Freitag, 20. September 2019

Panik an Chinas Börsen Peking will Kursrutsch mit Verkaufs-Verboten stoppen

Es geht abwärts mit Chinas Aktien. Nun kommt es auf die Zentralbank des Landes an - schafft sie es, die Börse zu stützen?

Crash an Chinas Börsen: Während Anleger in Europa überwiegend auf Griechenland blicken, hat sich der Kursrutsch an den Handelsplätzen in Shanghai und Shenzen noch einmal beschleunigt. Shanghais Leitindex, der CSI 300, gab am Mittwoch noch einmal um knapp 7 Prozent nach - in den vergangenen drei Wochen summiert sich der Kursverlust auf knapp 35 Prozent. Es ist der größte Kursrutsch seit 20 Jahren: "Ich habe noch nie einen derartigen Kurssturz erlebt", sagte Du Changchun von Northeast Securities.

Dem Kurssturz vorausgegangen war ein steiler Kursanstieg der chinesischen Indizes seit Herbst 2014, als der Handelszugang in dem weitgehend abgeschotteten Aktienmarkt für institutionelle Investoren aus dem Ausland erleichtert wurde. Seit Herbst waren die Kurse in Shanghai und Shenzen jeweils um mehr als 150 Prozent gestiegen. Im Mai erreichte die Marktkapitalisierung beider Handelsplätze insgesamt mehr als 10 Billionen Dollar - bis die Kurse dann ab Juni ins Rutschen gerieten. binnen vier Wochen wurden an den Börsen rund 3,5 Billionen Dollar Kapital vernichtet, das ist etwa zehnmal so viel wie Griechenlands jährliche Wirtschaftsleistung.

Wer ist vom Crash betroffen? Der Crash trifft vor allem chinesische Privatanleger, die auf dem Höhepunkt des chinesischen Börsenfiebers im Frühjahr ihre Ersparnisse in hoch bewertete Aktien gesteckt haben. Doch auch außerhalb Chinas wächst die Nervosität: In Japan gab der Nikkei Börsen-Chart zeigen am Mittwoch rund 3 Prozent nach und fiel auf ein Zweimonatstief. Auch in Südkorea gerieten die Kurse ins Wanken. Der breite Marktindex MSCI Asia schwankte in den vergangenen vier Wochen um mehr als 12 Prozent.

Chinesische Regierung versucht zu stützen - bislang erfolglos

Erreicht die chinesische Börsen-Panik bald auch Europa und die USA? "Das Problem ist, dass alle Marktteilnehmer in dieselbe Richtung drängen und emotional reagieren", sagt Wang Feng, Chef des Hedgefonds Alpha Squared Capital. Er sprach von "Panikverkäufen", die sich fortsetzen könnten.

Die chinesischen Behörden warnten ebenfalls vor einer Panik und setzten den Handel mit zahlreichen Papieren aus, um den Crash zu begrenzen. Diese Handelsbegrenzung, so fürchten einige Investoren, könnte die Unruhe der Investoren aber noch verstärken.

Bislang haben die verzweifelten Bemühungen von Regierung und Zentralbank, die Börsen zu stabilisieren, nicht gefruchtet. Deshalb legten Chinas Notenbanker am Dienstag noch einmal nach: Die Zentralbank werde "ausreichend Liquidität" bereitstellen, um die Stabilität der Börse zu gewährleisten. Die Zentralbank werde "die Marktbewegungen genau verfolgen und tun, was immer nötig ist, systemische Risiken zu vermeiden."

Was wie die Mario-Draghi-Rede von 2012 in London klingt, soll Chinas Investoren beruhigen - und einen Flächenbrand an den asiatischen Börsen verhindern. Man gebe den Investoren einen "Jinping put," sagt Analystin Joyce Poon - so wie seinerzeit den Draghi-Put, heißt es bei Quartz. Xi Jinping ist Staatspräsident der Volksrepublik China.

Großaktionäre und Firmenchefs dürfen 6 Monate lang keine Aktien verkaufen

Die Regierung in Peking rät staatlichen Banken und Versicherern unterdessen von Verkäufen ab. Sie sollten stattdessen die "Gunst der Stunde nutzen" und ihre Anteile an börsennotierten Unternehmen ausweiten, erklärte das Finanzministerium der Volksrepublik am Mittwoch. Die Kurse seien "unterhalb eines angemessenen Niveaus".

Am Mittwoch Nachmittag schoben die chinesischen Regulierungsbehörden sogar ein Verkaufsverbot für bestimmte Aktien nach: Großaktionäre mit einem Anteil von mehr als 5 Prozent sowie Firmenchefs und das Management dürfen für die kommenden sechs Monate keine Aktien ihrer Unternehmen verkaufen.

Morgan Stanley als Krisengewinnler verdächtigt

Während sich Regierung und Notenbank gegen den Kursverfall stemmen, baut sich an den Handelsplätzen in China Unmut gegenüber "ausländischen Profiteuren" auf. Insbesondere die US-Bank Morgan Stanley, die Anfang Juni auf eine mögliche Überhitzung der chinesischen Börsen hingewiesen hat, wurde beschuldigt, von dem Kursrutsch zu profitieren.

Im Ausland vernimmt man all dies eher mit Skepsis. "Derzeit zeichnet sich noch keine Beruhigung ab", schreiben die Analysten von RBI Wien Raiffeisen Research. Und das kann auch für deutsche Aktionäre ein Problem sein, weit mehr als der oft skizzierte Grexit, der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Denn Chinas Wirtschaft ist um ein Vielfaches stärker und weltwirtschaftlich relevanter als Griechenland.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung