Mittwoch, 18. September 2019

Centogene liebäugelt mit IPO an der Nasdaq Erbkrankheiten-Spezialist aus Rostock erwägt Börsengang

Seltenen Krankheiten auf der Spur: Labor-Analyse bei Centogene in Rostock
picture alliance / dpa
Seltenen Krankheiten auf der Spur: Labor-Analyse bei Centogene in Rostock

Die Rostocker Biotechfirma Centogene treibt Insidern zufolge ihre Börsenpläne voran. Die Unterlagen für einen Börsengang an der US-Technologiebörse Nasdaq würden voraussichtlich in Kürze eingereicht, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Schritt auf das Parkett in New York könne bereits im zweiten oder dritten Quartal erfolgen. Mit dem Geld aus dem Börsengang wolle die Firma ihr weiteres Wachstum finanzieren. Ein Centogene-Sprecher wollte sich zu den Informationen nicht äußern und erklärte lediglich, das Unternehmen prüfe stets seine Finanzierungsoptionen.

Tests für 2800 Gene im Angebot

Die auf die Diagnose von seltenen Erbkrankheiten spezialisierte Centogene beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Umsatz von 45 Millionen Euro. Dependancen finden sich in Toronto, Delhi, Dubai und Wien. Centogene hat nach eigenen Angaben die weltgrößte Datenbank zu seltenen Erbkrankheiten aufgebaut. Das Unternehmen bietet Tests für mehr als 2800 Gene an und arbeitet mit Pharmafirmen bei der Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Erbkrankheiten zusammen.

Zu den Eigentümern der 2006 vom Neurologen Arndt Rolfs gegründeten Firma gehören unter anderem der Münchner Risikokapitalgeber TVM Capital Life Science sowie die Finanzinvestoren Deutsche Private Equity (DPE) und CIC Capital, die sich im Sommer 2017 an einer 25 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde beteiligten. Sie lehnten eine Stellungnahme ab oder waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Rolfs forscht seit fast drei Jahrzehnten auf dem Gebiet der Neurogenetik. Zusammen mit vier Wissenschaftlern hatte er Centogene als Ausgründung der medizinischen Fakultät der Universität Rostock ins Leben gerufen. Der Wissenschaftler bekleidet an der Uni noch einen Lehrstuhl für experimentelle Neurowissenschaften.

In den USA lassen sich höhere Bewertung erzielen

In den vergangenen Jahren sind bereits einige europäische Biotechfirmen an die US-Börse Nasdaq gegangen. Sie stoßen dort auf viele Biotech-Investoren und können deutlich höhere Bewertungen erzielen als das in Europa der Fall wäre.

Unter anderem ist die Biopharma-Firma InflaRx aus Jena seit 2016 an der Nasdaq. Die bayerische Biotechfirma Morphosys Börsen-Chart zeigen, die bereits 1999 in Deutschland an die Börse gegangen war, wagte 2018 auch den Schritt an die Nasdaq. Seitdem sind dort sogenannte Hinterlegungsscheine (ADS) gelistet.

rei/Reuters

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