Mittwoch, 8. April 2020

Coronavirus lässt Renditen steigen Die Börsenkrise als Chance - für Dividendenjäger

Aktienhändler in New York: Das Coronavirus lässt die Kurse purzeln - und die Dividendenrenditen steigen.

Die Kursrückgänge an der Börse haben auch bei attraktiven Dividendenpapieren für günstige Einstiegschancen gesorgt. Doch vor dem Investment sollten Anleger einiges beachten.

Mitte Februar markierte der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen noch ein Rekordhoch jenseits der 13.700-Punkte-Marke - dann ging es abwärts. Corona-Krise an der Börse.

Die Kursverluste der vergangenen Wochen haben allerdings auch ihr Gutes. Für langfristig orientierte Anleger bieten sie die Möglichkeit, bei attraktiven Papieren zu relativ günstigen Kursen einzusteigen. Mit Blick auf den Kalender rücken insbesondere Unternehmen in den Fokus, die zu den verlässlichen Dividendenzahlern gehören. Im März, April und Mai finden traditionell die meisten Jahreshauptversammlungen der großen Konzerne statt, auf denen die Aktionäre über die Gewinnausschüttungen befinden. Unmittelbar darauf wird das Geld dann an die Anteilseigner überwiesen.

Allen Kursturbulenzen zum Trotz können Investoren auch in diesem Jahr mit erklecklichen Auszahlungen rechnen. Allianz Global Investors etwa erwartet auf europäischer Ebene mit insgesamt 359 Milliarden Euro einen neuen Rekord bei der Gesamtsumme der Dividendenzahlungen. Für den deutschen Aktienmarkt prognostiziert die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Ausschüttungen in Höhe von 49,4 Milliarden Euro durch die Unternehmen aus dem Dax Börsen-Chart zeigen, dem MDax Börsen-Chart zeigen und dem SDax Börsen-Chart zeigen. Das wäre zwar etwas weniger als im vergangenen Jahr, als die Konzerne laut Deka auf eine Summe von 50,2 Milliarden Euro kamen. "Sowohl bei der absoluten Ausschüttungshöhe als auch beim Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs, der sogenannten Dividendenrendite, bewegen wir uns aber weiterhin auf sehr hohem Niveau", sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank.

Damit spricht Schallmayer den entscheidenden Punkt an: Insbesondere die Dividendenrenditen haben durch die Kursverluste der jüngsten Zeit einen Schub bekommen. Renditen von mehr als 4 Prozent sind beispielsweise bei Unternehmen im Dax gegenwärtig keine Seltenheit. Wer dabei klug auswählt, kann in Unternehmen investieren, die ihre Dividenden seit Jahren zuverlässig und stabil zahlen. "Die Dividende, der neue Zins" - diese Phrase ist zwar bereits ziemlich abgenutzt und wird auch allzu häufig zu Marketingzwecken eingesetzt. Bei der Auswahl der richtigen Papiere und angesichts des weiterhin extrem niedrigen allgemeinen Zinsniveaus kann sie aber durchaus ihre Berechtigung haben.

Beispiel Allianz Börsen-Chart zeigen: Der Versicherungsriese, der seit Jahren zu den regelmäßigen Zahlern gehört, will in diesem Jahr seine Dividende erhöhen. Gegenüber neun Euro im vergangenen Jahr sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung Anfang Mai für dieses Jahr eine Ausschüttung von 9,60 Euro beschließen. Zugleich hat der Kurs der Allianz-Aktie aber im Zuge der Marktschwäche der vergangenen Wochen um mehr als 13 Prozent nachgegeben. Folge: Auf dem aktuellen Kursniveau von knapp 190 Euro errechnet sich für die Allianz eine Dividendenrendite von 5 Prozent.

