Rennen der wertvollsten Konzerne  3 Gründe, warum Amazon bald mehr wert ist als Apple

Im Ranking der wertvollsten Konzerne der Welt steht Amazon jetzt auf dem zweiten Platz hinter Apple. Sehr wahrscheinlich wird der Online-Händler bald am iPhone-Konzern vorbeiziehen. Spitzenreiter ist demnächst aber wohl ein anderes Unternehmen.
Jäger und Gejagter: Amazon-Gründer Bezos (r.) und Apple-Chef Cook.

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Es ist zwar ein Titel, der wirtschaftlich mehr oder weniger bedeutungslos ist. Er findet aber dennoch viel Beachtung, und mit einigem Prestige ist er ebenfalls verbunden: Der Platz an der Spitze der weltweit wertvollsten börsennotierten Unternehmen.

Seit einigen Jahren hält der iPhone-Bauer Apple (Kurswerte anzeigen) diese Spitzenposition. Der Marktwert des Konzerns aus Cupertino in Kalifornien beträgt gegenwärtig etwa 830 Milliarden Dollar, womit er noch einen ordentlichen Vorsprung vor seinen Verfolgern hat. Einiges spricht jedoch dafür, dass sich das in Kürze ändern wird: Der Online-Riese Amazon (Kurswerte anzeigen) befindet sich auf bestem Wege, Apple als wertvollster Konzern der Welt demnächst abzulösen.

In dieser Woche machte Amazon bereits einen großen Schritt in diese Richtung. Amazon legte am Donnerstag überzeugende Geschäftsergebnisse vor. Der Konzern konnte seinen Quartalsgewinn auf 1,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Der Umsatz stieg zudem um 43 Prozent auf 51 Milliarden Dollar.

An der Börse sorgten diese Zahlen für Euphorie unter den Amazon-Anlegern, so dass der Aktienkurs in die Höhe schoss. Inklusive der Kursgewinne im nachbörslichen US-Handel steigerte der Konzern von Gründer Jeff Bezos damit seinen Marktwert am Donnerstag laut Bloomberg auf etwa 780 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Noch vor etwa einem Jahr betrug der Wert lediglich rund 450 Milliarden Dollar.

Damit ist Amazon nicht nur ein gehöriges Stück an Apple herangerückt. Der Online-Handelskonzern ließ zudem auch die Konkurrenten Microsoft  sowie Google (Alphabet ), die beide auf Marktwerte von rund 730 Milliarden Dollar kommen, weit hinter sich. Amazon belegt im Ranking der wertvollsten Konzerne nun bereits ziemlich uneingeschränkt Platz 2.

Dabei dürfte es allerdings kaum bleiben. Einiges spricht dafür, dass es mit Amazon auch künftig weiter aufwärts gehen wird, während bei Apples Marktwert, der bereits seit geraumer Zeit stagniert, in nächster Zeit wohl kaum große Sprünge zu erwarten sind.

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Wie kommt es zu dieser Erwartung? Ein direkter Vergleich der beiden Konzerne ist zwar schwierig, weil beide weitgehend in unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig sind. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen Amazon und Apple, die unabhängig vom operationalen Geschäft ausgemacht werden können - und die mitentscheidend für die künftige Entwicklung sein dürften.

Hier sind die drei wichtigsten:

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Die Behauptung vieler Manager, ihr Unternehmen sei "breit aufgestellt", gilt eigentlich als eine der langweiligsten Phrasen im Business-Sprech. Auf Amazon trifft diese Aussage allerdings zweifellos zu - im Gegensatz zu Apple . Amazon  ist bekanntlich längst nicht mehr nur der Online-Händler, mit dem Gründer Bezos in den 1990ern an den Start ging. Der Konzern verfügt inzwischen über zahlreiche weitere Aktivitäten, mit denen Umsätze und zum großen Teil auch Gewinne erzielt werden.

Ein Beispiel ist Amazon Web Services, die Cloud-Sparte, die in den USA Wettbewerber wie Google oder Microsoft weit hinter sich lässt. Ein weiteres ist Amazon Prime, der konzernübergreifende Abo-Service inklusive Streaming-Dienst, den, wie Bezos vergangene Woche bekannt gab, weltweit bereits 100 Millionen Kunden nutzen, und dessen Preis das Unternehmen in den USA in dieser Woche um etwa 20 Prozent erst einmal großzügig erhöhen konnte.

Wie sieht es dagegen bei Apple aus? Der Konzern wird seit Jahren kritisiert, weil er noch immer keinen Ersatz für seinen Hauptumsatzträger namens iPhone gefunden hat. Im Gegenteil: Das Unternehmen konnte nicht verhindern, dass der Anteil des iPhones am gesamten Apple-Umsatz in den vergangenen Jahren auf inzwischen etwa 70 Prozent zusehends gestiegen ist. Vor etwa zehn Jahren waren es nicht einmal 30 Prozent.

