US-Hedgefonds Bridgewater Starinvestor Ray Dalio wettet Milliarden auf fallende Europa-Börsen

Ray Dalio blickt pessimistisch in die Zukunft. Der Gründer eines der größten Hedgefonds der Welt wettet sagenhafte 6,7 Milliarden US-Dollar auf fallende Kurse in Europa. Betroffen sind auch sieben deutsche Unternehmen.
Krisenexperte: Multimilliardär Ray Dalio hat den Hedgefonds Bridgewater gegründet, der nun 21 Aktien europäischer Firmen geshortet hat

Krisenexperte: Multimilliardär Ray Dalio hat den Hedgefonds Bridgewater gegründet, der nun 21 Aktien europäischer Firmen geshortet hat

Foto: Brian Snyder / REUTERS

Der von Starinvestor Ray Dalio (72) geführte US-Hedgefonds Bridgewater hat sich im großen Stil für fallende Aktienmärkte positioniert. Der Hedgefonds habe Wetten auf fallende Kurse europäischer Aktien im Volumen von mindestens 6,7 Milliarden Dollar lanciert, teilte der Datenanbieter Breakout Point am Donnerstagabend mit. Kein anderer Vermögensverwalter spekuliere annähernd so aggressiv in diese Richtung. Zuletzt hatte Bridgewater Anfang 2018 und 2020 massiv auf eine Börsen-Baisse gewettet.

Aus Pflichtveröffentlichungen des Vermögensverwalters lasse sich schließen, dass dieser derzeit Aktien 21 europäischer Firmen "geshortet" habe, teilte Breakout Point weiter mit. Beim sogenannten Short Selling oder Leerverkauf leihen sich Investoren Aktien, um diese sofort zu verkaufen. Sie setzen darauf, dass sie sich bis zum Rückgabe-Termin billiger mit den Papieren eindecken können. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

Auf der Liste der Werte, bei denen Bridgewater einen Kursrückgang erwartet, stehen dem "Handelsblatt " zufolge folgende deutsche Unternehmen: Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Börse, Infineon, Munich Re und Vonovia. Die größte Shortposition ist dabei die Allianz mit 388 Millionen Euro.

Wie Breakout Point weiter berichtet, wettet der Hedgefonds zudem noch gegen den französische Versicherer Axa und gegen Banken wie Santander, BBVA, ING oder Intesa Sanpaolo. Das größte Volumen hätten Wetten auf einen Rückschlag für die Aktien des Chipausrüsters ASML, des Energiekonzerns Total Energies und der Pharmafirma Sanofi.

Wette oder Absicherung?

Europäischen Regularien zufolge müssen Investoren angeben, wenn sie Leerverkäufe im Volumen von mehr als 0,5 Prozent des Gesamtkapitals einer Firma tätigen. Der tatsächliche Umfang der Wetten von Bridgewater könnte noch größer sein. Es könnte allerdings auch sein, dass der Hedgefonds sich gegen Abwärtsrisiken absichern will.

Bridgewater Associates wurde 1975 von Dalio gegründet. Mit mehr als 140 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen ist das Unternehmen einer der größten Hedgefonds der Welt. Zwischen 1991 und 2021 schaffte er im Schnitt 10,4 Prozent Rendite pro Jahr. Laut "Forbes"-Liste 2022 beträgt Dalios Vermögen rund 22 Milliarden US-Dollar.

Dalio hatte dem Westen erst kürzlich im Interview mit dem "SPIEGEL " düstere Zeiten vorausgesagt - und damit seine eigene Short-Wette inhaltlich unterfüttert. Seiner Meinung nach haben die USA nicht nur den Höhepunkt ihrer Zeit als dominante Wirtschaftsmacht überschritten, sondern stehen sogar kurz vor einem Krieg mit China und Russland. Auch eine Stagflation lasse sich nicht mehr vermeiden.

Die Aktienmärkte stehen derzeit massiv unter Druck. Die Notenbanken erhöhen im Kampf gegen die Inflation ihre Zinsen, zuletzt am Donnerstag überraschend die Schweizerische Nationalbank (SNB). Der deutsche Leitindex Dax fiel daraufhin um mehr als 3 Prozent unter die Marke von 13.000 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor mehr als 2 Prozent. Angesichts des zügigen Tempos bei der Straffung der Geldpolitik sehen Anleger die Gefahr einer Rezession steigen. Bereits Anfang Juni hatte Bridgewater daher auf einen Ausverkauf bei Unternehmensanleihen in den USA und Europa gewettet.

mg/Reuters