Noch besser erscheint BASF Börsen-Chart zeigen: Konzernchef Martin Brudermüller hat die Parole ausgegeben, die Dividende "kontinuierlich steigern" zu wollen. In diesem Jahr bleibt der BASF-CEO diesem Motto treu, geplant ist eine Auszahlung von 3,30 Euro je Anteilsschein, nach 3,20 Euro im vergangenen Jahr. Der Aktienkurs des Chemiekonzerns steht allerdings nicht erst seit Ausbruch der Corona-Krise unter Druck. Nachdem die BASF-Aktie vor wenigen Jahren nahe 100 Euro notiert hatte, kostet sie inzwischen nur noch gut 52 Euro. Dividendenjäger können sich augenscheinlich darüber freuen: Die Dividendenrendite von mehr als 6,3 Prozent zusammen mit der Zuverlässigkeit der Zahlungen in den vergangenen Jahren dürfte im Dax zurzeit einmalig sein.

Die anhaltenden Kursverluste bei BASF können allerdings auch ein Warnsignal sein: Eine hohe Dividendenrendite allein reicht nicht aus, um ein Papier als Ausschüttungsbringer ins Depot zu nehmen. Investoren sollten weitere Faktoren beachten - sonst drohen eventuell böse Überraschungen. Womöglich nicht umsonst sagte BASF-Chef Brudermüller schon im vergangenen Jahr: "Ich glaube, jedem in der BASF ist heute klar, dass sich etwas ändern muss. Stillstand ist angesichts der neuen Herausforderungen keine Option."

Ein mahnendes Beispiel dürfte vielen Anlegern an der Stelle allzu präsent sein: der Autohersteller Daimler Börsen-Chart zeigen. Der Konzern zählte in der Vergangenheit zu den großzügigsten Dividendenzahlern im Dax, ähnlich wie auch die Wettbewerber Volkswagen Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen. 2018 überwies Daimler seinen Aktionären insgesamt 3,9 Milliarden Euro, das war in jenem Jahr die höchste Dividendensumme im gesamten Leitindex. 2019 sank die Auszahlung je Aktie bereits von 3,65 Euro auf 3,25 Euro. Und in diesem Jahr kommt der Einschnitt: Nach dem zweiten Gewinneinbruch in Folge kappt Daimler die Dividende drastisch auf nur noch 90 Cent je Aktie.

Investoren, die sich Daimler als Dividendenpapier ins Depot geholt haben, dürften angesichts dieser Entwicklung enttäuscht sein. Doch wirklich überraschend kommt die Dividendenkürzung nicht. Investmentprofi Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka etwa warnte im manager magazin bereits im Frühjahr 2018 vor den hohen Dividenden in der Autoindustrie - und namentlich bei Daimler - als Vorboten einer Krise.

Spätestens im vergangenen Jahr konnten bei Anlegern die Alarmglocken angehen: Die Auszahlung des Stuttgarter Autobauers blieb zwar mit 3,25 Euro je Aktie auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Die Ausschüttungsquote jedoch, also die Höhe der Dividende in Relation zum Gewinn, stieg seinerzeit bereits bedenklich in Richtung 50 Prozent. Durch die Kürzung in diesem Jahr wird Daimler auch diese Quote wieder auf rund 40 Prozent reduzieren.

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Kurzum: Wer das Thema Dividenden isoliert betrachtet und lediglich auf die absolute Höhe der Auszahlungen sowie womöglich die aktuelle Dividendenrendite achtet, geht ein Risiko ein. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen wirtschaftlich gesund und in der Lage ist, die Dividenden zu stemmen, und zwar nicht nur für den Augenblick sondern auch auf absehbare Zeit in der Zukunft. Vergleichsgrößen wie die Gewinnentwicklung, die Gesamtsituation des Unternehmens sowie seiner Branche, die Dividendenhistorie sowie auch die Höhe der Ausschüttungsquote sollten in jedem Fall in die Entscheidung für ein Investment einbezogen werden.

Unschöne Überraschungen wie im Falle Daimlers lassen sich auf diese Weise zwar nicht vollständig ausschließen. Ihre Wahrscheinlichkeit sinkt jedoch. Zudem schlagen solche Fälle tendenziell mit geringerer Wucht im Depot ein, weil sie früher erkannt werden können.

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