Börsenausblick Wie weit drückt das Coronavirus den Dax noch runter?

Tendenz abwärts: Das Coronavirus hat bereits einige Prozente an Kursverlusten verursacht.

Tendenz abwärts: Das Coronavirus hat bereits einige Prozente an Kursverlusten verursacht.

Foto: Frank Rumpenhorst/ DPA

Fest im Griff des Coronavirus dürften die Börsen auch in der neuen Woche sein. Die Lungenkrankheit breitet sich noch immer rasant aus. Wie sehr sich dies in der Realwirtschaft und somit in den Gewinnen der Unternehmen niederschlägt, ist selbst für Experten nur schwer einzuschätzen. Aktien als vergleichsweise risikoreiches Investment tun sich in diesem Umfeld jedenfalls schwer.

So sind Anleger denn auch zuletzt in Deckung gegangen: Der Dax  hat in der zu Ende gehenden Woche bislang 3,7 Prozent eingebüßt und ist auf den tiefsten Stand seit etwas mehr als drei Wochen gefallen. Das wäre die schwächste Börsenwoche des Leitindex seit August vergangenen Jahres. In der Woche zuvor war er mit 13.640 Punkten noch auf ein Rekordhoch geklettert.

Bei vergleichbaren Epidemien in der Vergangenheit hätten sich die Börsen stets dann wieder erholt, wenn die Zahl der Ansteckungen und der Nachrichten darüber den Höhepunkt erreicht hatten, sagte Aktienstratege Mixo Das von der Investmentbank JPMorgan. Sollte das Virus weiter grassieren, dürften vor allem diejenigen Branchen darunter leiden, deren Geschäfte auf "sozialer Interaktion" basieren. Dazu zählten Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und der Einzelhandel. Aber auch die deutsche Autobranche dürfte unter einer schwächeren Nachfrage auf dem wichtigen Absatzmarkt China leiden. In den vergangenen drei Wochen büßte der europäische Autosektor bereits mehr als zehn Prozent ein.

In vielen Marktkommentaren finden sich Vergleiche mit der Sars-Epidemie im Jahr 2003. Diese könnten aber hinken, wie der Ökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank meint. Denn die Weltwirtschaft sei heute erheblich abhängiger von China als seinerzeit. Der Anteil der Volksrepublik an der globalen Wertschöpfung habe sich seit 2003 in etwa vervierfacht. "Die Stabilität der Finanzmärkte und der Konjunktur könnte in Gefahr geraten", warnte der Experte.

Interessant könnten in der neuen Woche chinesische Einkaufsmanagerindizes werden, die am Montag und Mittwoch veröffentlicht werden. Am Freitag hatten ähnliche Indizes trotz der Epidemie ein recht solides Bild abgegeben. Während die Stimmung in den staatlichen chinesischen Industriebetrieben im Januar immerhin auf der Wachstumsschwelle verblieb, überraschte der Indikator für den Dienstleistungssektor leicht positiv.

Anlagestratege Mark Dowding vom Anleiheinvestor Bluebay schätzt, dass die Schritte der chinesischen Regierung das Wachstum in diesem Jahr um 1 bis 2 Prozentpunkte schmälern könnten. "Allerdings ist noch nicht klar, wie stark die chinesische Regierung mit Stimulus-Maßnahmen gegensteuern wird". Im Produzierenden Gewerbe könnten Lieferketten unterbrochen werden. Leidtragende wären in diesem Fall vor allem Europa und die Schwellenländer. Allerdings könnten auch Europas Staaten fiskalpolitisch gegenzusteuern versuchen, vermutet Dowding.

Interessant wird auch sein, ob sich die Unternehmen bei Vorlage ihrer Quartalszahlen bereits zum Coronavirus äußern und möglicherweise die Erwartungen an den Märkten dämpfen. Apple-Chef Tim Cook hatte dies jüngst bereits getan, trotz Rekordumsatz und -gewinn. Mit Siemens  und Infineon  stehen in der kommenden Woche zwei Dax-Schwergewichte auf der Agenda. Daneben lassen sich mit dem Industriekonzern ABB  , Fiat Chrysler Automobiles  , Nokia  und BP weitere europäische Standardtitel in die Bücher schauen.

cr/dpa-afx