstag zusammengefasst.

19.30 Uhr - Um die Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 in Deutschland zu bremsen, wird die Bundespolizei ihre Kontrollen an den Grenzen verstärken. Der Krisenstab der Bundesregierung teilte am Dienstagabend in Berlin mit, die Polizei werde die Kontrollen "insbesondere an den Südgrenzen noch einmal intensivieren".

Der Krisenstab, dem Vertreter des Innenministeriums und des Gesundheitsministeriums angehören, empfahl außerdem, ab dem 16. März bis auf Weiteres keine Besuchergruppen mehr in Bundesministerien und den ihnen nachgeordneten Behörden zu empfangen. "Damit sollen mögliche Infektionsrisiken für die Kernfunktionen der Bundesregierung vermindert werden", hieß es in einer Mitteilung. Eine ähnliche Regelung hatte zuvor auch der Bundestag für das Reichstagsgebäude beschlossen.

Der Krisenstab machte sich zudem die vorher bereits von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geäußerte Empfehlung zu eigen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Die Vertreter der beiden Ministerien werden am kommenden Donnerstag erneut zusammenkommen, um mögliche weitere Maßnahmen zu besprechen.

18.45 Uhr - Infolge der Coronavirus-Welle sind in Italien 631 Menschen gestorben. Die Gesamtzahl der gemeldeten Infizierten übersprang die 10.000er-Marke und lag am Dienstag bei 10.149 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Am Vortag hatten die Behörden insgesamt 9172 Infektionen im Zuge des Ausbruchs gezählt. Die Zahl der Toten lag am Vortag bei 463. Mehr als 1000 Menschen sind inzwischen wieder genesen.

- Slowenien will die Grenze zu Italien schließen, wie Ministerpräsident Marjan Sarec auf Twitter ankündigt. Der Nachrichtenagentur STA zufolge wird die Grenze nur für nichtgewerblichen Verkehr geschlossen, für Frachtverkehr dagegen offen bleiben.

18.30 Uhr - Am deutschen Aktienmarkt hatte es am Morgen zunächst nach Erholung ausgehen - im Laufe des Tages ging der Ausverkauf im Dax allerdings weiter. Am Tag nach dem schwarzen Montag ging der Index erneut mit einem Minus aus dem Handel; er notierte am Abend 1,41 Prozent tiefer bei 10.475 Punkten.

- Bis Dienstagnachmittag gab es allein in den sechs am stärksten vom Coronavirus betroffenen Bundesländern mehr als 200 neue Infektionsfälle. Dies ergibt sich aus den Mitteilungen der Behörden in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen sowie Niedersachsen und Berlin - verglichen mit den Zahlen des Robert Koch-Instituts von Montagnachmittag (15.00 Uhr). Allein im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen kletterte die Zahl bis Dienstagvormittag demnach um knapp 100 auf 580 bestätigte Fälle.

Vom Robert Koch-Institut gab es am Dienstag keine neuen Fallzahlen zur bundesweiten Entwicklung. Grund ist eine technische Umstellung, wie eine Sprecherin sagte. Neue Zahlen gebe es voraussichtlich erst am Mittwochmorgen. Die letzte Fallzahl stammt von Montagnachmittag (15 Uhr) und beträgt 1139.

- Die Saison in der Deutschen Eishockey Liga wird als Folge der Ausweitung des Coronavirus vorzeitig abgebrochen. Wie die DEL am Abend mitteilte, gibt es in diesem Jahr keinen Meister.

18.00 Uhr - Die Deutsche Börse hebt wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Präsenzpflicht für die im Frankfurter Börsensaal tätigen Spezialisten bis auf weiteres auf. Es handele sich um eine Vorsorgemaßnahme, der Handel an der Börse Frankfurt laufe uneingeschränkt weiter, teilt die Börse mit. Die Spezialisten können ihre Tätigkeit bei Bedarf jedoch aus ihren Ersatzlokationen verrichten. Auf dem Parkett im Frankfurter Börsensaal wird jedes Wertpapier von einem Spezialisten einer Wertpapierhandelsbank betreut, der für die Preisfeststellung zuständig ist. Der weit überwiegende Teil des Handels an der Frankfurter Börse findet aber über das elektronische Handelssystem Xetra statt.

17.30 Uhr - Zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus werden alle geplanten Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theater, Opern- und Konzerthäuser in Berlin abgesagt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) teilte am Dienstag mit, dieser Beschluss gelte vorerst bis zum Ende der Osterferien, also bis zum 19. April.

- Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht nach eigener Einschätzung Deutschland im Kampf gegen das Coronavirus medizinisch besser aufgestellt als andere europäische Länder. In den deutschen Krankenhäusern gebe es 28.000 Intensivplätze, davon seien 25.000 mit Beatmungsmöglichkeiten ausgerüstet, sagte Spahn am Dienstag nach Angaben von Teilnehmern in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag in Berlin. Dies sei mehr als in anderen EU-Ländern.

Spahn sagte nach diesen Angaben, ein Anteil von ein bis drei Prozent der Infizierten müsse auf einer Intensivstation behandelt werden - und davon wiederum müsse ein Teil beatmet werden. Er unterstrich in diesem Zusammenhang, irgendwann werde der Punkt erreicht, an dem das Gesundheitssystem seine Ressourcen konzentrieren müsse.

