Großmacht Computer Was Großanleger fürchten

Großinvestoren, die furchtlosen Macher an der Börse? Von wegen - auch sie machen sich Sorgen. Die immer stärkere Aufrüstung im IT-Bereich sorgt bei institutionellen Investoren für Kopfzerbrechen, zeigt eine Studie von State Street.
Von Arne Gottschalck
Rechenkraft, viel Rechenkraft: Was bedeutet das für Großinvestoren?

Rechenkraft, viel Rechenkraft: Was bedeutet das für Großinvestoren?

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Hamburg - Hochfrequenzhändler sind es, die die Börse in Angst und Schrecken versetzen. Mit ihrer IT-Power nutzen sie Bewertungsunterschiede an der Börse im Bruchteil einer Sekunde aus - und sorgen dafür, dass die Märkte unruhig werden.

Doch ohne Computer geht es heute bei der Anlage nicht mehr. Der Börsenhandel ist automatisiert, Analyseprogramme laufen auf Computerbasis und Kundendaten werden in der EDV verwaltet. Entsprechend sehen auch die Sorgen der Großinvestoren aus, wie eine Umfrage von State Street zeigt, die manager magazin online exklusiv vorliegt. Vor allem die Geschwindigkeit, die Volumina und die Unterschiedlichkeit im Datenbereich sind es, die die Unternehmen nachdenklich machen.

Trotzdem fühlen sich längst nicht alle entsprechend ausgerüstet. Im Gegenteil. Zwei Drittel der über 400 befragten Geschäftsführer institutioneller Anlageunternehmen erklärten zwar, eine moderne EDV sei für ihre Arbeit künftig einer der größten Wettbewerbsvorteile. Doch nur 29 Prozent sehen ihr Unternehmen entsprechend ausgerüstet.

Dabei geht es nicht nur um pure Terabyte, um Speicherkapazität oder Schnelligkeit. Es geht immer mehr darum, Daten intelligent zu nutzen. Davon ist Jeff Conway überzeugt, Executive Vice President und Leiter von State Street Global Exchange. "Durch die Schnelligkeit und Intensität des Wandels an den Finanzmärkten sehen sich institutionelle Anleger gezwungen, flexibel zu agieren und Daten strategisch einzusetzen. Nur wem das gelingt, wird im Konkurrenzkampf künftig Erfolg zu haben."

Große Mehrzahl will in IT-Systeme investieren

Eine Arbeit, wie sie auch Banken bevorstehen dürfte. Eine gängige Klage lautet, dass die bestehenden Systeme es erfordern, jeden Kunden im Falle einer Kursrutsches an der Börse anzurufen - und die entsprechenden Aktien bei Anruf Nummer 99 schon vollständig abgestürzt sein dürften. Wie hoch die Hoffnungen der Branche in eine entsprechende EDV-Ausrüstung sind, zeigt die Studie. 70 Prozent der Unternehmen, die bereits investiert haben, sind zuversichtlich, mit ihren Daten zukunftsgerichtete Prognosen erstellen zu können - und damit bei dem Rennen um die bessere Anlageentscheidung die Nase vorn zu haben.

Die Nachzügler indes sind nur zu 43 Prozent von der Prognosefähigkeit ihrer Daten überzeugt. 92 Prozent der Vorreiter glauben, dass ihre Daten und Analysen in Einklang mit dem Wachstum ihrer Geschäftsaktivitäten stehen. Bei jenen Unternehmen, die State Street so bildlich "Laggards", Spätzünder nennt, sind es nur gut die Hälfte der Befragten.

Wer indes entsprechend investiert hat, glaubt auch daran, schnellere und intelligentere Anlageentscheidungen treffen zu können. Deswegen, so die Studie, wollen 89 Prozent der Befragten in den kommenden drei Jahren in die entsprechenden Systeme investieren. 77 Prozent wollen mehr in die Erstellung von Portfoliomodellen und Optimierungssystemen investieren.

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Läuft das Investment-Geschaft damit auf einen "war between machines" hinaus, einen Krieg der Rechner? So hat es Eric Hunsader mit Blick auf die Hochfrequenzhändler prognostiziert. Vermutlich nicht, wenn die dergestalt hochgerüsteten Computer nur Erfüllungsgehilfe für die menschlichen Strategen bleiben. Trotzdem betrachten neun von zehn Unternehmen den Umgang mit Daten als strategisch hochgradig wichtig, so die Studie. Trost für jene Unternehmen, die noch nicht so weit sind, hat State--Street-Mann Conway jedoch nicht parat. "Es gehört einiges dazu, eine führende Rolle im Datenbereich zu erlangen, und man muss immer am Ball bleiben." Doch die Alternativen, so klingt es durch, sind deutlich düsterer. Die Hochfrequenzhändler haben das begriffen. Und rüsten weiter auf.

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