Donnerstag, 27. Februar 2020

Hedgefonds kassiert gut ein Drittel mehr für Comdirect-Anteile Für Petrus hat sich der Poker mit der Commerzbank gelohnt

Die Commerzbank kauft dem Hedgefonds Petrus Advisers 15,15 Euro je Comdirect-Aktie - und damit gut ein Drittel mehr als den übrigen Comdirect-Aktionären
Bodo Marks/dpa
Die Commerzbank kauft dem Hedgefonds Petrus Advisers 15,15 Euro je Comdirect-Aktie - und damit gut ein Drittel mehr als den übrigen Comdirect-Aktionären

Sie brauchte zwei Anläufe - und sie ließ es sich einiges kosten: Die Commerzbank hat für die Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect deutlich mehr Geld ausgegeben als geplant. Der Hedgefonds Petrus Advisers, der sich monatelang gegen einen Verkauf seiner Comdirect-Aktien gesträubt hatte, wurde mit 171 Millionen Euro abgefunden, wie Comdirect am Freitag im Bundesanzeiger mitteilte.

Mit 15,15 Euro je Aktie erhielt Petrus für sein Anteilspaket von acht Prozent fast ein Drittel mehr Geld als die übrigen Comdirect-Aktionäre, denen die Commerzbank 11,44 Euro geboten hatte. Das "Handelsblatt" hatte als erstes über den Kaufvertrag mit Petrus berichtet.

Nur mit Hilfe der Petrus-Anteile erreichte die Frankfurter Großbank die 90-Prozent-Schwelle, die es ihr ermöglicht, die restlichen Anteilseigner zwangsweise abfinden (Squeeze-out) zu lassen. "Es ist klar, dass für ein solches Aktienpaket eine Prämie zu zahlen ist", begründete ein Commerzbank-Sprecher den Zuschlag. "Die Vorteile der Transaktion, die in einer deutlich höheren Handlungssicherheit für eine zeitnahe und effiziente Integration der Comdirect liegen, sind uns diese Investition wert."

Für Petrus haben sich der Einstieg und der Poker gelohnt haben

Eine Verschmelzung der beiden Institute, die die Commerzbank als Alternative erwogen hatte, wäre aufwendiger und langwieriger gewesen. Mit Hilfe der Comdirect will sie stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. Zudem verspricht sie sich 150 Millionen Euro an Einsparungen.

Petrus-Partner Till Hufnagel nahm im Zuge der Einigung auch eine Anfechtungsklage gegen die Beschlüsse der Comdirect-Hauptversammlung im vergangenen Jahr zurück. Für Petrus hat sich der Poker mit der Commerzbank gelohnt. Als der Investor 2017 bei Comdirect einstieg, lag die Aktie zwischen neun und zwölf Euro. Später stockte er zu Preisen zwischen zwölf und 14 Euro weiter auf.

Den übrigen Comdirect-Aktionären muss die Commerzbank im Zuge des Squeeze-Out nicht den gleichen Betrag als Abfindung bieten wie Petrus. Der vorgeschriebene Preis dafür richtet sich nach einer Unternehmensbewertung und dem Durchschnittspreis an der Börse. Am Freitag stieg die Comdirect-Aktie um 0,7 Prozent auf 13,70 Euro.

rei/Reuters

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