Gamestop-Hype - Warren Buffetts Vize warnt vor Exzessen "Robinhood betreibt ein dreckiges Geschäft"

Die Aktie des US-Videospielhändlers Gamestop hebt erneut ab. Die Nummer zwei der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, Charlie Munger, gibt Billigbrokern wie Robinhood oder Trade Republic eine Mitschuld.
"Investoren wetten auf Aktien, als ob diese Pferde wären": Berkshire-Hathaway-Vizechef Charlie Munger watscht auch Bitcoin und Tesla ab

"Investoren wetten auf Aktien, als ob diese Pferde wären": Berkshire-Hathaway-Vizechef Charlie Munger watscht auch Bitcoin und Tesla ab

Foto: Nati Harnik / dpa

Der Vizechef von Warren Buffetts (90) Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, Charlie Munger (97), warnt angesichts der Rekordrallye an den Börsen vor Marktexzessen. Das derzeitige Börsenumfeld zeige Anzeichen einer Blasenbildung, sagte der langjährige Geschäftspartner der Investmentlegende am Mittwoch bei der jährlichen Hauptversammlung des US-Medienkonzerns Daily Journal Corporation. Die Kurskapriolen bei dem US-Videospielhändler Gamestop spiegelten eine "gefährliche Mentalität einiger Investoren wider, die auf Aktien wetteten, als ob diese Pferde wären". Das könne nicht gut ausgehen. Eine aktuelle Studie beleuchtet ebenfalls, wie gefährlich die Wertpapiergeschäfte für jedermann sein können.

Anfang des Jahres waren die Papiere von Gamestop zum Spielball von Spekulanten geworden: Kleinanleger zwangen mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung von Wetten auf den Verfall des Gamestop-Kurses und brachten diese damit teils in die Bredouille. Ende Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht, doch der Höhenflug war dann rasch wieder vorbei.

In dem Hype um Gamestop geriet auch der mit seiner einfach zu bedienenden App vor allem bei jüngeren Anlegern beliebte Discount-Broker Robinhood ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem die Tatsache, dass Robinhood den Handel mit heißgelaufenen Aktien wie denen von Gamestop während der Kursexplosion im vergangenen Monat so beschränkte, dass diese nur noch verkauft werden konnten, sorgte für viel Ärger. Den Verdacht von Absprachen mit Hedgefonds wies Robinhood jedoch entschieden zurück.

Munger übte nun ebenfalls heftige Kritik an Robinhood, aber nicht wegen der Handelsbeschränkungen, sondern weil er die App eher für eine Art Glücksspielanbieter als für einen seriösen Broker hält. Robinhood betreibe ein "dreckiges" Geschäft, bei dem Nutzer mit Gebührenfreiheit gelockt würden, während das Unternehmen für die Vermittlung ihrer Transaktionen Geld von Wall-Street-Akteuren erhalte und deshalb zu möglichst viel und auch riskantem Handel ermutige.

Gamestop-Aktien schießen erneut in die Höhe

Den Höhenflügen des Elektroautobauers Tesla und der digitalen Währung Bitcoin kann der Buffett-Vize auch nichts abgewinnen. Er wisse nicht, welche Kursrally er schlimmer finde, so Munger. Der Bitcoin tauge wegen seiner starken Kursschwankungen nicht als Zahlungsmittel. Tesla-Chef Elon Musk (49) ist großer Fan von Kryptodevisen, das Unternehmen hatte zuletzt für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft und den Kurs der bekanntesten Digitalwährung so weiter befeuert.

Der wilde Tanz der Gamestop-Aktie geht weiter

Unterdessen ging der Hype um Gamestop am Donnerstag in eine neue Runde. Die Aktien des Videospiele-Händlers stiegen an der Wall Street zuletzt um mehr als die Hälfte auf 143 Dollar. Zur Eröffnung am Donnerstag hatten sie gar 160 Dollar gekostet, bis der Handel dann vorübergehend gestoppt wurde und die Papiere auf 129 Dollar zwischenzeitlich abrutschten. Bereits am Mittwoch hatte sich der Kurs der Aktie ohne erkennbaren Grund verdoppelt, war der Handel vorübergehend ausgesetzt worden, bis das Papier dann schließlich mit plus 104 Prozent bei fast 92 Dollar aus dem Handel ging.

Am Vortag hatte Gamestop den Abgang von Finanzchef Jim Bell angekündigt, ohne einen Grund zu nennen. US-Medien berichteten später, dass der Manager auf Druck einflussreicher Anteilseigner seinen Rücktritt habe einreichen müssen, weil es Unstimmigkeiten über die Strategie gegeben habe. Dabei soll Investor Ryan Cohen (35) eine Schlüsselrolle gespielt haben, der im Januar einen Posten im Verwaltungsrat übernommen hatte. Er gilt vielen Spekulanten als Hoffnungsträger für ein Comeback, weil er bereits den Tierbedarfshändler Chewy erfolgreich umgekrempelt hatte.

mg/Reuters, dpa-afx
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