Charts, auf die Sie achten sollten Börsenprofi Thomas Grüner über Apple, China Mobile und die EZB

Von Thomas Grüner
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Der Langfristchart von Apple  steht mustergültig für eine bisher fulminante und einzigartige Erfolgsgeschichte. Noch vor zehn Jahren notierte die Aktie splitbereinigt bei rund 5 US-Dollar, heute bewegt sie sich im Bereich von 120 US-Dollar. Das könnte die Vermutung nahe legen, die Aktie wäre mittlerweile "heiß" gelaufen und überbewertet. Doch ein Blick auf die fundamentalen Daten zeigt deutlich, dass die Bewertungen immer noch relativ moderat sind. Ein KGV von knapp über 10 sowie ein unglaublich hoher Cashbestand im dreistelligen Milliardenbereich sollten Skeptiker beruhigen.

Die Pipeline an Innovationen scheint weiterhin ungebremst zu sein. Erst diese Woche präsentierte Apple die neue Apple Watch, eine Computeruhr mit vielen technischen Feinheiten und Finessen. Die Aufnahme von Apple in den Dow Jones ist ein weiterer strategischer Schritt, der schon lange Zeit geplant war. Im Zeitalter der Digitalisierung scheint das Unternehmen weiterhin seine Vormachtstellung auszuspielen.

China Mobile - der globale Maßstab im Telekom-Sektor

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Die Aktie von China Mobile  hat sich in den letzten Monaten rasant nach oben entwickelt, in einem Jahr hat sie sich nahezu verdoppelt.

Thomas Grüner

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman des Vermögensverwalters Grüner Fisher Investments (www.gruener-fisher.de ) mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Begründet ist dies vor allem durch den starken Zuwachs im neuen teureren 4G-Mobilfunkstandard, der seit seinem Start im Februar 2014 von etwa einer Million Nutzern auf mittlerweile 106 Millionen Nutzer gewachsen ist und die Position des Telekommunikationskonzerns mit den meisten Kunden weltweit weiter stärkt.

Auch fundamental ist die Aktie mit einem KGV von etwa 15 günstig im Verhältnis zu den Mitbewerbern bewertet und die operative Gewinnmarge (Ebitda) von 39 Prozent setzt den globalen Maßstab im Telekommunikationssektor.

Zwar ist China Mobile bislang gut gelaufen, jedoch ist eine weitere Aufwärtsbewegung über die Höchststände aus dem Jahr 2007 hinaus durchaus möglich.

Royal Dutch Shell - eins ist sicher: die Dividende

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Beim Ölriesen Royal Dutch Shell  ist eins sicher: Die Dividende. Seit 1945 wurde sie nicht mehr gesenkt und es gibt keine Indizien dafür, dass mit dieser Tradition in nächster Zeit gebrochen werden könnte. 2014 zahlte das Unternehmen je Aktie 1,76 Euro. Bezogen auf den aktuellen Kurs ergibt sich somit eine stattliche Dividendenrendite in Höhe von rund 6,4 Prozent.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase stellt das Papier eine attraktive Alternative zum Anleihemarkt für langfristig orientierte Investoren dar.

Auch wenn sich der Kurs im vergangenen Jahr nicht unbedingt zur Freude der Anleger entwickelte, sprechen für ein längerfristiges Investment bei Royal Dutch Shell - neben der hohen Dividendenrendite - auch die grundsoliden Bilanzen und das gut diversifizierte Portfolio des Unternehmens. Darüber hinaus zeichnet sich das Papier derzeit durch ein besonders niedriges KGV aus.

EZB - Anleihekäufe als Mittel gegen Deflation ebenso wie ...

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Am 05. März hielt der Präsident der EZB, Mario Draghi, eine Pressekonferenz in Nikosia. Auf dieser gab er das genaue Datum der ersten Wertpapierkäufe im Rahmen des "Public Sector Purchase Programme" (PSPP) bekannt. Schon letztes Jahr verkündete der EZB-Präsident, dass die Zentralbank ihre Bilanzsumme wieder auf ein Niveau heben will, wie es im Jahr 2012 war.

Schon damals war klar, dass das mit den bisherigen Programmen nicht möglich sein wird. Im Januar kam dann die erwartete Nachricht - es wird ein direktes Kaufen von Anleihen geben. Monatlich 60 Milliarden Euro bis September 2016: 1,1 Billionen Euro. Das Ziel der Käufe ist, einem weiteren Verfall der Preise entgegenzuwirken und die Inflationsrate wieder auf leicht unter 2 Prozent anzuheben.

... stärkere Kreditvergabe gegen Deflation

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Um die Inflationsrate mittelfristig auf das gewünschte Niveau zu heben, ist eine Erhöhung der Kreditvergabe durch Banken an Unternehmen und Haushalte notwendig. Seit Mai 2014 war das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr zwar fast durchgehend steigend, man sieht aber deutlich, dass die Wirtschaft in Europa dem allgemeinen Wachstum hinterherhinkt.

Da europäische Unternehmen sich aber im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen öfter über Banken refinanzieren als Anleihen auszugeben, hofft die EZB, mit ihrem Anleiheankaufprogramm die Kreditvergabe ankurbeln zu können.

Um mehr Kredite vergeben zu können, muss auch eine entsprechende Nachfrage vorhanden sein - und dies ist bei den großen Unternehmen im Moment weniger der Fall. Die Anreize für Banken, Kredite zu vergeben, sind durch die bisherigen EZB-Maßnahmen eher gesunken. Wie erfolgreich das Programm der Zentralbank sein wird, wird sich erst in einigen Monaten beurteilen lassen.

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