16.30 Uhr - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte zur Lage der Wirtschaft, die teilweise unter zusammengebrochenen Lieferketten aus Asien leidet, man brauche hier "keine klassischen Konjunkturprogramme, sondern Liquiditätszufuhr". Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) hatte in diesem Zusammenhang zuvor etwa von Steuererleichterungen für Firmen gesprochen. Brinkhaus kündigte an, in der kommenden Woche werde es im Kanzleramt ein Spitzengespräch mit der Wirtschaft zu möglichen Liquiditätshilfen für gefährdete Unternehmen geben.

- Auch in Thüringen sollen vorerst keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern stattfinden. Eine entsprechende Weisung sei am Dienstag an alle Kommunen gegeben worden, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) in Erfurt. Zudem sollten Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern nach Prüfung nur im Ausnahmefall erlaubt werden.

- Das Land Rheinland-Pfalz empfiehlt die Absage von Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 1000 Menschen. In der Regel sollten diese bis mindestens Ende April nicht mehr stattfinden, teilte die Landesregierung am Dienstag mit. Auch die hessische Landesregierung empfiehlt die Absage solcher Großveranstaltungen. Die Gefahr einer Virusübertragung bei großen Menschenansammlungen, "insbesondere in geschlossenen Räumen", lasse sich angesichts jüngster Entwicklungen nicht sicher beurteilen, teilte das Sozialministerium am Dienstag in Wiesbaden mit.

- Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einen konsequenten Kampf der Bundesregierung gegen das neue Coronavirus angekündigt. Man werde unerschrocken das Notwendige gegen die Ausbreitung tun, sagte Merkel am Dienstag während der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag, wie die Deutsche Presse-Agentur von Teilnehmern erfuhr. Zugleich bedankte sich die frühere CDU-Chefin bei Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für dessen Arbeit. Sie wurde mit den Worten zitiert: "Jens Spahn macht das ganz toll." Die Abgeordneten spendeten demnach daraufhin langen und lauten Applaus.

16.00 Uhr - Geisteroper in München: Die Bayerische Staatsoper will während der Schließung wegen des Coronavirus ausgewählte Stücke trotzdem auf die Bühne bringen - vor leeren Rängen. Zuschauer könnten die Aufführungen live übers Internet verfolgen, sagte ein Sprecher am Dienstag in München. Livestreams seien unter anderem geplant von dem Akademiekonzert am 16. März und von der Premiere des Balletts "Schwanensee". Zudem werde die Oper einzelne Vorstellungen als Video-on-Demand anbieten.

Im Freistaat wurden alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser vom 11. März bis zum Ende der Osterferien am 19. April geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das Geld für Eintrittskarten werde man erstatten, sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU). Allein für die Opern rechne man mit Kosten von rund vier Millionen Euro.

- Die Deutsche Bank rechnet in diesem Jahr wegen des Ausbruchs des Coronavirus mit dem ersten Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung seit dem Finanzkrisenjahr 2009. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2020 um 0,2 Prozent abnehmen, sagte Deutschland-Chefökonom Stefan Schneider am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Zum Vergleich: Die Bundesregierung geht in ihrem Jahreswirtschaftsbericht von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus. Schneider zufolge dürfte es im laufenden ersten Quartal einen Rückgang um 0,2 Prozent geben, im anschließenden Frühjahrsquartal dann schon von 0,8 Prozent - das wäre das größte Minus seit Anfang 2009.

15.30 Uhr - Der Bundestag wird nach Angaben der Unionsfraktion zusätzlich Geld für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus bewilligen. "Wir werden zusätzliche Haushaltsmittel zur Verfügung stellen bis zu einer Milliarde Euro", kündigte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) am Dienstag vor einer Fraktionssitzung in Berlin an. Damit solle unter anderem mehr Forschung gefördert werden.

- Der gestrige Börsencrash hat Russland mit Verspätung erreicht. Wegen eines handelsfreien Feiertags stürzten die Kurse in Moskau erst am Dienstag ab. Besonders stark waren Ölfirmen betroffen - Russland hat einen Preiskrieg mit der Opec ausgelöst, gab sich heute aber weiterhin offen für Gespräche.

- Mittlerweile untersagen vier Bundesländer ihren Kommunen, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern auszurichten. Von dieser Entscheidung betroffen sind somit unter anderem alle Spiele der 1. und 2. Fußball-Bundesliga in Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In Bayern gilt diese Regelung zunächst bis zum 19. April, in Bremen bis zum 26. März und in Schleswig-Holstein bis zum 10. April.

14.30 Uhr - Der Vatikan hat Petersdom und Petersplatz werden für Touristen geschlossen, wie der Staat am Dienstag mitteilt. Dies gilt auch für geführte Reisegruppen. Einzelnen Gläubigen soll der Zugang zum Dom jedoch zum Gebet erlaubt bleiben. Auch das Postamt sowie die Buchhandlung im Vatikan bleiben für Besucher geschlossen. Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 3. April.

- Die Schweizer Universität St. Gallen sagt ihr jährliches Treffen von Studenten mit Spitzenleuten aus Wirtschaft und Politik ab. Die für 7. bis 8. Mai geplante 50. Ausgaben des St. Gallen Symposium finde nicht statt, teilten die Organisatoren mit. An der jährlichen Veranstaltung tauschen sich Top-Manager, Spitzenpolitiker und Notenbankchefs aus aller Welt mit den Studenten der Elite-Wirtschaftsuniversität aus.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung