Börsenpsychologie Rekordkurse - und drei Anlegerfallen

Auch bei steigenden Kursen wie derzeit können Anleger viel Geld verlieren. Börse ist vor allem Psychologie: So vermeiden Sie drei teure Fallen.
Händler in New York: Warten auf den nächsten Rekord - und niemand will den Zug verpassen

Händler in New York: Warten auf den nächsten Rekord - und niemand will den Zug verpassen

Foto: Richard Drew/ AP

Die Börse ist kein Supermarkt: Während günstige Preise beim Discounter Kunden anlocken, funktioniert die Börse genau andersherum. Je schneller und stärker Dow Jones  und Dax  steigen, desto mehr Menschen interessieren sich für die in diesen Indizes gehandelten Aktien. Beginnen die Preise dieser Aktien jedoch wieder zu fallen, wenden sich immer mehr Menschen angstvoll ab: Je günstiger, desto abschreckender, so scheint es. Und je teurer, desto attraktiver.

Angst und Gier sind die bestimmenden Triebkräfte an der Börse. Anleger sollten einige Verhaltensregeln aus der Börsenpsychologie beherzigen, um nicht Opfer der eigenen Emotionen zu werden. Denn das kann besonders in Zeiten der Börseneuphorie teuer werden. Wer seine eigene Psyche im Griff hat, spart Geld - und erhöht seine Renditechancen.

Euphorie ist dein Feind - wer steigende Kurse erwartet, will verkaufen.

Angenommen, Sie haben vor einigen Wochen Aktien der Deutschen Bank  gekauft, als die heruntergeprügelte Aktie bei rund 12 Euro notierte. Inzwischen hat das Papier wieder mächtig zugelegt und notiert bei 18 Euro - und jemand fragt Sie, ob Sie glauben, dass diese unglaubliche Kursrally noch weitergeht. Natürlich glauben Sie das - denn je höher die Aktie steigt, desto höher ist Ihr Gewinn, wenn Sie zum richtigen Zeitpunkt verkaufen. Jeder Anleger, der jetzt noch einsteigt, bezahlt also die Gewinne derjenigen, die schon länger investiert sind und beizeiten durch einen Verkauf Gewinne realisieren wollen.

Die Zahl der potenziellen Verkäufer steigt derzeit mit jedem Tag, an dem Dax und Dow neue Jahreshochs markieren. Daraus folgt: Wenn fast alle mit weiter steigenden Kursen rechnen, sind fast alle schon investiert und bereit zum Absprung: Dann ist es höchste Zeit, zu verkaufen. Umgekehrt dürfte jemand, der sich skeptisch äußert und fallende Kurse erwartet, noch nicht investiert sein - sonst hätte er ja bereits gekauft. Je stärker die Skepsis an der Börse, desto größer das Lager der Kaufwilligen. An einer "Wall of Worries" kann ein Index häufig emporklettern. Warren Buffett hat dies so zusammengefasst: "Euphorie ist dein Feind an der Börse. Skepsis ist dein Freund."

Teure Extrapolation: Niemals vom Gestern auf das Morgen schließen

Niemals vom Gestern auf das Morgen schließen

Kurssteigerungen der Vergangenheit haben keine Bedeutung für die Zukunft. Dieser Satz ist banal, wird aber nur selten beherzigt. Nur weil ein Aktienchart eine schöne Linie nach oben anzeigt, bedeutet das nicht, dass diese Linie zwangsläufig weitergeführt werden muss: Eine Aktie steigt in der Regel dann, wenn es dem Management gelingt, Umsätze und Gewinne des Unternehmens kräftig zu steigern - und genau das wird immer schwieriger, je stärker der Anstieg von Umsatz, Gewinn und Börsenkurs in der Vergangenheit war.

Die Aktie von Goldman Sachs  zum Beispiel ist seit der Wahl von Donald Trump um 30 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen: Wer die Aktie jetzt noch kauft, sollte für sich gut begründen können, warum die Gewinne der Bank noch viel stärker steigen werden, als von der Börse ohnehin bereits erwartet wird. Der Hinweis, die Goldman-Aktie haben einen "tollen Lauf", ist eher ein Verkaufsgrund: Seit der Trump-Wahl sind bereits viele Anleger weltweit bei der Aktie eingestiegen und warten auf den richtigen Zeitpunkt, ihre Gewinne einzustreichen.

Zeit schlägt Zeitpunkt: Niemand ist schlauer als der Markt

Rein, Raus, Rein: Niemals versuchen, schlauer zu sein als alle anderen

Einer der sichersten Wege, Geld an der Börse zu verbrennen, ist hektisches Handeln. Heute rein, morgen raus, übermorgen wieder rein. Dieses "Market Timing", also der Versuch, stets den besten Kauf- und Verkaufszeitpunkt zu erwischen, ist wegen der Handelsgebühren an den Börsen nicht nur extrem teuer. Es ist auch zum Scheitern verurteilt, weil 99 Prozent aller Anleger diesen idealen Zeitpunkt nie treffen und die großen Erfolgsgeschichten an der Börse immer nur aus der Rückschau erzählt werden - also dann, wenn es jeder kann. Durch den Rückspiegel, sagt Warren Buffett, sieht man deutlich besser als durch die Windschutzscheibe.

Ein "Market Timer" an der Börse ist mit einem Schwimmer vergleichbar, der sich immer wieder aufs Neue in die Brandung wirft - und mit großer Verlässlichkeit sehr häufig von einer Welle überrollt wird. Erfahrene Anleger schwimmen nur einmal durch diese Brandung und vertrauen darauf, dass eine positive Grundströmung (Buffett nennt es "positive drift") sie nach vorne tragen wird.

In den vergangenen 50 Jahren, von 1966 bis 2015, brachten Aktien weltweit im Schnitt rund 5,6 Prozent Rendite pro Jahr ein. Dazwischen gibt es immer mal wieder ein Krisenjahr oder gar einen Crash, aber auf längere Sicht ist diese Rendite eben höher als bei anderen Anlagen. Und wer meint, dies gelte in Zeiten überbordender Verschuldung nicht mehr, der sollte gar nicht erst rausschwimmen und stattdessen andere Geldanlagen bevorzugen. Auch das wäre eine nachvollziehbare, rationale Entscheidung.