Bytedance legt IPO-Pläne auf Eis Tiktok-Mutter beugt sich Druck aus Peking

Mit einer Bewertung von 180 Milliarden Dollar zählt Bytedance zu den wertvollsten Start-ups der Welt. Ein Börsengang scheint unausweichlich. Doch das rigide Vorgehen der chinesischen Behörden gegen die heimischen Tech-Konzerne schreckt Gründer Zhang Yiming ab.
"Die Zeit ist nicht reif": Bytedance-Gründer Zhang Yiming will den Schritt an die Börse mit seinem Unternehmen lieber nicht wagen

"Die Zeit ist nicht reif": Bytedance-Gründer Zhang Yiming will den Schritt an die Börse mit seinem Unternehmen lieber nicht wagen

Foto: Shannon Stapleton / REUTERS

Der Tiktok-Mutterkonzern Bytedance hat seinen Börsengang abgesagt. Bytedance-Gründer Zhang Yiming (38) habe sich angesichts der Bedenken Pekings dazu entschieden, dass der Zeitpunkt für einen Börsengang aufgrund des politischen und regulatorischen Umfelds nicht reif sei, berichtet das "Wall Street Journal " (WSJ) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die chinesischen Aufsichtsbehörden hätten das Unternehmen zuvor dazu aufgefordert, Datensicherheitsrisiken auszuräumen. Die Behörden wollten sich dazu gegenüber der Zeitung nicht äußern.

Bytedance ist in Deutschland vor allem für seine Video-App Tiktok bekannt, die besonders bei Teenagern beliebt ist. Das vor neun Jahren gegründete Unternehmen wurde laut "WSJ" in der letzten Finanzierungsrunde im Dezember 2020 mit 180 Milliarden Dollar (150 Milliarden Euro) bewertet. Damit ist das Unternehmen eines der wertvollsten Start-ups der Welt. Zu den größten Aktionären gehören neben dem Gründer Yiming die Finanzinvestoren Sequoia Capital und KKR.

Der chinesische Konzern soll seinen Umsatz im vergangenen Jahr Berichten zufolge auf 34,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt und einen Gewinn von 19 Milliarden Dollar eingefahren haben. Bytedance hat inzwischen auf all seinen Plattformen knapp zwei Milliarden aktive Nutzer und beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter.

Mit diesen Kennzahlen war ein Börsengang schon lange erwartet worden. Wie das "WSJ" weiter unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen berichtet, wollte der Konzern eigentlich einen Teil oder das ganze Unternehmen entweder in den USA oder in Hongkong an die Börse bringen.

China fordert Genehmigung für Börsengänge im Ausland

Doch seit Monaten verschärft China die Regeln für die Technologieunternehmen des Landes. Erst am Wochenende hatte die nationale Cyberspace-Aufsicht erklärt, dass Unternehmen mit Daten von mehr als einer Million Nutzern sich künftig eine Genehmigung einholen müssen, bevor sie an einem Aktienmarkt im Ausland Anteilsscheine ausgeben dürfen. Peking befürchtet, dass die Daten nach einem Börsengang von ausländischen Regierungen beeinflusst, kontrolliert oder manipuliert werden könnten.

Im Gegensatz zu Bytedance hatte der chinesische Fahrdienstvermittler Didi seinen Börsengang trotz der zuvor geäußerten Bedenken der chinesischen Behörden durchgezogen - und bekam prompt die Quittung. Nur wenige Tage nach dessen milliardenschwerem Debüt hatten die chinesischen Behörden die App des Uber-Rivalen mit Verweis auf die nationale Sicherheit für den Download gesperrt. Als Grund wurden schwere Verstöße bei der Sammlung und Nutzung persönlicher Daten durch das Unternehmen genannt. Die Aktie des Unternehmens brach daraufhin ein.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte auch Ant Financial, der Finanzarm des Onlinehändlers Alibaba, den eigentlich geplanten größten Börsengang der Welt abgesagt. Grund war auch hier ein Eingriff der nationalen Behörden.

mg
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