Welches Risiko in dieser Konstellation steckt, musste Apple gerade in den vergangenen Tagen erleben. Von Zulieferern wurden einmal mehr negative Nachrichten zur iPhone-Nachfrage kolportiert. Auch Analysten äußerten sich skeptisch insbesondere in Bezug auf das neue Vorzeigeprodukt des Hauses, das iPhone X. Der Aktienkurs des Konzerns musste daraufhin ordentlich Federn lassen. Innerhalb von nur knapp zehn Tagen ging es mit dem Kurs um rund 8 Prozent abwärts.

Das Geheimnis stärkeren Wachstums

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Aus der breiteren Aufstellung der Geschäftsaktivitäten folgt direkt der zweite Vorteil Amazons gegenüber Apple : Der Bezos-Konzern hat die Möglichkeit, deutlich mehr Menschen mit seinen Angeboten und Produkten anzusprechen. Sollte Apple nicht bald einige zündende Ideen für neue, lukrative Geschäftsfelder haben, so folgt daraus auch künftig ein größeres Wachstumspotenzial auf Seiten Amazons.

Gut 600 Millionen Smartphones mit dem Betriebssystem iOS befinden sich weltweit im Einsatz, so der Datenanbieter Statista. Sprich: Es sind rund um den Globus etwas mehr als 600 Millionen iPhones in Betrieb. Damit dürfte der Kundenkreis von Apple annäherungsweise beziffert sein, denn neue iPhones werden meist gekauft, um damit alte zu ersetzen. Und selbst das geschieht, wie die Spekulationen um das iPhone X zeigen, offenbar nicht mehr mit der Begeisterung früherer Jahre.

Amazon  dagegen dürfte die Grenzen seines Wachstums noch kaum erreicht haben. Der Konzern kann seine bestehenden Dienste wie bisher verbessern und ausbauen - etwa durch den zunehmenden Einsatz von Robotern und Künstlicher Intelligenz - sowie weitere Aktivitäten starten. Kürzlich sorgte bereits die Nachricht für Aufmerksamkeit, Amazon plane womöglich, eigene Bankdienstleistungen ins Programm zu nehmen. Auch die Kundenzahl von 100 Millionen beim Abo-Dienst Amazon Prime klingt zwar enorm. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit aber noch nicht erreicht sein.

Multimilliardär schlägt Chefverwalter

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Letztlich lässt sich wohl kaum besser als beim Vergleich von Amazon  und Apple  aufzeigen, wie wichtig die Führungsfigur an der Spitze für den Unternehmenserfolg ist. Amazon befindet sich nach wie vor in der Hand von Firmengründer Jeff Bezos. Es ist sein Baby, dass er mit Kreativität, Energie und Ausdauer groß gemacht hat, und dessen Erfolg er auch künftig weiter vorantreiben wird.

Die persönliche Verquickung von Bezos mit dem Amazon-Vormarsch zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass der Firmenerfolg den Gründer inzwischen steinreich gemacht hat. Auf der Erfolgsspur ließ Bezos im vergangenen Jahr alle anderen Multimilliardäre der Welt hinter sich und wurde zum mit Abstand reichsten Menschen auf dem Planeten. "Forbes" beziffert das Vermögen des Amazon-Gründers gegenwärtig auf rund 126 Milliarden Dollar.

Und bei Apple? Da denken viele Fans und Aktionäre vermutlich noch immer mit Wehmut an die Zeiten zurück, als der charismatische Mitgründer Steve Jobs den Konzernerfolg bestimmte. Dessen Nachfolger Tim Cook dagegen konnte in den rund sieben Jahren, in denen er sich inzwischen im Amt befindet, den Eindruck nie vollständig aus der Welt schaffen, dass er nicht viel mehr tut, als Jobs' Erbe zu verwalten.

Alle diese Gründe sollten ausreichen, um Amazon in Kürze zum wertvollsten Konzern der Welt zu machen - vor dem iPhone-Bauer Apple. Nur einen Haken hat die Sache: Saudi-Arabien bereitet seit einiger Zeit den Börsengang seines Ölunternehmens Aramco vor, und optimistische Schätzungen gingen bereits von einem Börsenwert Aramcos von bis zu zwei Billionen Dollar aus.

Viele Beobachter bezweifeln zwar, dass das eine realistische Größenordnung ist. Selbst wenn die Saudis mit Aramco jedoch nur auf die Hälfte dieses Marktwertes kommen, würde das Öl-Unternehmen die gesamte weltweite Konkurrenz hinter sich lassen. Saudi Aramco stünde dann klar an der Spitze des Rankings der wertvollsten börsennotierten Konzerne der Welt, vor Apple, und auch vor Amazon.

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