Börsenkurse der Woche Überraschen Sie uns, Herr Harms!

Verunsicherung in Brasilien und der Türkei, sinkende Preise bei Öl und Gold - aber immerhin Hoffnung bei Technologiewerten. Die wöchentliche Show der markantesten Börsenkurse - heute von Börsenprofi Michael Harms, Bethmann Bank.
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Brasilianische Aktien - Anleger verunsichert

Brasilien kommt nicht zur Ruhe. Eigentlich sollte das Land von den Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele profitieren. Dies wird sicher auch geschehen, denn die Infrastrukturinvestitionen und die mit den sportlichen Großereignissen verbundenen touristischen Effekte, die beide auch für neue Arbeitsplätze sorgen, werden mittelfristig ihre positive Wirkung nicht verfehlen.

Derzeit aber verunsichern die anhaltenden Proteste der Bevölkerung gegen die Kosten der Stadionbauten und die nach Meinung der Demonstranten verfehlte Bildungspolitik der Präsidentin die Anleger. Solange die Unruhen anhalten und deren Folgen nicht bewältigt sind, ist Brasilien kein bevorzugtes Investment.

Türkische Aktien - Anleger verlieren Vertrauen

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Proteste bilden auch in der Türkei den Hintergrund für die heftigen Kursrückgänge an der Aktienbörse und für einen kräftigen Abzug von Kapital auch aus den Anleihemärkten. Das überaus harte Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die überwiegend friedlichen Demonstranten in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Städten des Landes haben die Investoren spürbar verunsichert.

Zur schlechten Stimmung der Anleger trägt auch bei, dass sich durch die jüngsten Geschehnisse die Beitrittsperspektiven des eurasischen Landes zur EU nicht eben verbessert haben. Es liegt nun an der, wirtschaftlich bislang sehr erfolgreichen Regierung Erdogan, die Wogen zu glätten und das Vertrauen der Kapitalanleger zurück zu gewinnen.

Banken Europa - Abwicklungsplan schreckt Anleger ab

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Erstaunlich aber wahr, die Finanzminister der Europäischen Union haben sich auf die Grundzüge eines Bankenabwicklungsgesetzes für "systemrelevante" Großbanken geeinigt. Sobald dies in nationales Recht übersetzt ist, steht damit der Steuerzahler nun am Ende der Haftungskette. Eigentümer, Gläubiger und Kunden oberhalb der Einlagensicherungsgrenze müssen zuerst etwaige Verluste tragen.

Ob dies so am Ende auch umgesetzt wird, bleibt aber fraglich, denn die Einigung der Finanzminister sieht einen nationalen Entscheidungsspielraum vor, der die Verlustbeteiligung Privater aussetzen kann. Die Anleger jedenfalls sind nicht begeistert, die Banken füllen die Listen der Kursverlierer nach der Einigung der Minister.

Chemieaktien - Chinesische Zölle drücken auf die Kurse

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Wenig erfreuliches kommt für die chemische Industrie Europas aus dem fernen Asien. Die Volksrepublik China verhängt einen Einfuhrzoll in Höhe von 36,9 Prozent auf Toluidin, das bei der Herstellung von Farbstoffen, Medikamenten und Düngemitteln verwendet wird. Lediglich Lanxess zahlt nur 19,6 Prozent.

Damit dürfte sich die Wettbewerbsposition europäischer Anbieter im wichtigen chinesischen Markt ein gutes Stück verschlechtern. Zu hoffen bleibt, dass die EU-Kommission nicht ihrerseits mit weiteren Zöllen antwortet und so den Handelsstreit mit China immer weiter eskaliert. Die Kursschwäche europäischer Chemieaktien sollte aber trotz des Zollthemas nur temporär sein, denn die globale Nachfrage zieht allmählich wieder an.

Globale Technologieaktien - Wolkentechnologie schafft Chancen

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Oracle  kooperiert mit Microsoft , Yaveon arbeitet mit runtime zusammen, SAP bestätigt positive Prognosen durch Perspektiven im Cloud-Computing, die Verbände der Cloud-Anbieter aus den USA und aus Europa vereinbaren Kooperation und Sony  bietet das erste Endgerät an, das gleichzeitig auf Windows und Android basiert und damit völlig neue Möglichkeiten für Cloud-Anwendungen birgt.

Die "Wolkentechnologie" verändert eine ganze Branche. Neue Anbietergruppierungen entstehen und für den Verbraucher eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, die auch eine weitere Miniaturisierung der Endgeräte mit sich bringen dürfte. Die Entwicklungsimpulse im Technologiesektor sind ungebrochen und machen ein Investment interessant.

Ölpreis - kaum Auftriebskräfte in Sicht

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Der Ölpreis ist schon seit einiger Zeit auf dem Rückzug und hat vor allem aufgrund der Konkurrenz durch das preiswerter gewordene Gas nachgegeben, besonders seit Gas im Fracking-Verfahren gefördert wird. Anleger haben daher schon seit einiger Zeit wenig Freude am wichtigsten Energierohstoff.

Nun haben China und Russland eine Vereinbarung getroffen, dass der Ölproduzent Rosneft  in den nächsten 25 Jahren 365 Millionen Tonnen Erdöl nach China liefert und dafür rund USD 270 Mrd. erhält. Mit dieser langfristigen Liefervereinbarung wird wieder ein Teil der Nachfrage dem Markt entzogen und von künftigen Preisentwicklungen unabhängig gestellt. Die Auftriebkräfte für den Ölpreis sollten daher zunächst einmal gering bleiben.

Gold - schlechte Perspektiven

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Die Ängste der Anleger haben inzwischen spürbar nachgelassen. Damit ist auch der Goldpreis, der zuvor durch "Panikkäufe" auf nie gekannte Höhen getrieben wurde, bereits tief gefallen. Preisdaten aller Stufen lassen wenig Inflationspotential erkennen und die systemischen Risiken werden Stück für Stück durch Regulierungen abgebaut.

Der einzige noch verbleibende positive Preisfaktor für Gold ist die Liquidität. Da ist es kein Wunder, dass die Ankündigung der US-Notenbank Fed bei gegeben guten Umständen stufenweise aus den Anleihekaufprogrammen auszusteigen, was ja bedeutet keine weitere Liquiditätszuführung, den Goldpreis noch einmal nach unten drücken konnte. Die Perspektiven des gelben Metalls bleiben schlecht, ein Investment uninteressant.